Mit Pentekostal (Pfingsten) beginnen die Aktivitäten der Jünger Jesu. Während diese sich zuvor aus Furcht vor Verfolgung versteckt hatten, beginnen sie nun die christliche frohe Botschaft erfolgreich in die europäische Welt zu tragen. Begonnen hat ihr mutiges Unternehmen mit der sog „Ausgießung des Heiligen Geistes“. Nachdem sie diese zum Pfingstfest erleben durften, war es ihnen möglich, Völker fremder Sprache mit der Frohen Botschaft zu erreichen, da ihre Worten simultan vom Heiligen Geist in die Sprache der fremden Völker übersetzt wurden. In der Neuzeit hört man von diesen Sprachwundern so gut wie nichts mehr. Sind sie wegen der vielen christlichen Übersetzer überflüssig geworden?


Die unpassende Einschränkung

Eine nichtstaatlichen Kirche in Ost-Westfalen wurde um 1985 von einem älteren Laien geleitet. Er erschien mir damals als ein lieber Onkel ohne fundierte theologische Ausbildung. Damals wurde in fast allen deutschen Kirchen der Versuch unternommen, ein gutes Verhältnis zum Judentum aufzubauen. Auch der oben erwähnte Leiter der Freikirche macht in dieser Angelegenheit keine Ausnahme.Er hatte einen Rabbi eingeladen. Dieser sollte die Morgenandacht am damaligen Sonntag gestalten. Nach einer kurzen Vorstellung und Einführung durch den Gemeindeleiter begann der Rabbi mit seinem Vortrag.
Alle „Verheißungen“ (Versprechungen, Segnungen), welche er aus dem Neuen Testament vorlas, bezog dieser Prediger ausschließlich auf sein Volk Israel.
Kein Mitglied der damaligen Freikirche hatte dagegen etwas einzuwenden – auch nicht der Leiter der christlichen Ortsgemeinde.


Der unerwartete Protest

Kurz darauf vernahm ich eine Stimme hinter mir, die mir aus der Pfingstgemeinde der Stadt bekannt war. In der Tat, hinter mir hatte sich der Prediger derselben erhoben. Er sprach in einer sog Zungensprache, welche ich nicht verstehen konnte. Jedoch erfolgte hernach seine Auslegung in deutscher Sprache, die sehr deutlich war, sowohl ihren Inhalt als auch ihrer Ausdrucksweise betreffend. Später schrieb ich diesen Protest gegen die Predigt des Rabbiners auf, soweit ich mich erinnern konnte. Leider ging mir der Bericht verloren. Sein Ende blieb mir allerdings in der Erinnerung. Es handelte sich um eine Aufforderung an die Verantwortlichen und lautete:
„Du aber mein Sohn rede mein Wort, so wie es recht ist!“ Das war ein Affront sowohl gegen den Rabbi als auch gegen den Gemeindeleiter. Der Rabbi kam daraufhin nie wieder. Der Gemeindeleiter, der schon recht betagt war, starb kurz darauf.


Was Recht ist, muss Recht bleiben

Bevor der Pfingstprediger sich erhoben hatte, konnte ich mich kaum beherrschen. Für mich war es unbegreiflich, dass dieser Rabbi das Wort des NT dermaßen einschränken durfte. Hätte ich intervenieren sollen? Sicherlich wären dann meine nächsten Sitznachbarn über mich hergefallen. Doch die Predigt des Rabbi durfte meiner Meinung nach nicht unkorrigiert bleiben. In dieser Situation erfuhr ich das erste Mal, dass eine Zungensprache auch in der Neuzeit sinnvoll sein kann. Sie bewirkte einen Schock, welcher die Verantwortlichen dieser Ortsgemeinde zunächst inaktiv bleiben ließ. Auch während der gesamten Auslegung des Pfingstpredigers blieben Ruhe und Aufmerksamkeit erhalten. Daher konnte jeder Anwesende die Botschaft verstehen. Als der Zungenredner diese beendet hatte, stand er auf und verließ die Freikirche im Laufschritt! Der in die Jahre gekommene Hausmeister versuchte noch, diesem jungen Prediger nachzulaufen, um ihn endgültig zu vertreiben. Doch der hatte schon fast den Ausgang erreicht, als der Hausmeister sich erhoben hatte. Der Gemeindeleiter versuchte anschließend von der Kanzel aus mit abschätzigen Worten die Aktion des Pfingstlers herunterzuspielen. Seine Worte empfand ich unangebracht.

13.12.2021 Kk

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