Christentum und Politik

Einleitung

Mancher Theologe der Neuzeit fragt sich: Wie konnte es nur geschehen, dass aus den Jüngern Jesu Christi, aus den Nachfolgern der Bekenner und Märtyrer, reißende Wölfe wurden? Auf diese Frage möchte ich im Folgenden eine Antwort geben. (Mt 7,15:“Seht euch vor vor den falschen Propheten, die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig aber sind sie reißende Wölfe.“)

Der Papst als geistliche Autorität

Die Entwicklung, welche in der Einleitung oben beschrieben wird, beginnt schon um das Jahr 300 n.Chr. mit dem schrittweisen Zusammenbruch des weströmischen Reiches und erreicht seinen Höhepunkt um das Jahr 500, als der Gallische Prokuratopr Aetius seine Macht in Gallien verliert und der letzte römische Caesar den Goten die Herrschaft im weströmischen Reich überlassen muss. Bis dahin hatte der Cäsar in Rom dafür gesorgt, dass in den Provinzen Ruhe herrschte. Konstantin der Große hatte noch einmal im 4.Jahrhundert durch Siege über die anderen Cäsaren für Ordnung im Reich gesorgt, wählte aber Konstantinopel, das spätere Byzanz und heutige Istanbul, zu seiner Residenz. Rom überließ er den eindringenden germanischen Völkern. Diese sorgten zwischen 400 und 800 n.Chr. dafür, dass es in den westlichen Provinzen keine römische Ordnungsmacht mehr gab. Der Papst in Rom stellte die einzige Autorität dar, die sowohl von Römern als auch von den germanischen Stämmen und den übrigen wandernden Völkern respektiert wurde.(siehe Geiserichs Plünderung Roms: Der Papst wird hier zum Politiker). Der Papst aber besitzt keinen militärischen Schutz. – Dieses Defizit rächt sich, als der König der Langobarden ihm seinen Willen aufzwingen will. (Dieser Stammesverband siedelte damals in der Gegend um das heutige Mailand.)

Mächtiger Pippin

Pippin der Jüngere, genannt auch Pippin III., Pippin der Kurze oder Pippin der Kleine (französisch: Pepin Le Bref, * 714 bis 24. September 768 in Saint-Denis bei Paris) war ein fränkischer Hausmeier aus dem Geschlecht der Karolinger. Er war ein Nachfahre Karl Martells und der Vater Karls des Großen. (4) Pippin war bestrebt, nach dem Amt des Hausmeiers auch den Königstitel zu erlangen. Die Macht lag schon lange in den Händen dieses Karolingers. Die merowingischen Könige waren nur noch dem Namen nach Herrscher. Zur Legitimation der Übernahme des begehrten Königstitels bediente sich Pippin nach Darstellung der fränkische Reichsanalen des Papstes Zacharias. Pippin schickte dazu seine wichtigsten Ratgeber, Fulrad von Saint-Denis und Bischof Burkard von Würzburg, nach Rom zum Papst mit der Frage:“ Wegen der Könige in Francia, die keine Macht als Könige hätten, ob das gut sei oder nicht.“ Wunschgemäß antwortete der Papst: “ Es ist besser, den als König zu bezeichnen, der die Macht hat.“

Pippin (Gemälde entstanden um 1114)

Pippinsche Schenkung

Die Pippinsche Schenkung (751 -756):
Die Eroberungspolitik des Langobardenkönigs Aistulf (749 – 756) zwingt Pippin, im heutigen Norditalien einzugreifen. Aistulf hat Ravenna eingenommen und besetzte Städte, die zuvor zum oströmischen Exarchat von Ravenna gehört hatten, wie Rimini, San Marino, Narnia und weitere aus dem Herzogtum Spoleto und 753 auch Rom.(Band II Mittelalter S.27/28) Zuvor ist im Jahre 751 das Folgende geschehen. Die Quellen berichten über Pippin: “ Aber weil der Winter bevorstand, bat er den Heilige Vater, zusammen mit seinem Gefolge zum ehrwürdigen Kloster des seligen Dionys in Paris (Sankt Dennis) zu gehen, um dort zu überwintern.“ (2 Mittelalter Seite 27) Dort wählen die fränkischen Adeligen Pippin 751 zu ihrem König. Der Papst Stefan II salbt ihn zum König der Franken. Der merowingischen Herrscher Childerich III wird zusammen mit seinem Sohn Theoderich in das Kloster Prüm verband.
755 zieht Pippin mit seinem Heer in das heutige Italien, wo der Langobardenkönig Aistulf die Städte besetzt hat, die zum oströmischen Excanat von Ravenna gehören. Nach einem Friedensabkommen mit Pippin verläßt Aistulf die zuvor besetzten Städte. Doch nach dem Abzug des Frankenkönigs belagert er den Papst in Rom und besetzt die Stadt. Pippin kehrt daher 756 zurück.
Die Quellen berichten: „Als nun der gütige Frankenkönig Pippin die Stadt des Papstes einschloss und belagerte, da bat Aistulf, der grausame König der Langobarden, um Gnade und versprach, die im Friedensvertrag genannten Städte zurückzugeben, was er vorher nicht getan hatte…. Von diesen Städten machte Pippin dem seligen Petrus und der Heiligen Römischen Kirche bzw. allen zukünftigen Päpsten eine Schenkung. Die Urkunde darüber befindet sich noch heute im Archiv unserer Heiligen Kirche, schrieb ein späterer Biograph. Nun besaß der Papst politische Macht. Er beherrschte sein Territorium wie ein weltlicher Herrscher. Um diesen Besitz durch eine noch höhere Autorität zu rechtfertigen als Pippin sie darstellte, berief sich die Kurie in Rom später auf die sog Konstantinische Schenkung. Das Dokument dazu entstand im 11.Jahrhundert und erwies sich später als Fälschung. – Mancher von uns fragt sich:
„Warum hat damals der Bischof von Rom das Angebot Pippins angenommen, das den Patriachen zu einen weltlichen Herrscher erhob?“ Dafür gab es mehrere Gründe. Drei mögliche davon seien hier genannt:

