Chorgeschichten: Schon in jungen Jahren sang ich im gemischten Chor, zunächst im Schulchor des Helmholz-Gymnasiums in Bielefeld, dann bei den freien Bibelforschern, daraufhin in der lutherischen Kirche und schließlich in einer freien evangelischen Gemeinde. In allen Chören ging es mitunter lustig zu. Doch in der Regel wurden dabei nicht die Grenzen des Anstandes überschritten. Wenn das dennoch geschah, vermißte ich allerdings bei vielen Anwesenden den Ausdruck des Bedauerns.

Inhaltsverzeichnis

Helmholz-Gymnasium

Herr Dr. Giebeler ließ vorsingen. Danach erteilte er die Schulnoten in Musik. Wer eine gute Note erhalten hatte, der durfte im Schulchor singen. Ich war dabei! Mein Freund Detlef wollte in einer Übungsstunde des Chores seinen Spaß haben und lies ganz leise allen Tenöre wissen: „Wir singen von jetzt ab einen halben Ton tiefer!“ Dr. Giebeler reagierte sofort mit der Bemerkung: „Es klingt wie eine Schar ganz giftiger Insekten.“ Die Sänger des Tenores lachten leise! – Daraufhin schlug Detlef vor: „Lasst uns wieder normal singen.“ Das Lob des Dirigenten ließ nicht lange auf sich warten.- Zufriedenes Lächeln allerseits!
Im Schulfach „Musik“ folgte dem Doktor der Herr M. Wer unter den Schülern seine Hausaufgaben zuhause nur teilweise erledigt hatte, der konnte diese in seinem Unterricht vervollständigen – aber nur 40 Minuten lang, denn in den letzten 5 Minuten wurde gesungen. Wir stellten uns darauf ein. Das geschah etwa 1960, also 17 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Manchem Lehrer war zu jener Zeit die Freude am Bildungsauftrag genommen worden. Diesem Lehrer offenbar auch. Daher saß er jede Stunde, in der er uns eigentlich unterrichten sollte, am Klavier und spielte dort seine Lieblingsstücke. Daher konnten wir ehrlichen Gewissens behaupten, unsere HA mit Musikbegleitung angefertigt zu haben. Arbeiterkinder, wie ich eines war, konnten eine solche Begleitung zu Hause nicht erwarten.

Chor einer Bibelforschergemeinde

Der Chorleiter war fähig aber ein Knoblauch-Fan. Diese Knoblauch-Zwiebeln sollte das Blut verdünnen, wie man sich in der Nachkriegszeit erzählte. Der Chorleiter schenkte dieser Volksweisheit offensichtlich Vertrauen. Da er oftmals vorsang, gelangte jedoch der Duft der edlen Knolle auch unter seine Schüler und Schülerinnen, nicht als Blutverdünner, sondern offenbar als Luftverschmutzer. – Er wurde durch seinen Neffen als Chorleiter abgelöst. Dieser Neffe wollte offenbar den Wechsel in der Chorleiterschaft rechtfertigen, indem er seinem Onkel, der jetzt nur noch im Bass seine Stimme erklingen lassen durfte, laut zurief: „Du stinkst wie ein Dachs!“ Nicht einmal die jungen Leute, zu denen ich mich damals noch zählte, fanden das lustig! Der Onkel, der schon im Pansionsalter lebte, blieb von da an dem gemischten Chore fern.- Sagt uns doch die Heilige Schrift im 1.Titus 5,17: „Die Älteren … halte man doppelter Ehre wert.“

Kirchenchor

Eine junge geschiedene Frau leitete ihn. Sie war Lehrerin, sehr talentiert und für meinen Geschmack sehr hübsch. Sie fiel mir gleich um den Hals. Sie wollte mich auch privat besuchen und mit mir Singen. Später bot sie mir einen gemeinsamen Spaziergang an. Ich war wie sie geschieden, wollte aber nicht mehr heiraten. Einige fanden ihr Verhalten mir gegenüber lustig, ich jedoch nicht! Ich hoffe, dass sie später einen liebenswerten Partner gefunden hat, der sie heiratete.

Chor einer Freikirche

Das war der am besten geleitete Chor von allen Chören, die ich bisher besucht hatte. Dort gab es allerdings eine etwa 80-jährige Frau, welche mich in ihr Herz geschlossen hatte. Aber sie wusste nicht, wie sie meine Gegenliebe erwecken könnte. Sie versuchte es mit Remplern und zwar immer dann, wenn die Leiterin die Mitglieder des gemischten Chores zu dessen Auftritt nach vorne beorderte. Dabei saß die ältere Dame immer direkt hinter mir am Ende der Stuhlreihe, stand aber sofort auf, wenn ich Anzeichen machte, mich selbst zu erheben. Danach ereignete sich in der Regel ein Zusammenstoß unserer Schultern. Umsetzen half nichts, ich hatte sie ständig im Rücken. Mein Zurückweichen kurz vor unserem Zusammentreffen hätte dazu führen können, dass diese Frau auf meinem Schoss zur Ruhe gefunden hätte oder sogar auf dem Boden. Das wollte ich unbedingt vermeiden. Als ich einmal im kleinen Kreise ihr Verhalten anprangerte, da musste ich mich bei dieser Frau entschuldigen. Offenbar glaubte der Prediger, ich hätte die Kollisionen verursacht. Doch er beobachtete uns von da an. Als die ältere Dame danach wieder auf Kollisionkurs ging, schrie er laut durch den gesamten Gemeindesaal: „Lass das!“ Von da an hatte ich Ruhe.

Als nächstes Ziel für den Chorausflug wurde eine Kirche gewählt, danach wollten wir in einer Gärtnerei feiern. Ich fuhr zunächst zur Gärtnerei, um dort meine Gitarre abzugeben. Es war sehr heiß. Die Temperatur war auf 40 Grad Celsius gestiegen. Mein Auto besaß kein Kühlsystem. Ich fuhr rechts an den Straßenrand und zog mein T-Shirt aus, das völlig verschwitzt war. Auf diese Weise kam ich vor der Gärtnerei mit freiem Oberkörper an. Es war leider nicht möglich, das verschwitzte Shirt im Auto wieder anzuziehen. Daher stieg ich aus. Bevor ich mein T-Shirt anziehen konnte, kam die besagte Frau mit ihrem Auto um die Ecke gefahren und sah mich. Sie empörte sich keinesfalls über mein Verhalten, sondern ignorierte es einfach. Als ich jedoch danach an der besagten Kirche ankam, hänselten mich die Chorsänger. Der Prediger kam auf mich zu und sprach mich auf den oben beschriebenen Vorfall an. Ich erklärte ihm alles. Er ging schmunzelnd zu den anwesenden Chormitgliedern und erklärte ihnen, wie es zu dem Gerücht gekommen war, das offenbar zuvor von der besagten Frau über mich verbreitet worden war. Diesen hauptamtlichen Prediger schätzte ich sehr wie auch den Jugendprediger. Beide verließen zu meinem Bedauern einige Jahre später die Gemeinde.

30.04.2021 Kk

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