Wenn wir uns selbst betrachten, dann bemerken wir, dass wir oft nachdenken über Vergangenheit und Zukunft. Dabei verträumen wir mitunter die Gegenwart. Viele Autounfälle entstehen dadurch, dass die fahrende Person sich gedanklich im „Gestern“ oder im „Morgen“ befindet, eben nur nicht im „Hier und Jetzt“! Konzentration wird in unserer Gesellschaft immer schwieriger. Wie lässt das sich ändern?


Der christliche Gottesdienst

Es gibt fernöstliche Praktiken wie z.B. das Achten auf den eigenen Atem oder die sog Nabelschau. Letzte lernte ich während meines Studiums in Münster kennen. Dort nahm ich an einem Judo-Lehrgang teil. Der Judoka hatte einen Spruch, den er oft wiederholte: „Kraft kommt aus Harra!“ Mit „Harra“ meinte er den Schwerpunkt unseres Körpers, der etwa in der Magengegend verortet ist. – Woher kommt nun die Konzentrationskraft der Christen? Die Bibel schlägt uns den christlichen Gottesdienst als Konzentrationshilfe vor. Die folgenden Bibelstellen können dabei behilflich sein.


Ungerechtfertigte Sorglosigkeit


Mt 24,38: „38 Denn wie sie waren in den Tagen vor der Sintflut – sie aßen, sie tranken, sie heirateten und ließen heiraten bis an den Tag, an dem Noah in die Arche hineinging; 39 und sie beachteten es nicht, bis die Sintflut kam und raffte sie alle dahin –, so wird es auch sein beim Kommen des Menschensohns.“

Essen, Trinken und Heiraten stellen an sich keine sündigen Tätigkeiten dar. Doch wenn wir über das Essen, Trinken und Freien das vergessen, was wir unserem Schöpfer schuldig sind, dann wird es gefährlich. Dann hilft es auch nicht, wenn wir im Glaubensbekenntnis (GB) Änderungen einführen, die zwar human erscheinen aber uns aus der Verantwortung entlassen. Früher lernte ich in der Schule ein GB, in dem wir bekannten, dass es ein „ewiges Gericht“ gäbe. Im modernen GB, dass in fast allen lutherischen Kirchen bei uns formuliert wird, ist vom „ewigen Gericht“ nicht mehr die Rede. Man glaubt nur noch an „das ewige Leben“. Mit diesem Bekenntnis wird das GB heute abgeschlossen. Mt 24,38-39 lässt es jedoch offen, ob alle das ewige Leben erleben werden.


Vorbild im Lebenswandel


1.Ti 4,16: „12 Niemand verachte dich wegen deiner Jugend; du aber sei den Gläubigen ein Vorbild im Wort, im Wandel, in der Liebe, im Glauben, in der Reinheit. 13 Fahre fort mit Vorlesen, mit Ermahnen, mit Lehren, bis ich komme. 14 Lass nicht außer Acht die Gabe in dir, die dir gegeben ist durch Weissagung mit Handauflegung des Rates der Ältesten. 15 Dies lass deine Sorge sein, damit gehe um, auf dass dein Fortschreiten allen offenbar sei. 16 Hab acht auf dich selbst und auf die Lehre; beharre in diesen Stücken! Denn wenn du das tust, wirst du dich selbst retten und die, die dich hören.“

Es gibt in der römisch-katholischen Kirche Priester, welche ihre zölibatäre Weihe vorbildlich erfüllen. Ebenso halten sich die meisten lutherische Pastoren an ihr Eheversprechen. Doch manche(r) Seelsorger(in) verhält sich nicht vorbildlich. Paulus ermahnt seinen Schüler Timotheus zu einem vorbildlichen Lebenswandel. Er weiß, dass nur dann seine Worte befolgt werden. Taten sprechen eben lauter als Worte.


Achtsamkeit


Hebräer 2,1: „1 Darum sollen wir desto mehr achten auf das Wort, das wir hören, damit wir nicht am Ziel vorbeitreiben. 2 Denn wenn das Wort fest war, das durch die Engel gesagt ist, und jede Übertretung und jeder Ungehorsam gerechten Lohn empfing, 3 wie wollen wir entrinnen, wenn wir eine so große Seligkeit nicht achten, die zuerst gepredigt wurde durch den Herrn und bei uns bekräftigt wurde durch die, die es gehört haben? 4 Und Gott hat dazu Zeugnis gegeben durch Zeichen, Wunder und mancherlei mächtige Taten und durch Austeilen des Heiligen Geistes nach seinem Willen.“

Höchstwahrscheinlich ist der Apostel Paulus der Verfasser des Hebräerbriefes. Er ermahnt in den obigen Versen die hebräische Gemeinde, achtsam zu sein. Was heißt das? Zunächst bedeutet es, das Wort Gottes zu hören, zu lesen und nach ihm zu handeln. Wer all das versäumt, indem er der Meinung ist, Säuglingstaufe, Konfirmation und regelmäßige Abgabe der Kirchensteuer seien ausreichende Voraussetzungen für das ewige Leben in Gottes Herrlichkeit, der hat sich selbst betrogen! Der Autor des Hebräerbriefes begründet seine radikale Überzeugung damit, indem er auf „Zeichen, Wunder und manche mächtigen Taten“ hinweist. Menschen, welche niemals solche erleben konnten, mögen entschuldigt sein, wenn sie Gott nicht die nötige Ehre erweisen. Wer sie jedoch erfahren durfte, wird in diesem Bibelvers in die Pflicht genommen.
Eine besonderes Augenmerk lenkt Paulus auf den Heiligen Geist. Wer ihn einmal empfangen hat, dann aber zu seiner vorigen egoistischen und rücksichtslosen Lebensweise zurückkehrt, hat keine Chance mehr, das Heil zu erreichen. (Siehe auch Matthäus 12,31 und Markus 3,29)


Verantwortung


Hebräer 10,23-27: „23 Lasst uns festhalten an dem Bekenntnis der Hoffnung und nicht wanken; denn er ist treu, der sie verheißen hat; 24 und lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken 25 und nicht verlassen unsre Versammlung, wie einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das umso mehr, als ihr seht, dass sich der Tag naht. 26 Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt hinfort kein Opfer mehr für die Sünden, 27 sondern ein schreckliches Warten auf das Gericht und ein wütendes Feuer, das die Widersacher verzehren wird.“

Der Apostel Paulus nimmt Christen in die Pflicht. Sie mögen aufeinander achthaben. Das heißt nicht, dass ein jeder ständig kontrollieren sollte, wo ein anderes Gemeindemitglied gewesen ist, welches am letzten Sonntagmorgen im GD der eigenen Gemeinde fehlte. Ein Erwachsener Mensch darf ruhig etwas eigenverantwortlich handeln. – Sollte er in einer anderen christlichen Gemeinde das Wort Gottes gehört haben, besteht kein Grund zur Sorge. Wenn er jedoch mit jeglichen christlichen Gemeinschaften den Kontakt vermeidet, dann besteht Grund zur Besorgnis. Das Verhalten wäre eine mutwillige Sünde, welche das Gericht Gottes nach sich ziehen könnte. Darauf sollten die Verantwortlichen einer jeglichen Glaubensgemeinschaft hinweisen, auch im Glaubensbekenntnis. Wer als überzeugter Christ dem GD ganz bewusst fern bleibt, macht sich schuldig. Auf den könnte sogar die Drohung des Verses 26 zutreffen.
11.03.2022 Kk

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