Natur: Virtuelle Sonnen

Mond mit Hof

An bewölkten Abenden streut der Mond einen Teil seines  Lichtes in die Wolken, die es reflektieren, wie es die Abbildung 1 zeigt. Man sagt daher auch: „Der Mond hat einen Hof!“ Auch das Licht der Sonne wird am bewölkten Morgen- und Abendhimmel  reflektiert. Da es aber 1000-mal stärker ist als das des Mondes, kann man sogar beobachten, wie es an Wolkenpartikel gebrochen und in seine Spektralfarben zerlegt wird (Mond mir Hof). Diese Zerlegung des weißen Sonnenlichtes führt auch beim Sonnenaufgang ebenso wie beim Sonnenuntergang zur Zerlegung in Farbanteile, von denen der langwellige rote Anteil am stärksten gebrochen wird. Dieser erzeugt dann das Morgenrot bzw. Abendrot.

Sonne mit Bogen

Nun gibt es aber noch weitere Phänomene  am Abend- und Morgenhimmel, die zwar
höchst selten vorkommen –  aber, wenn sie eintreten, unglaublich erscheinen! Wenn man Glück hat, dann kann man beobachten, dass die Sonne von einem Regenbogen umgeben wird. Verantwortlich für dieses Naturschauspiel sind im Allgemeinen Regentropfen in den Wolken (Sonne mit Bogen).

Sonne mit Kristallwolken

Aber es gibt noch ein anderes Phänomen, das nur durch sogenannte Kristallwolken entstehen kann. Kristallwolken sind Wolken, in denen sich nicht nur Nebel- oder Wassertröpfen befinden, sondern auch Eiskristalle verschiedener Form. In der Wolke (Kristalle in den Wolken) sehen diese aus wie Bergkristalle. Mitunter bilden sich aber auch Eisplättchen, die im Grundriss regelmäßige Oktogone ergeben, aber im Seitenriss, also seitlich gesehen,  wie planparallele Platten ausschauen. So einen Seitenriss zeigt die Abbildungen (Großer Brechungswinkel, kleiner Brechungswinkel). Diese Platten-Kristalle brechen das Sonnenlicht in der Atmosphäre. Dabei wird das Licht wiederum in seine einzelnen Farben zerlegt, wenn es schräg genug auf die Platten fällt. Der rote Lichtanteil wird am stärksten gebrochen, der blaue am schwächsten. Wir glauben, dass grüner und roter Lichtstrahl bei großem Brechungswinkel parallel verlaufen (Großer Brechungswinkel). Doch genau genommen, haben alle Spektralfarben einen anderen Brechungsindex. Sie fallen zwar alle im selben Einfallswinkel α ein,  aber ihre Ausfallswinkel β unterscheiden sich. Daher wird das weiße Sonnenlicht in die Spektralfarben aufgespalten. Das geschieht in der Regel durch Regentropfen. Die erzeugen in (Sonne mit Bogen) den Regenbogenkreis, der die Sonne umgibt. Regentropfen sind auch für den normalen Regenbogen verantwortlich, der sich im Halbkreis über dem Horizont erhebt. Nun aber zurück zu Kristallwolken mit Eiskristallen, die im Grundriss ein regelmäßiges Achteck erzeugen aber im Seitenriss aussehen wie eine planparallele Platte, so wie sie oben in (Kristalle in Wolken) abgebildet wurde. Diese zerlegt das Sonnenlicht, wenn es schräg auf ihre Oberfläche fällt. Wenn aber das Sonnenlicht in einem Winkel einfällt, der kleiner als α ist, dann liegen die Spektrallinien näher beieinander. Ein entstehender Regenbogen wir schmaler werden. Ab einem gewissen Winkel α1 wird schließlich keine Zerlegung in Spektralfarben mehr zu beobachten sein. Dieser Fall wird in der oberen Bilderreihe ganz links dargestellt. Es ist das Bild mit der Bezeichnung: „Kleiner Brechungswinkel“.

Die drei Sonnen

Wie schon erwähnt, kann es vorkommen, dass die Lichtbrechung an den Kristall-Plättchen zu keiner Lichtzerlegung in einzelne Spektralfarben mehr führt. Lediglich eine leichte Parallelverschiebung  des weißen Sonnenlichtes findet statt, so wie es in der oberen beschriebenen Abbildung der Fall ist. Die gestrichelte grün-rote Linie im Bild gibt die geradlinige Verlängerung des Lichtes an, das ungebrochen von der Sonne kommt. Ohne die Lichtbrechung durch den türkisfarbenen Kristall würden wir die Sonne dort sehen, wo sie sich in Wirklichkeit befindet. Wir sehen nämlich ein Objekt dadurch, dass wir einen Strahl, der von ihm ausgeht, geradlinig zurück verfolgen. Doch durch die Doppelbrechung am Kristall wird der Sonnenstrahl parallel verschoben. Folglich sehen wir neben der realen Sonne noch eine zweite. Die Sonne selbst sehen wir natürlich auch, weil ja nicht alle Strahlen durch einen Kristall fallen. Aus Symmetriegründen sehen wir aber nicht nur eine virtuelle Sonne neben der realen Sonne, sondern auch noch eine dritte, die der ersten virtuellen direkt gegenüberliegt. Also erblicken wir insgesamt  drei Sonnen am Himmel. Vor einigen Jahren hat man in den USA wirklich solche drei Sonnen am Himmel sehen können.

