Die Jakobikirche in Herford befindet sich weder in der Altstadt noch in der Neustadt der ehemaligen Hansestadt Herford. Wir finden sie in der „Radewig“. Diese bildet den dritten Stadtteil der Stadt mit eigenem Marktplatz, dem Gänsemarkt, und einer eigenen Kirche, der Jakobi-Kirche, aber ohne eigenes Rathaus. Ist das nicht seltsam? Lasst uns einmal der Sache auf den Grund gehen!

Die Wikinger

Auch der Name „Radewig“ klingt seltsam. Dieses „wig“ erinnert uns an die Wikinger. In der Tat hat dieser Stadtteil etwas mit den vormals gefürchteten heidnischen Wikingern zu tun. Im 12.Jahrhundert befand sich nämlich jenseits der Aa, am westlichen Stadtrand von Herford eine Ansiedelung von sog Handelszelten. Solch ein Zelt wurde damals auch „Wik“ genannt. Daher kam auch der Name „Wikinger“. Die Bewohner jener Zelte an der Aa waren bereits zum Christentum konvertiert. Aus heidnischen Kriegern waren christliche Händler geworden.
Als im 12.Jahrhundert Engelbert von Berg, Bischof von Köln und Kanzler des „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nationen“, der Stadt Soest Stadtrechte verlieh, da nahmen auch Herford und 64 weitere Städte im norddeutschem Raum dieses „Soester Stadtrecht“ an. Es erlaubte ihnen, ihr Stadtgebiet mit festem Mauerwerk zu schützen. Nun wurde auch die freie Reichsstadt Herford befestigt. Dabei wurden die christlichen „Wikinger“ jenseits der Aa dazu eingeladen, auf das gegenüberliegende Ufer der Aa zu wechseln, um hinter festen Mauern in Frieden zu leben.

Die Baugeschichte der Kirche

Der Baubeginn der heutigen Kirche fand vermutlich um 1240 statt. Erstmals erwähnt wird das Gotteshaus 1335, und zwar als „capella“. Es besitzt eine Besonderheit: Der Turm steht nur vorne am Eingang auf eigenem Fundament. Teilweise wurde er über dem westlichen Kirchengewölbe errichtet. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem „eingezogenen Turm“. Solch ein Turm kann daher nicht die Höhe der Türme erreichen, welche die Johanniskirche oder das Münster in den Himmel strecken. Außerdem besitzt er eine „welsche Haube“, die uns ansonsten nur im Süden begegnet. Der Volksmund nennt sie „Zwiebelturm“.

Bilder von der Inneneinrichtung

Die Bedeutung der Kirche im Mittelalter

Im 11./12. Jahrhundert setzte die große Pilgerbewegung nach Santiago de Compostela ein. Sie fand immer mehr Anhänger bis ins 15. Jahrhundert. Diese „Jakobspilger“ konnten einen Zwischenstopp in Herford einlegen. Die vergoldete Muschel am südwestlichen Strebepfeiler kennzeichnet das Gotteshaus als Pilgerkirche.

Ihre Bedeutung heute

1981 wurde die Kirche unter Denkmalschutz gestellt. Sie wird heute von der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Herford-Mitte für Gottesdienste, Konzerte und kulturelle Angebote genutzt und deswegen baulich erhalten.
Kontakt und Anfrage: Gemeindebüro Herford-Mitte, Münsterkirchplatz 5, 32052 Herford, Telefon: 05221/15819
06.02.2022 Kk

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