Viele Menschen stellen sich den Gottesdienst in einer Kirche folgendermaßen vor: Vorne von der Kanzel aus predigt der Pastor. Vor ihm sitzt die Gemeinde. Sie wird zur Mitarbeit ermuntert, indem sie mit dem Pastor gemeinsam christliche Lieder singt, welche von der Orgel begleitet werden, das Glaubensbekenntnis spricht und zum Schluss das „Vater unser“. Ist das alles?


Sei nicht untätig!

Viele christliche Gemeinden möchten ihre Mitglieder beschäftigen, welches im Prinzip recht sinnvoll ist. Um die Frage zu entscheiden, welches Gemeindemitglied mit welcher Aufgabe zu betreuen sei, dazu bedarf es jedoch kompetenter Personen. Am sinnvollsten wäre es, wenn der geisterfüllte Prediger der Gemeinde das letzte Wort in dieser Angelegenheit hätte. Ist der allerdings ein Neuling, dann sollte die Gemeindeleitung bzw. das Presbyterium ihm alle erdenkliche Unterstützung zuteilwerden lassen.
Doch alle menschlichen Vorschläge helfen nur dann, wenn die Verantwortlichen die Geistesgabe der Geisterunterscheidung erbeten und erhalten haben. Auch die weiteren Gaben sind wichtig, welche im 1.Korinther 12, 6 – 10 genannt werden:
„6 Und es sind verschiedene Kräfte; aber es ist ein Gott, der da bewirkt alles in allen. 7 Durch einen jeden offenbart sich der Geist zum Nutzen aller. 8 Dem einen wird durch den Geist ein Wort der Weisheit gegeben; dem andern ein Wort der Erkenntnis durch denselben Geist; 9 einem andern Glaube, in demselben Geist; einem andern die Gabe, gesund zu machen, in dem einen Geist; 10 einem andern die Kraft, Wunder zu tun; einem andern prophetische Rede; einem andern die Gabe, die Geister zu unterscheiden; einem andern mancherlei Zungenrede; einem andern die Gabe, sie auszulegen.“
Alle anderen Kriterien führen zu keinem entscheidenden geistlichen Wachstum der Gemeinde.


Beten kann ein jeder!

Gebetskreise strahlen eine große Kraft aus. Dazu finden wir mehrere Beispiele in der Heiligen Schrift. Eines wird beschrieben in Apostelgeschichte 16, 23-37. Als der Apostel Paulus und sein Gefährte Silas im Gefängnis gebunden lagen, da betete die Gemeinde für ihre Freilassung. Daraufhin öffnete ein Erdbeben die Türen des Gefängnisses. Gott bewirkte, dass den Gefangenen die Fesseln abfielen.
Mancher wird sagen: “Ja, das war früher!“ Nein, so etwas geschieht heute noch in totalitären Staaten, welche keine Toleranz gegenüber dem christlichen Glauben entwickelt haben.
In unseren sog „freien Staaten“ Europas wird man nicht mehr wegen seines Glaubens ins Gefängnis geworfen. Aber viele, die sich Christen nennen, sind gefangen in den Fesseln der sexuellen Freizügigkeit. Durch die Letztere werden Ehen zerrüttet und Kinder ins Chaos gestoßen. Auf diesem Gebiet besteht ein sehr hoher Bedarf an Gebetsgruppen. Diese sollten unseren Herrn darum bitten, dass er den Heranwachsenden der Gemeinde das Gelingen schenkt, ihre Kräfte mit Gottes Hilfe zu kanalisieren.
Auch die älteren alleinstehenden Gemeindemitglieder benötigen Anreize für eine sinnvolle Beschäftigung in Hauskreisen oder im privaten Bereich, sei es in ihrer Familie, Verwandtschaft oder Nachbarschaft. Doch ohne Gebet geht gar nichts, so wie es in Jakobus 4, 2 zu lesen ist: „Ihr begehrt und habt nichts; ihr schmiedet Pläne und tötet und bekommt nichts. Ihr seid neidisch auf das, was andere haben, und könnt es nicht bekommen; also kämpft und streitet ihr, um es ihnen wegzunehmen. Doch euch fehlt das, was ihr so gerne wollt, weil ihr Gott nicht darum bittet.“ Beim Beten in einer Gruppe ist es allerdings wichtig, gemeinsame Ziele zu verfolgen. Zettel mit Gebetsanliegen könnte dabei helfen.


Andreas

In den christlichen Gemeinden, landaus, landab, gibt es viele Selbstdarsteller, die mit Applaus bedacht werden. Zu denen gehörte Andreas nicht. Das Leiten einer Bibelstunde lag ihm nicht. Er konnte weder ein Instrument spielen, noch konnte er singen.Als recht korpulenter Herr tat er sich auch in seinem Beruf als Bauhelfer schwer. Die Mischmaschine, welche er mit drei Eimer Sand und einem Eimer Zement füllen sollte, versorgte er mit drei Eimer Zement, auf die ein Eimer Sand kam – und das über längere Zeit. Es erfolgte der Rauswurf. Ein anderes Mal betrat er eine Holzbohle, welche durch Bausteine unterstützt wurde. Leider trat er auf einen Überhang – und die Bohle schlug ihm vor den Kopf. Drei Wochen Arbeitsausfall wegen Krankheit folgten, danach die Kündigung.
Dennoch war Andreas ein ganz treues Gotteskind und besuchte zeitweise ganz regelmäßig unseren Hauskreis. Dort kam ihm eines Tages eine Idee: „Lasst uns einmal im Altersheim singen!“ Mir stockte der Atem, aber ich wagte nicht zu widersprechen.
Wir fuhren ins Altenheim einer fremden Kleinstadt, in der man weder Andreas noch die übrigen Teilnehmer kennen konnte. Ich nahm meine Gitarre mit und auf ging es. Meiner Meinung nach war der anschließende Gesang im Altenheim schauderhaft!
Aber nun geschah das, was für mich damals unbegreiflich war: Die älteren Damen stürzten nach dem Gesang auf uns Sänger zu und bedankten sich übermäßig herzlich. Besonders dem Andreas reichten sie ihre Hände mit besonders herzlicher Danksagung.
Es müssen die Engel mitgesungen haben! Eines ist mir damals ganz klar geworden. Nicht die künstlerische Begabung ist entscheidend im Dienst am Nächsten sondern Glaube und Liebe. Wenn die im Herzen eines Menschen wirken, dann wirken sie auch in den Herzen der Beschenkten. Damals kam mir das Bibelwort aus 1.Samuel 16,7 in den Sinn: „Aber der HERR sprach zu Samuel: Sieh nicht an sein Aussehen und seinen hohen Wuchs; ich habe ihn verworfen. Denn nicht sieht der HERR auf das, worauf ein Mensch sieht. Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz an.“
03.10.22 Kk

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