Die sieben Sonnen

Aus der Gründungsgeschichte der westfälischen Stadt Herford ist uns eine Wundergeschichte überliefert worden: Zwischen den Flüssen Aa und Werre, kurz bevor diese beiden Gewässer zusammenfließen, stiftete der iro-schottische Mönch Wolderus 789 p. Chr. n. ein Kloster, welches den Ausgangspunkt der späteren Stadt Herford bildete. Leider war das Gebiet dort sehr sumpfig. Man konnte zwar den Zufluss neuen Wassers durch Dämme verhindern, aber das Auffüllen der Senke mit Erdreich wurde durch den sumpfigen Untergrund sehr erschwert.  Man bat um ein Wunder. – Bald darauf erschienen am Himmel sieben Sonnen. Sie sollen den Sumpf soweit ausgetrocknet haben, dass ein erfolgreiches Auffüllen der Senke möglich gemacht wurde. Lange Zeit haben sogenannte aufgeklärte Menschen über diesen Bericht geschmunzelt, doch heute weiß man, dass solch ein Ereignis nicht ausgeschlossen werden kann. Zumindest ist das Ereignis physikalisch erklärbar:  Eine riesige Kristallwolke kann dieses oben beschriebene Wunder durchaus bewirken, indem rund um die reale Sonne sechs imaginäre Sonne entstehen, so wie es das Bild (Sieben Sonnen) zeigt, das an der Herforder Abteikirche aufgenommen wurd.

Dass die Legende von einer ungeraden Anzahl von Sonnen spricht, erhöht ihren Wahrheitsgehalt, denn aus Symmetriegründen entsteht immer eine gerade Anzahl von imaginären Sonnen. Die reale Sonne in der Mitte verändert diese gerade Zahl dann in eine ungerade.  So sah man 789 n. Chr. dort, wo heute die Stadt Herford steht, insgesamt sieben Sonnen. –  Aber können die sieben Sonnen einen Sumpf austrocknen?

Man kann die Antwort mit Hilfe einer Skizze finden. Dabei lasse eine linsenförmige Kristallwolke neben der realen Sonne zwei virtuelle Sonnen erscheinen:

Nun, eine große Kristallwolke kann durchaus wie eine optische Linse wirken, wie ein sogenanntes Brennglas! Wenn man links von A‘ oder rechts von B‘ steht, dann sieht man nur eine Sonne. Die Einstrahlung ist dort gemäß des jahreszeitlichen Sonnenstandes normal intensiv.Doch zwischen A und B strahlen alle drei Sonnen ein. Hier ist es am hellsten und am heißesten. Wenn nun statt 3 insgesamt 7 Sonnen einstrahlen, dann wird ein Austrocknen eines Sumpfes an dieser Stelle wahrscheinlich eintreten. Es werden ja schließlich nicht nur Lichtstraheln sondern auch Wärmestrahlen gebündelt auf die „Heeresfurt“ gelenkt, die normalerweise die weitere Umgebung treffen würden. Natürlich bedarf es dabei besonderer Kristalle und auch einer besonderen Anordnung derselben in der Wolke. Aber diese traue ich dem Schöpfer des Kosmos durchaus zu! – Nun gibt es aber eine Geschichte in der Bibel, die ebenso unwahrscheinlich klingt. Sie wird im folgenden Abschnitt beschrieben werden.

Sonne stehe still zu Gibeon

In dem biblischen Buch Josua lesen wir in den Versen 12 und 13 des Kapitels 10 Folgendes: „Damals redete Josua mit dem HERRN an dem Tage, da der HERR die Amoriter vor den Israeliten dahingab, und er sprach in Gegenwart Israels: Sonne, steh still zu Gibeon, und Mond, im Tal Ajalon!   Da stand die Sonne still und der Mond blieb stehen, bis sich das Volk an seinen Feinden gerächt hatte. Ist dies nicht geschrieben im Buch des Redlichen? So blieb die Sonne stehen mitten am Himmel und beeilte sich nicht unterzugehen fast einen ganzen Tag.

