Wenn wir die Bibel lesen, so begegnet uns viermal der Engel Gabriel. Zweimal erscheint er im AT und zwar in Daniel 8,16 und in Daniel 9,28. Auch im NT begegnen wir ihn zweimal. Zunächst kündigt er dem alten Zacharias einen Sohn Namens Johannes an und später der Jungfrau Maria den Messias Jesus Christus. – Doch auch Mohammed, der Begründer des Islam, fühlte sich durch den Erzengel Gabriel berufen. Da Christentum und Islam keinesfalls die gleichen Heilswege vertreten, lohnt es sich einmal nachzuprüfen, welche Unterschiede zwischen dem jüdisch-christlichen und dem muslimischen Gabriel bestehen.

Der Engel Gabriel in der Bibel

Hierher gehört zunächst die Ankündigung der Geburt des Johannes, den man später den „Täufer“ nennen wird. Gabriel ist zunächst sehr freundlich zu dem angehenden Vater Zacharias. Doch als dieser nicht glaubt, was angekündigt wurde, nimmt ihm Gabriel kurzerhand die Sprache und lässt ihn bis zur Geburt seines Sohnes Johannes verstummen.
Zu Maria, die Jesus gebären wird, bleibt Gabriel durchgehend freundlich. Er hat auch keinen Grund, der liebevollen, dankbaren und gläubigen Frau irgendwelche Vorwürfe zu machen. Ihr geschieht nach ihrem Glauben. Sie wird die Mutter eines gewaltigen Propheten, welcher die Welt verändern wird wie kein zweiter.
Allerdings erscheint Gabriel nicht zu Christi Amtseinführung durch Johannes dem Täufer. Dort erscheint der HG in Gestalt einer Taube. Durch diesen Geist lässt sich Christus bis zu seinem Tode drei Jahre lang leiten. Um unseren Herrn davon abzubringen, erscheint der Teufel persönlich dem Christus in der Wüste. Nach Matthäus 4,8-9 begleitet der Teufel den Christus auf einen hohen Berg und zeigt ihm in einer Vision alle Reiche dieser Erde. Dann unterbreitet er ihm das folgende Angebot: „Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest.“ Jesus gab ihm zur Antwort: „Es heißt aber auch: ‚Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht herausfordern!'“ Oder nach einer älteren Übersetzung: “Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn und ihm allein dienen“. Da verließ ihn der Teufel und Engel kamen und dienten ihm.“

Der Engel Gabriel im Islam

Auch hier macht Gabriel den Anfang. Er erscheint dem Mohammed im Traum. Doch Letzterer scheint eine falsche Traumvorstellung vom Erzengel zu haben. Der Buchautor Walter-Jörg Langbein schreibt darüber Folgendes:
„Während Mohammed … schlief, trat der Engel Gabriel an ihn heran. Seine Botschaft stand auf einem kostbaren Seidentuch. Der Engel forderte Mohammed auf zu rezitieren. Was aber sollte er aufsagen? Mohammed sollte etwas aussagen. Aber was?… Mohammed konnte dem Befehl nicht nachkommen. Daraufhin setzte die himmlische Erscheinung Mohammed so sehr zu, dass er kaum noch atmen konnte und dem Erstickungstod nahe war. (S.87 *) (Anmerkung: Mohammed war Analphabet!) Dreimal wiederholte sich diese schmerzhafte, angsteinflößende Szene. Endlich fragte Mohammed, was er denn wiedergeben solle. Als Antwort trug ihm der Engel die ersten fünf Verse der 96. Sure vor: „Rezitiere im Namen deines Herrn, der schuf, der den Menschen schuf aus einem Blutstropfen…. „(S.88 *) Während Jesus bei seiner Taufe den HG empfängt, empfangen Mohammed und seine Nachfolger über diesen Engel „Gabriel“ die Herrschaft über fast alle Reiche dieser Welt. Sollte der Teufel dem Mohammed das gegeben haben, was Christus nicht von ihm haben wollte? Nachdem Mohammed vom Schlaf erwacht ist, stellt sich der sog „Gabriel“ mit den kurzen Worten vor: “Mohammed, du bist der Gesandte Gottes, und ich bin Gabriel.“ – Diese Worte sind wenig informativ.

Zwei verschiedene Engel

Für Christen stellt sich die Frage: Ist der jüdisch-christliche Engel Gabriel identisch mit dem muslimischen? Mir scheint der muslimische gewalttätiger zu sein als der jüdisch-christliche. Auch kämpft er mit anderen Waffen. Der jüdische Gabriel, welcher den Vater des Johannes die Sprache nimmt, verändert den Zustand des Mannes. Er wirkt im Menschen. Der muslimische Gabriel wirkt äußerlich auf Mohammed ein. Seine Macht scheint beschränkt und sehr menschlich zu sein. Diese seine Gewalttätigkeit finden wir wieder im Umgang Mohammeds mit Andersgläubigen. 630 nach Christi Geburt steht er mit einem Heer vor Mekka. Er nimmt Mekka praktisch durch Erpressung ein. Seine Religion verbreitet sich durch militärische Gewalt. Darin unterscheidet sich die muslimische Mission grundsätzlich von der damaligen christlichen.
Doch ab 756 n.C.n. passten sich die christlichen Führer dem Islam an. Papst und Bischöfe wurden nacheinander zu Heerführern. Erst die Teilung zw weltlicher und geistlicher Gewalt, wie sie Napoleon Bonaparte im Reichsdeputationshauptschluss begann, sollte dieser unglücklichen Vereinigung von Thron und Altar ein Ende bereiten. Auch im türkischen Islam setzte sich unter Atatürk diese Trennung von staatlicher und geistlicher Gewalt durch.
Sollte Mohammed vom Teufel versucht worden sein wie Christus in der Wüste? Fiel er auf Luzifer herein, der sich als Engel tarnte? – Ahmed Salman Rushdie wollte darauf eine Antwort geben. Danach musste er um sein Leben fürchten.
Paulus schreibt im 2.Korinther 11,13:„Denn solche falschen Apostel und trügerische Arbeiter verstellen sich zu Christi Apostel. Und das ist auch kein Wunder; denn selbst der Teufel verstellt sich zum Engel des Lichtes.“

30.06.2021 Kk

Quellen

  • (*) „Die Geheimnisse der sieben Weltreligionen“ von Walter-Jörg Langbein, Anaconda-Verlag
  • (**) „Die fünf Weltreligionen“ von Helmut von Glasenapp, Heinrich Hugendubel Verlag, München
  • (***) „Der Koran“ Übersetzung nach Theodor Khoury unter Mitwirkung von Muhammad Salim Abdullah



Adel Theodor Khoury ist ein libanesischer griechisch-katholischer Priester, Theologe, Islamwissenschaftler, Koranübersetzer und Hochschullehrer.

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