Religion: Die motivierende Predigt im Gottesdienst

Voraussetzungen

In Schulen gabt es zu meiner Zeit ganz unverrückbare Verhaltensriten für noch nicht erwachsene Schüler beim Eintritt der Lehrperson in den Klassenraum oder Fachraum. Schmerzhaft durfte ich erfahren, dass man diese nicht willkürlich verändern sollte. Nach einem persönlichen Schicksalsschlag wollte ich die folgende Begrüßung meiner Knabenklasse nicht mehr ertragen. Beim meinem Eintritt in den Physikraum standen nämlich alle stramm wie die Soldaten vor ihrem Befehlshaber und begrüßten mich mit den Worten: „Guten Morgen Herr Krömker!“ Diese Formulierung war mir irgendwie zuwider, sodass ich ihnen sagte: “ Ich bin kein Herr! Ich bin ein armes Schwein!“ In der folgenden Unterrichtsstunde stand diese Klasse wieder „stramm“ und ich vernahm wie aus einem Munde: „Guten Morgen armes Schwein!“ – Wie in der Schule so werden auch in der Kirche Anweisungen nicht immer so verstanden, wie sie gemeind sind. „Jetzt wollen wir alle aufstehen!“ oder „Jetzt lasst uns beten!“ empfinden manche Besucher als unpassend. Auf Anordnungen kann man nicht verzichten, doch darf man diese durchaus in einer freundlichen Art und Weise formulieren: „Wer kann, der stehe bitte auf!“ oder „Bitte, lasst uns beten!“ Man bedenke: Nicht jeder will und nicht jeder kann! Ist der Gesundheitszustand der Zuhörer allerdings überschaubar wie z.B. in einem Jugendchor, dann bedarf es nicht unbedingt der obenen beschriebenen Rücksichtsmaßnahmen. Dann wäre es durchaus vorstellbar, dass die Übungsleitung bei der Aufwärmübung die Militärsprache verwendet: „AUF – NIEDER! -lol!

Wahl des Themas

Die Wahl des Predigtthemas stellt ein besonderes Herausforderung dar. In den großen Volkskirchen wird dem Pfarrer oftmals die Wahl abgenommen. Der Kalender bestimmt, welche Bibelstellen zu betrachten sind. In den sog Freikirchen wählt mancher Prediger selbst das Thema seines Vortrages aus. Doch diese Wahl ist nicht immer leicht. Besonders für einen Laienprediger stellt sich die Frage: „Welchen biblische Bericht des AT oder des NT sollte ich für diese Gemeinde auswählen?“ Das wird sich so mancher schon gefragt haben, der sich auf seinen Dienst hinter der Kanzel vorbereitete. Es liegen ihm keine Richtlinien vor wie in der Schule, die ihm sagen könnten, was seine Predigt behandeln sollte. Für den hauptamtlichen Pastor der Gemeinde ist das Problem am leichtesten zu lösen. Schließlich kennt er fast jedes Mitglied der Gemeinde persönlich und weiß, was dieses an Trost, Hilfe und Unterweisung benötigt. Aber was ist dem fremden Prediger zu raten, der aufgrund eines „Kanzeltausches“ vor einer ihm fremden Gemeinde steht?

Da hilft nur das Gebet!

Als junger Realschullehrer und später als Studienrat habe ich jahrelang am Wochenende Hausgemeinden meiner Freikirche besucht, um ihnen „durchs Wort zu dienen“, wie wir es nannten. Mitunter kannte ich die Mitglieder dieser Hausgemeinden gar nicht. Nach Münster, Burgsteinfurt, Hamm oder Bodenwerda zu einem Hauskreis zu fahren, ohne zu wissen, welches Wort den Glaubensgeschwistern helfen könnte, – das wäre unverantwortlich gewesen. Da hilft nur das Gebet, weil Gott allein weiß, was die Mitglieder der Hausgemeinde an Trost und Aufmunterung benötigen. Am Samstag dauerte der Unterricht in der Schule bis 11.15 Uhr, danach die Fahrt nach Haus zu Mutter, Essen, dann kurz ruhen, etwa eine Stunde beten, dann den Vortrag in Stichpunkten niederschreiben. Das letztere benötigte in der Regel eine weitere Stunde. Ohne Gebet lief nichts. Das hat sich bis heute nicht geändert! Wer allen Zuhörern wenigstens etwas an Trost und Hilfe mitgeben möchte, der kommt ohne die Gnade Gottes nicht aus. Die aber sollte zuvor im Namen Jesu Christi vom Vater der Schöpfung erbeten werden. Das war früher so und ist heute nicht anders. 09.10.2020 Kk

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