Jesaja 49,1-6: 1 Hört mir zu, ihr Inseln, und ihr Völker in der Ferne, merkt auf! Der HERR hat mich berufen von Mutterleibe an; er hat meines Namens gedacht, als ich noch im Schoß der Mutter war. 2 Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht, mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum spitzen Pfeil gemacht und mich in seinem Köcher verwahrt. 3 Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich mich verherrlichen will. 4 Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz. Doch mein Recht ist bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott. 5 Und nun spricht der HERR, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht bereitet hat, dass ich Jakob zu ihm zurückbringen soll und Israel zu ihm gesammelt werde – und ich bin vor dem HERRN wertgeachtet und mein Gott ist meine Stärke –, 6 er spricht: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der Völker gemacht, dass mein Heil reiche bis an die Enden der Erde.“


Einleitung

Um 740/39 a. Chr. n. wird Jesaja zum Propheten berufen. 712 a. Chr. n. muss er ohne Obergewandt und barfuß gehen – als Zeichen für die Strafe, welche Ägypten erwarten wird.
Aus den Versen 2-3 von Jesaja 49 spricht sehr viel Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein. Jesaja sieht sich selber als ein scharfes Schwert und einen spitzen Pfeil in Gottes Köcher. Hierbei verwendet er eine aggressiven Redeweise. Er fühlt sich seit seiner Geburt von Gott berufen, um Israel zu seinem Gott zurückzuführen. Im Vers 4 überkommen ihm allerdings Selbstzweifel. Er vermutet offenbar, dass sein ganzes Bemühen vergeblich sein könnte. Er wird sich gefragt haben: „Lohnt es sich überhaupt, dass ich mich für die Errettung Israels einsetze?“ Im Vers 5 weiß er sich hingegen von seinem Gott erwählt und ist bereit, sein Volk zu Glauben und Gehorsam zurückzuführen.


Die depressive Phase des Propheten

Zunächst verfällt Jesaja in eine depressive Phase, welche er im 4.Vers beschreibt: „Ich aber dachte, ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz.“
Diese Phase kennt jeder Priester, Pastor und auch gläubige Laie. Die ersten beiden Angesprochenen denken mitunter: „Was soll mein Predigen? Die Leute tun doch, was sie wollen! Sie lassen nicht von ihren sündigen Gewohnheiten. Der Laie mag denken: „Habe ich meine Kinder nicht jeden Sonntag in den Gottesdienst begleitet? Nun gehen sie ihre eigenen Wege ohne Gott.“
– Im 5. Vers hat Jesaja diese depressive Phase überwunden, indem er sich nun an seinen eigentlichen Auftrag erinnert. Der bestand darin, Jakobs Nachfahren (Israel) zu ihren Gott zurückzuführen. Nun fühlt er sich wieder von Gott „wertgeachtet“ und nennt ihn „seine Stärke“. Im Vers 5 weiß er sich von seinem Gott erwählt, der ihm den Auftrag erteilt, das Volk Israel zu seinem Gott zurückzuführen. Vers 6 eröffnet ihm eine zusätzliche Aufgabe, die im folgenden Abschnitt beschrieben wird.


Sein Auftrag für die Welt

Im 6.Vers erhält der Prophet eine globale Aufgabe. Er soll zum „Licht der Völker“ werden. Alle sollen durch ihn zum Glauben an Jahwe gelangen und dadurch Erkenntnis und Heilssicherheit erlangen. Doch wie kann dieses geschehen? Jesaja 53 gibt uns die Antwort, denn dort beschreibt der Prophet den Leidensweg Jesu Christi.
Einige Schriftrollen, auf denen das Kapitel 53 stand, wurde im vorigen Jahrhundert in einer Höhle in Kumran gefunden. Nach der C14-Methode konnte man eindeutig nachweisen, dass jenes Schriftstück vor Christi Geburt geschrieben wurde (Siehe das obige Beitragsbild). Dadurch wurden die Kritiker widerlegt, welche behauptet hatten, der Leidensweg des Mannes Gottes, welcher in Jesaja 53 beschrieben ist, sei erst nach Christi Leiden und Tod entstanden. – Nein, Jesaja 53 beschreibt Jesu Leiden und Sterben genau und detailliert in prophetischer Vorausschau:
„1 Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und an wem ist der Arm des HERRN offenbart? 2 Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte. 3 Er war der Verachteste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet. 4 Ja, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre. 5 Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. 6 Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.
7 Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf. 8 Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wen aber kümmert sein Geschick? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat seines Volks geplagt war. 9 Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist. 10 Aber der HERR wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und lange leben, und des HERRN Plan wird durch ihn gelingen. 11 Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden. 12 Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben dafür, dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde vieler Menschen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.“


Gedanken zum Schluss

Es ist einfach erstaunlich, dass ein Mensch wie Jesaja, welcher von so vielen Selbstzweifeln gequält wurde, solch eine globale Heilsbotschaft vom väterlichen Gott Jahwe empfangen konnte, wie sie in Jesaja 49, 6 beschrieben wird. Dieses sollte uns ermutigen, negative Gedanken zu überwinden, und unseren Glauben trotz aller Widerstände zu bekennen. Enttäuschungen gehören dazu. Sie bewirken bei uns Demut und Geduld. Irgendwann wird unser Gott sich unser erbarmen, so wie er es bei Jesaja tat. Dann wird das Wort Gottes wieder auf „fruchtbaren Boden“ fallen, indem es die Herzen der Menschen erreicht. Zum Schluss sei noch einmal der Vers 6 zitiert:
„Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern ich habe dich auch zum Licht der Völker gemacht, dass mein Heil reiche bis an die Enden der Erde.“ – Jesaja prophezeit vor Chr. n. den Kern der christlichen Botschaft, indem er Jesu Wirken als Erlöser der Welt in allen Wesenszügen beschreibt.
06.10.22 Kk

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