Viele Menschen, die dieses gelesen haben, werden sagen: “Das kann doch gar nicht sein! Sollte die Erde etwa aufgehört haben,  sich zu drehen?“  Nun, sie hat sich damals durchaus weitergedreht, so meine ich. Dennoch kann zum Zeitpunkt des Sonnenunterganges noch eine imaginäre Sonne am Himmel gestanden haben, die zu sehen war. Wir müssen uns die Spiegelung durch Kristallwolken lediglich als vertikalen Vorgang vorstellen.
 Eine riesige Kristallwolke hat ja nicht nur eine horizontale Dimension, sondern auch eine vertikale. Bei Hurrikans  z. B. hat man schon Wolken beobachtet, welche sehr schmal waren, jedoch eine enorme senkrechte Ausdehnung aufwiesen!  Sie ragten wie ein riesiger Turm von der Erde bis hoch in den Himmel. Solch eine Wolke kann, wenn sie mit Kristallen gefüllt ist, ein vertikales  „Sonnensystem“  erzeugen, das z. B. aus einer realen und zwei imaginären Sonnen besteht. Die untere imaginäre Sonne kann nun zusammen mit der realen längst untergegangen sein. Doch am Himmel steht noch eine dritte, nämlich die obere imaginäre Sonne!  Ihr Licht reichte offenbar aus, um eine Schlacht erfolgreich zuende zu führen, zumal wenn ein imaginärer Mond noch mithilft, die Nacht zu erleuchten. Auch hier liegt ein Wunder vor. Es muss nämlich eine ganz spezielle Anordnung
der Kristalle vorliegen, damit diese Erscheinung auftreten kann. Wer behauptet, diese Anordnung  sei damals rein zufällig aufgetreten, dem kann ich nicht ganz folgen.

Der Zeiger an der Sonnenuhr

Hiskias Krankheit und Genesung: „1 In jenen Tagen wurde Hiskia todkrank. Und der Prophet Jesaja, der Sohn des Amoz, kam zu ihm und sagte zu ihm: So spricht der HERR: Bestelle dein Haus! Denn du wirst sterben und nicht am Leben bleiben. 2 Da wandte er sein Gesicht zur Wand und betete zu dem HERRN. Und er sprach: 3 Ach, HERR! Denke doch daran, dass ich vor deinem Angesicht in Treue und mit ungeteiltem Herzen gelebt und dass ich getan habe, was gut ist in deinen Augen! Und Hiskia weinte sehr. 4 Und es geschah – Jesaja war noch nicht aus der inneren Stadt[3] hinausgegangen -, da geschah das Wort des HERRN zu ihm: 5 Kehre um und sage zu Hiskia, dem Fürsten meines Volkes: So spricht der HERR, der Gott deines Vaters David: Ich habe dein Gebet gehört, ich habe deine Tränen gesehen. Siehe, ich will dich heilen; am dritten Tag wirst du ins Haus des HERRN hinaufgehen. 6 Und ich will zu deinen Tagen fünfzehn Jahre hinzufügen. Und aus der Hand des Königs von Assur will ich dich und diese Stadt retten; und ich will diese Stadt beschirmen um meinetwillen und um meines Knechtes David willen. 7 Und Jesaja sagte: Bringt einen Feigenkuchen! Und sie brachten ihn und legten ihn auf das Geschwür. Da wurde er gesund. 8 Und Hiskia sagte zu Jesaja: Was ist das Zeichen, dass der HERR mich heilen wird und dass ich am dritten Tag in das Haus des HERRN hinaufgehen werde? 9 Jesaja sagte: Dies wird dir das Zeichen vom HERRN sein, dass der HERR das Wort tun wird, das er geredet hat, tun wird: Soll der Schatten an der Sonnenuhr zehn Stufen vorwärtsgehen, oder soll er zehn Stufen zurückgehen? 10 Da sagte Hiskia: Es ist dem Schatten ein Leichtes, sich an der Sonnenuhr um zehn Stufen zu neigen; nein, sondern der Schatten soll zehn Stufen rückwärtsgehen. 11 Da rief der Prophet Jesaja zu dem HERRN. Und er ließ den Schatten um so viele Stufen der Sonnenuhr zurückgehen, wie die Sonne an den Stufen der Sonnenuhr des Ahas hinabgegangen war, zehn Stufen zurück.“
Soweit der Bericht aus dem AT der Bibel.
Auch in dieser Geschichte spielt eine vertikale Kristallwolke eine Rolle. Die reale Sonne in der Mitte wirft einen Schlagschatten des Stabes auf die Skala der Sonnenuhr. Als die reale Sonne untergegangen ist, kann nur noch die imaginäre, die über ihr steht, einen Schlagschatten erzeugen. Der aber wird dort erzeugt, wo ihn zuvor die reale Sonne erzeugt hat, als sie dort stand, wo jetzt die imaginäre steht. Der Zeiger der Sonnenuhr geht also zurück.

Jetzt könnte jemand mit Recht behaupten:“Der Schatten der imaginären oberen Sonne war doch schon zuvor vorhanden.“ – Ganz recht, aber er wurde nicht wahrgenommen, solange noch der dunkle Schlagschatten der realen Sonne zu sehen war. Außerdem haben die grellen Strahlen der reale Sonne diesen schwachen Schatten unsichtbar gemacht. Erst im Lichte der schwachen, imaginären Sonne war dieser schwache Schatten
für das Auge des Hiskia sichtbar. Es erschien ihm so, als sei der Schatten an der Sonnenuhr zehn Stufen zurückgegangen. (2019 Kk)

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