Die Kirche ist über 800 Jahre alt.Nach 50 Jahren Bauzeit war der romanische Kirchbau vollendet und blieb für 30 Jahre unverändert. Dann wünschten sich die Bürger eine moderne Kirche im Stile der Gotik. Man entschloss sich, die alten Seitenschiffe abzureißen und durch höhere und breitere zu ersetzen. So entstand eine Hallenkirche. Im Turmbereich ist immernoch der romanische Stil erkennbar. Auch erkennt man die Reste der schmalen und niedrigen Seitenschiffe.

1. Der gotische Stil

Weiter nach Osten ist die Gotik der beherschende Stil. An diesem gotischen Teil der Kirche wurde etwa ein Jahrhundert lang gebaut. Der Chor sollte eigentlich noch größer werden, aber im Jahre 1375 setzte eine Pestepidemie der Bautätigkeit ein Ende.

2. Die Kirchtürme

Die Kirche wird von zwei Türmen flankiert, aber nur der Südturm ist Eigentum der Kirche. In diesem Turm hängen die wohlklingenden Bronzeglocken, welche nicht durch Stahlglocken ersetzt werden konnten, da es im Turm keine Öffnung gab, durch die man die Glocken hätte herausholen können. Offensichtlich waren die Glocken unten im Turm gegossen und dann hochgezogen worden. Im Jahre 1660 hat ein Tornado die Haube des Südturmes abgeweht. Drei Jahre später erhielt der Turm die gedrehte Haube, die weniger windempfindlich ist. Der Nordturm ist Eigentum der Stadt. Bis 1854 hielten die Wächter von dort Ausschau, Seid 1936 ertönt tagsüber alle zwei Stunden das Glockenspiel, das auch von einem Spieltisch im Ballhaus bedient werden kann.

3. Nach der Reformation

Im Jahre 1533 nahm Lemgo die Reformation an. Es blieb lutherisch, auch als Graf Simon VI im Jahre 1605 calvenistisch wurde. Nach damaligem Gesetz hätten seine Untertanen in Lemgo mit ihm zusammen zum Cavenismus konvertieren müssen, denn nach dem 30-jährigem Krieg galt das Gesetz: “ Wessen Land, dessen Religion!“ Aus Verärgerung über die widerspenstigen Lemgoer verlegten die Graphen ihren Regierungssitz von Lemgo nach Detmold.

4. Kunstwerke als Opfer der Bilderstürmer

In der Zeit der Reformation kamen auch Bilderstürmer in die St.-Nikolai-Kirche und schlugen vom Sakramentshaus die Figuren ab. Nur der Pelikan an der Spitze entging ihrem Wüten. Auch der Frauenfigur über dem Kerzentisch wurden die Hände abgeschlagen. Auf diese Weise sind nur wenige Kunstwerke aus der vorreformatorischen Zeit erhalten. Über dem Kerzentisch ist ein Altarretabel aus dem Jahre 1280 ins Mauerwerk eingefügt. Auch die Fresken an der Ost- und an der Südwand aus dem Jahre 1380 sind geblieben. An der Ostwand links erkennen wir Jakobus den Älteren und Johannes, rechts Paulus und Petrus. Die „+“-Zeichen in den Kreisen sind Weihekreuze. An der Südwand stehen Jakobus und Johannes, Bartholomäus und Thomas.

5. Künstler, die Inneneinrichtungen schufen

1300: Wer die Christopherusfigur am Pfeiler gegenüer dem Nordportal ansah und sich dabei bekreuzigte, war für den Tag gesegnet.
1587: Das Epitaph für den Rittmeister Moritz von Donop stammt von Georg Crosman. Die Darstellung geht auf einen Holzschnitt von Lukas Chranach d. Ä. zurück: Ein Baum, dessen Äste links abgestorben und rechts begrünt sind, teilt das Bild in zwei Hälften. Im linken Teil steht Mosess mit der Schlange auf dem Kreuz (4.Mose 21) und im rechten Teil beten der Verstorbene und seine Ehefrau Christina unter dem gekreuzigten Christus in Jerusalem.
1597-1630: Die Taufanlage schuf ebenfalls der Künstler Georg Crosman um 1597. Die Kanzel entstand um 1600 und der reich dekorierte Kanzeldeckel um 1630
1643: Der Lemgoer Bildschnitzer Hermann Vos schuf den Hochaltar. Über diesen Mann ist eine interessante Geschichte bekannt: Er gehörte im dreißigjährigen Krieg zu einer Gruppe von Wächtern auf einem Turme der Stadtmauer. Alle Wächter waren eingeschlafen, was einem Trupp Schweden das Eindringen in die Stadt ermöglichte, die gründlich geplündert wurde. Nach dem Abzug der Schweden sollten die Wächter bestraft werden. Aber Herman Vos war die Flucht gelungen. Einige Jahre später wollte er sein Vaterhaus in Lemgo wieder zurück erhalten.Er richtete ein Gesuch an den Rat der Stadt, bat um Gnade und bot an, zur Sühne kostenlos einen Altar für die Sankt-Nicoleikirche zu schnitzen. Auf dieses Angebot ging der Rat der Stadt ein. Die zu diesem Altar gehörenden Bilder malte Berent Woltemate.

6. Die Fenster der Kirche

Das älteste Fenster der Kirche wurde 1863 aus Resten früherer zusammengesetzt. Es zeigt die Wappen mit Namen von Stiftern. Der größte Teil der Fenster wurde in den Jahren 1922 bis 1924 vom Künstler Franz Lauterbach aus Hannover im späten Jugendstil gefertigt. Die drei Fenster im Chor stellen Szenen aus der Offenbarung des Johannes dar. Auch der segnende Christus im Ostfenster ist ein Werk von Franz Lauterbach. Das Fenster in der Mitte der Südseite wurden 1965 von Erhard Klonk aus Marburg geschaffen. Es zeigt neben Aposteln und Propheten eine Reihe von Szenen, die zum Themenkreis „Opfer“ gehören. Die Fenstergruppe auf der Westseite von Paul Weigmann aus Leverkusen, die 1992 entstand, symbolisiert in den unteren sechs Fenstern die Unordnung der geschaffenen Welt durch verdrehte Quadrate. In den drei oberen Fenstern, die der Welt zuzuordnen sind, herrscht Ordnung, wie die gerade stehende Quadrate zeigen.

7. Hexenverfolgung in Lemgo

Ein Gedenkstein, der sich an einer Säule befindet, erinnert an den Pastor Andreas Koch, der von 1647 bis 1665 Pfarrer an St. Nicolai war. Im 17.Jahrhundert wurden in Lemgo 209 Frauen und Männer der Hexerei bezichtigt und ermordet. Andreas Koch setzte sich für die von der Hexenverfolgung im Lemgo betroffenen ein. Er wurde später selbst angeklagt und verurteilt, aber nicht wie üblich bei lebendigen Leibe verbrannt, sondern zum Tod durch das Schwert begnadigt.

Text: Prof. Dr. Wolfgang Nerreter, Lemgo

24.08.2026 Kk

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