Mathematik: Was der Lehrer will, das sollten auch die Schüler wollen.

Von 1965 an studierte ich in Münster Mathematik, Physik und Pädagogik. Dabei fielen mir einige Formulierung der noch jungen Mathematikprofessoren auf, die sie in ihren Vorlesungen ständig wiederholten: „Jetzt wollen wir!“-„Nun müssen wir“ usw. Natürlich hatten die Hochschullehrer ihre Vorgaben und die mussten erfüllt werden. Nur wir Studenten nahmen diese Formulierung mit in unser Leben als spätere Pädagogen. Das erwies sich als verhängnisvoll.

 Der erste Fachleiterbesuch meines Unterrichtes ist mir bis heute in lebendiger Erinnerung geblieben. Es ging um die Einführung einer mathematischen Methode, die für die Schüler neu war. Ich begann meine Unterrichtsstunde mit der Bemerkung: „Jetzt wollen wir…“ Diese oder ähnliche Formulierungen wie „Lasst uns mal…“ oder „Jetzt untersuchen wir..“ folgten. – Doch in der Besprechung meiner Unterrichtsstunde wurde ich durch meinen Fachleiter mit der Bemerkung konfrontiert: „Die Schüler wollen gar nicht!“ Er machte mir damit verständlich, dass die Schüler doch gar nicht für das motiviert seien, was ich ihnen beibringen wolle.

Das war der Beginn seiner kurzen Unterweisung zum Thema Motivation. Danach ging ich bei der Einführung des Strahlensatzes anders vor. Ich versuchte zunächst, das Interesse für diesen Satz zu wecken, indem ich die Frage stellte: Wie hoch ist der Schornstein unserer Schule? Das interessierte nicht alle, jedoch einige, die ich anschließend bei der Höhenmessung aktiv einsetzen konnte. Wir gingen also alle auf den Schulhof und erkannten, dass eine direkte Messung nicht möglich sei. Wir benutzten ein Höhenmessgerät einfachster Art, wie es manche Forstaufseher und Holzfälle heutigen Tages noch benutzen. Es ist ein rechter Winkel aus Holzstäben, dessen Katheten ein Längenverhältnis von 3 : 2 aufweisen. Die längere Kathete wird waagerecht gehalten , die kürzere hingegen senkrecht. Entfernt man sich so weit vom Schornstein, dass man seine Spitze über die freien Enden der Stäbe anpeilen kann, so erhält man die Schornsteinhöhe als 2/3 des eigenen Abstandes vom Fundament des Schornsteines. Das garantiert uns der sog „Strahlensatz“, den es anschließend zu behandeln galt. Die Motivation, das zu tun, lag nun vor, zumindest bei den Schülern, die beim Ausmessen auf dem Schulhof mitgeholfen hatten. Besser wäre es natürlich gewesen, auf die oben beschriebene Art und Weise, die Höhe eines Baumes zu bestimmen, am besten die einer Tanne. Der Abstand zu ihrem Stamm ist leichter zu ermitteln als der zum Aufsatz eines Schornsteines. 08.10.20 Kk

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