Vertrauen ist ein hohes Gut. Doch wem kann man vertrauen? Was jemand vorgibt zu sein, das ist er mitunter gar nicht. Die Bibel präsentiert uns im Johannesevangelium im Kapitel 4, 17-30 eine Geschichte, die vielen Menschen unglaublich erscheinen wird. Die Geschichte ist fast 2000 Jahre alt und findet in einer uns fremden Kultur statt. Ist sie noch aktuell? In der heutigen Zeit der Corona-Isolation, scheint das persönliche Gespräch die beste Möglichkeit darzustellen, unseren christlichen Glauben zu bekennen.

Christus und die Samariterin

Das Zwiegespräch zwischen unserem Herrn und der Samariterin kann uns dabei als Vorbild dienen:
Zunächst eine kurze Zusammenfassung des Gesprächsverlaufes: Christus ist allein mit der Frau an einem Brunnen, den der Erzvater Jakob zusammen mit seinen Söhnen gegraben hat. Provokativ fragt Jesus: „Gib mir zu trinken!“ Ein Gespräch entwickelt sich. Jesus leitet vom buchstäblichen Wasser über zu dem geistigen Wasser. Die Frau hat aber keine Ahnung von der alegorischen Auslegung der Juden. Sie versteht alles buchstäblich und meint offenbar, der fremde Jude wolle für sie das Wasser schöpfen! Jedenfalls geht es ihr ausschließlich um die Erfüllung irdischer Bedürfnisse, hier ganz konkret um das Stillen des menschlichen Durstes. Jesus wechselt daher das Thema, das nun die geistliche Quelle zum Inhalt hat. Nun beginnt er mit dem moralischen Aspekt: „Hole Deinen Mann!“ – Und nachdem sie vorgibt, keinem Manne anzugehören, sagt er: „Fünf Männer hast Du gehabt und der jetzt bei Dir wohnt, ist nicht Dein Mann!“ Daraufhin glaubt sie, dass Jesus ein Prophet ist. Erst jetzt kann der Herr mit der Frau über ein zentrales spirituelles Thema sprechen: DIE ANBETUNG!

Doch wenn ein Christ sich berufen fühlt, in eine fremde Stadt zu gehen, um seinem Gott zu dienen, dann gehe er mit Gott. Im eigenen Ort, kennt man die Christen und redet meistens nichts Gutes über sie. Selbst über Jesus heißt es in der Schrift, dass er in seiner Vaterstadt wenig Wunder vollbringen konnte, weil die Leute dort abfällig über ihn redeten. Abschätzige Gedanken hinderten die Zuhörer daran, in unvoreingenommener Weise dem Christus zuzuhören. Daher geschahen zu jener Zeit dort nur wenige Wunder. In Samaria war das anders. Die Samariterin, welche Christus dort traf, war unvoreingenommen ihm gegenüber. Kein abfälliger Gedanke blockierte, noch trübte ihre Aufmerksamkeit. Neugierig verfolgte sie die Worte des Herrn.

Die Gabe der Geisterunterscheidung

Im 1. Korinther 12 lesen wir etwas über die sog „Geistesgaben“. Eine davon ist die Gabe „Geister zu unterscheiden“ (Vers 10). Ein Mensch, der diese Gabe besitzt, unterscheidet nicht „Poltergeister“ von „Spukgeistern“. Mit Harry Potter hat dieses alles nichts zu tun. Die Gabe der Geisterunterscheidung besaß unser Herr. Er wandte sie bei der Samariterin an. Deshalb konnte diese Frau ihn nicht täuschen.

