Im deutschen Ostfranken gab es im frühen Mittelalter noch keine allgemeinverbindliche Rechtsordnung. Erst 1495 führte Kaiser Maximilian das Reichskammer-Gericht ein, vor dem jeder Rechtsstreit zwischen Chur-Fürsten, Fürsten und Stände und allen Reichsangehörigen geschlichtet werden sollte. Bis dahin galt mehr oder weniger das Recht des Stärkeren. Allerdings gab es ungeschriebene Gesetze. So z.B. erwartete man von einem Adligen, die einmal geschworene Treue zur Gefolgschaft einzuhalten. Auch mündliche Zusagen waren verbindlich und besonders abgelegte Eide. Nur der Papst in Rom konnte einen geschworenen Eid aufheben. Letzteres sorgte in unserer Heimat oftmals für Irritationen.

Die Eversteinsche Fehde

Es pfeift der Sturm um alle Mauern
der hohen Burg von Everstein.
Der Graph und seine Ritter lauern
auf das, was mag da brechen ein.

Dem Ort des Adlers gleicht ihr Nest
hoch über Land und Weserstrom.
Die Burg ist wie der Fels so fest,
spricht allen Feinden Spott und Hohn.

Der Weserzoll schafft reichen Lohn,
doch leider auch so manchen Neider.
Auch fehlet der ersehnte Sohn.
Ohne ihn geht es nicht weiter.

Dem Braunschweiger es doch missfällt,
dass Lippe will den Graph beerben.
Der Herzog nun dagegen hält,
damit daraus wird gar nichts werden.

Er ist bereits mit seinem Heer
vor die Poller Burg gezogen.
Der Lipper folgt ihm hinterher,
damit er nicht noch wird betrogen.

Die Poller Mauern sind gefallen
vor des Welfen Übermacht.
Doch zu guter Letzt von allem
hat es der Lipper doch geschafft.

Obwohl die Grafschaft ging verloren,
hat er doch Gewinn gemacht,
Er hat den Herzog selbst erkoren,
als Beute aus der Schlacht gebracht.

Auf dem Falkenberg im Turm,
musste nun der Welfe schmachten.
Gefangen frisst ihn bald der Wurm,
wird seines edlen Stands nicht achten.

Doch aus der reichen Welfenwelt,
die vom Missgeschicke hörte,
erhielt der Lipper Lösegeld,
entließ den Herzog, als er schwörte:

Niemals wolle er sich rächen
für das, was er hier musste büßen.
Dem Edlen musste er versprechen,
dass er wird Lippe nicht verwüsten.

Doch bald schon fühlt‘ er sich betrogen
und erpresst in bitt’rer Schmach.
Daher ist er nach Rom gezogen,
wo der Papst den Schwur zerbrach.

Später nahm der Welfe Rache,
ohne doch die Burg zu nehmen,
wie man’s macht in solcher Sache:
Man rächt sich an den Schwachen eben!

Er schlachtete der Lipper Kühe,
die er auf der Weide fand.
das machte ihm weit weniger Mühe.
Manches Haus steckt‘ er in Brand.

So war es mit dem Fehderecht
und mitunter ist es so noch heute:
Den Armen geht es immer schlecht.
Die Reichen teilen sich die Beute.
24.06.03 Kk

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