Zeitkritische Gedichte: Exzentrische Ziele

Erfolglos Progressiv

Sie rühmen sich des Fortschritts,
wenn sie ändern die Moral,
Sie machen auch jenes mit,
was später bringet ihnen Qual.

Sie streben stets zur Freiheit hin,
die zur Knechtschaft führt,
beharrend in ihrem Eigensinn
immerda stets ungerührt.

Oh, es ist doch eine Qual,
da  sie es verstehen nicht,
dass  mit dem Ändern der Moral
auch der Erfolg zusammenbricht.

16.09.2005 Kk

Die Deutschen

Das Volk der Dichter und der Denker,
der Bauern, Händler und der Lenker
bauen Häuser, Fabriken und Maschinen,
womit sie eifrig ihrem Staate dienen.

Alle feiern, essen und sie trinken,
schaffen, schwitzen und sie stinken.
Sie erzeugen Kinder und Skandale,
sind innen weich mit rauer Schale.

Man erzählt, sie seien intelligent
und außerdem noch sehr behänd.
Doch ich weiß um sie Bescheid:
Sie schlafen auch die halbe Zeit!

12.11.2007 Kk

Der Gartennazi

Der Rasen, zentimeterhoch,
darf nicht höher sein.
Man sieht in ihm kein einzig Loch,
auch nicht bei Mondenschein.


Kein Moos, kein Blümchen traut sich hier
den Kopf herauszustrecken.
Und wenn, dann wird`s trotz schönster Zier
am starken Gift verrecken.


Durch Stein gradlinig abgegrenzt,
träumt alles vor sich hin.
Der reine Rasen edel glänzt
durch seinen tiefen Sinn!


Sollte dann in Nachbars Garten
das Wildkraut üppig reifen,
wird der Besitzer diesem raten
zu einem Todesstreifen.

01.12.2006 Kk

Schlechter Jäger

In unserem Futterhäuschen
da fliegt manch Vöglein ein.
Man sieht auch oft ein Mäuschen
im fahlen Monden-Schein.

Davor liegt unser Kater
und hätte gerne eins.
Er ist ein schlechter Starter,
deshalb fängt er auch keins.

So völlig vollgefressen
bewegt er sich sehr schlecht.
Ich hätte es bald vergessen:
Mir ist es so ganz recht!
14.01.2007Kk

Der Gartenzwerg

Schwül war es in Schwalenberg,
als in einem grünen Garten
ein wunderschöner Gartenzwerg
das schlechte Wetter wollt‘ erwarten.

Als er empor zum Himmel blickte
voller frischem Witz,
dieser ihm herunterschickte
einen hellen Blitz.

Zuvor recht lustig anzuschauen
bei einem kecken Gruße,
ward ihm sein Kopf nun abgehauen
und lag vor seinem Fuße.

Dann fragte ich den Zwerggestalter,
der ihn geschaffen hat,
warum er seinen Hofverwalter
nicht wetterfest gemacht?

Er hätte doch all sein Geschick
beim Schaffen eingebracht.
Doch den Schlag ins Zwerg-Genick
hätte keiner angedacht.

Da mußte ich ihm unterbreiten,
und er sah es auch ein,
dass in unseren schlechten Zeiten
ein Zwerg muss härter sein!
18.06.07 Kk

Der Frosch im Gartenteich

In des Nachbars Garten
liegt ein Gartenteich,
in dem die Fische baden,
zu jeder Tageszeit.

Die Fische, die sind brav
am Tag wie in der Nacht,
drum hab ich meinen Schlaf,
hab niemals durchgewacht.

Doch, jetzt ist ein Fröschlein drin,
das quaket immerzu.
Schlafen macht nun keinen Sinn,
ich bekomm kein Auge zu.

Da begann ich nachzudenken
wie’s am besten ist,
dem Frosche etwas einzuschenken
ohne starkes Gift.

Dann warf ich einen Stein
in den Teich hinein
und hab ihn auch getroffen,
so will ich doch wohl hoffen?

In der Nacht da hat ich Ruh.
Der Frosch hielt seine Klappe zu,
zumindest für ein Weilchen
– vielleicht hat er ein Veilchen!
18.05.2004 Kk



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