Diese Gabe besaßen auch einige Nachfolger Christi nach der Ausgießung der Heiligen Geistes zu Pfingsten. Wie alle anderen Gaben ist auch diese in einer echten christlichen Gemeinschaft zu finden. Außerdem darf jeder Gläubige sie vom Herrn erbeten. Sie dient jedoch nicht dazu, Menschen zu katalogisieren, so wie das Biologen mit Pflanzen und Tieren zu tun pflegen. Diese Fähigkeit dient wie jede andere Geistesgabe der Mission. Sie soll einmal die Gemeinde vor verführerischen Einflüssen bewahren, zum anderen soll sie auch helfen, den geistlichen und moralischen Stand eines Menschen korrekt einzuschätzen. Die gewonnene Erkenntnis bietet einen Anknüpfungspunkte für ein Gespräch, das diesen Menschen zum Glauben führt oder in seinem Glauben weiterhilft. So jedenfalls verfuhr Christus mit seinem Jünger Petrus. Als Letzterer als Einziger ihn als Gottes Sohn erkannt hatte, lobte er Petrus. Als dieser später ihn vor dem Gang ans Kreuz bewahren wollte, wurde er von Jesus getadelt.(s.o.) Dennoch war es immer noch derselbe Petrus! Diese Gabe, einen Menschen richtig einzuschätzen, ist wie beim Herrn so auch bei seinen Nachfolgern mit der Fähigkeiten der Geisterunterscheidung verbunden, die dem Gabenträger selbst meistens gar nicht bewusst wird aber beim Adressaten eine positive Wirkung erzielt. Wer die Geistesgabe der Geisterunterscheidung vom Herrn erbittet, sollte sich aber zunächst für eine Aufgabe auf dem christlichen Arbeitsfeld entscheiden: Seelsorge, Krankenbesuche, Jugend- oder Kinderarbeit, Mission oder etwas Ähnliches. Gaben sind nämlich Werzeuge für die Arbeit im „Weinberg des Herrn“! Bei der Vergabe verfährt Gott ganz so wie ein Arbeitgeber. Der Leiter eines Installationsbetriebes z.B. packt ja nicht einem seiner Arbeiter Werkzeug in die Tasche und rät ihm, sich zu diesem Werkzeug eine Arbeit zu suchen. Nein, er gibt ihm zunächst einen Arbeitsauftrag. Dann stellt er ihm das Werkzeug zur Verfügung, welches dieser benötigt, um diese Arbeit erfolgreich ausführen zu können. So ist es auch hier: Der Herr Jesus Christus erteilt seinen Nachfolgern eine Aufgabe und rüstet sie dann mit der Gabe aus, welche ihnen hilft, diese Aufgabe durchzuführen! Eine dieser Gaben ist die Gabe, Geister zu unterscheiden. 17.01.2012 Kk

Geistesgaben in der Mission

Wenn wir fremde Menschen treffen, an denen uns etwas gelegen ist, dann versuchen wir, sie richtig einzuschätzen: Zu diesem Zweck fragen wir sie mitunter: „Woher kommst du? Was hast du in Deinem Leben erreicht, was ist Dir misslungen usw ?“ Christus ging anders vor. Er holte sich die Informationen über einen Menschen nicht von ihm selbst oder von einem anderen Menschen sondern von seinem himmlischen Vater und diese Informationen waren hochaktuell! In diesem Zusammenhang gehört neben der Erzählung über das Zusammentreffen mit der Samariterin auch jenes mit Nathanael, wie sie uns im Evangelium des Johannes im ersten Kapitel berichtet wird (Johannes 1, 46-49).

Nathanael, der über Christus geringschätzig behauptete, aus Nazareth könne nichts Gutes kommen, nannte er einen echten Israeliten, in dem kein Falsch ist! Auf Nathanaels Frage hin, woher er ihn denn kenne, antwortete der Herr: „Bevor Du zu mir kamst, da sah ich Dich unter dem Feigenbaume sitzen.“ Daraufhin bekehrte sich dieser Israelit. Die Samariterin am Jakobsbrunnen, bekehrte sich nach ihrer Bloßstellung, wie wir oben gelesen haben. Der Nathanael tat desgleichen, nachdem er Christi übernatürliche Fähigkeiten erlebt hatte.

Was bewegte diese beiden Menschen, Jesus als den Messias anzuerkennen? Sie erkannten seine übernatürlichen Fähigkeiten. Christus konnte ihnen ins Herz schauen, las ihre Gedanken und kannte ihr Leben. Was bedeutet das heute für uns? Man könnte sagen:“Nun, das war der Herr, der Sohn Gottes. Wir können uns nicht mit ihm vergleichen!“ Aber derselbe Gottessohn hat gesagt: „Ich bin bei Euch alle Tage bis zum Weltende.“ Und weiter sagt er: „Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, kommen wird, wird er euch in alle Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.“( Johannes 16,13) Gott ist derselbe geblieben und sein Wirken kann nur durch unsere Trägheit und unseren Ungehorsam in unserem Wirkungskreis gedämpft werden. Weltweit wirkt diese Gabe immer noch und zwar mit derselben Brisanz, wie sie in der Bibel geschildert wird! Allerdings ist die Frucht dieser Gabe nicht immer nur eine Bekehrung, mitunter bringt sie dem Evangelisten auch das Martyrium ein. Auch in dieser Angelegenheit ist Jesus Christus dem Missionar ein Vorbild: „Ihr habt den Teufel zum Vater, und nach eures Vaters Gelüste wollt ihr tun. Der ist ein Mörder von Anfang an und steht nicht in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er Lügen redet, so spricht er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater der Lüge.“ (Johannes 8,44) Dieses warf Christus den Schriftgelehrten und Pharisäern vor, die ihn wegen seiner Wohltaten an Armen und Kranken ständig tadelten. Dadurch dass Jesus die damalige jüdischen Geistlichkeit des Öfteren in dieser und ähnlicher Weise bloßstellte, schuf er die Voraussetzungen für seine Kreuzigung.

07.01.2021 Kk

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