  • Pippin konnte nicht bei jeder Bedrohung des Papstes mit seinen gepanzerten Rittern über die Alpen reiten, um den Papst zu helfen.
  • Die Zeit der christlichen Märtyrer, die bereit gewesen waren unter heidnischer Herrschaft zu leiden, war offenbar vorbei!
  • Der Bishof von Rom wie auch später die Bishöfe des Ostfränkischen Reiches meinten, die Zeit habe begonnen, von der Offenbarung 20,6 spricht.

Karl der Große

Wenn man über Pippin redet, dann sollte man auch seinen Sohn und Nachfolger Karl den Großen nicht vergessen.

Karl stärkt die Bischöfe:
Karl ernennt sie noch nicht zu Fürsten, doch bereitet ihre spätere Belehnung durch Otto den Großen vor, indem er für die Meierhofbesitzer eine Möglichkeit schafft, sich selbst und ihre Söhne vom Kriegsdienst zu befreien. Sie begeben sich in die Abhängigkeit eines Klosters. Dann ist ihre Familie vom Wehrdienst befreit, aber bezahlt dafür den Zehnten an das Kloster, welches nun an ihrer Stelle dem Kaiser Ritter zur Verfügung stellt. (Kloster Lorsch z.B. stellte im 9. Jahrhundert über ein Drittel des kaiserlichen Heeres.) Die Aufsicht über das Kloster nimmt in der Regel ein Bischof wahr.

Karl herrschte über die Kirchen:
Die Bistümer, die in der Nähe seiner Hauptpfalz Aachen lagen, besetzte Karl mit Bischöfen seiner Wahl. Auch die anderen ripuarischen Franken, die seinem Geschlecht entstammten, taten desgleichen. Die salischen Franken aus der Gegend um Speyer, die man Konradiner nennt, taten es ihnen gleich.

Karl der Große

Die fränkischen Herrscher bis zu Konrad I besaßen traditionsgemäß in ihrem Reich die Oberherrschaft über Kirche und Staat. Als aber der salisch-fränkische Kaiser Konrad I den Sachsenherzog Heinrich zu seinem Nachfolger im ostfränkischen Reich bestimmt hatte, begann die Zeit der sächsischen Könige und Kaiser. Heinrich besteigt als Heinrich I (876-936) den ostfränkischen Königsthron. (Er wurde allerdings vom Papst nicht zum Kaiser gekrönt – wahrscheinlich deshalb nicht, weil Heinrich sich von seiner ersten Frau hatte scheiden lassen.) Das schmählert aber keineswegs seine Achtung, die er bei seinen Gefolgsleuten genießt. Heinrich erfüllt nämlich voll und ganz die Aufgabe, die man an ihn gestellt hat. Er weist die Wickinger in ihre Schranken, die zuvor durch Raubzüge das ostfränkische Reich verunsichert haben.

Otto und die Bischöfe

Die Ottonen ernennen die ostfränkischen Bischöfe zu Landesherren:
In den letzten Jahren seiner Regentschaft lässt Heinrich seinen Sohn Otto an der Regierung teilhaben. Nach dem Tode seines Vaters übernimmt er als Otto I (936-973) die Regentschaft. Doch seine Nachfolge ist umstritten: Seine Mutter Mathilde, die im Herforder Kloster erzogen wurde, favorisiert seinen Bruder Heinrich. Außerdem erhebt Thankmar, Sohn Heinrichs aus erster Ehe, Anspruch auf den Thron. Otto kann sich auf die Gefolgschaft seiner eigenen Verwandtschaft nicht verlassen. Da besinnt er sich auf die Kleriker des Ostfränkischen Reiches. Sie verfügen über beträchtlichen Landbesitz und dank der Klöster auch über Ritter(s.o). Außerdem sind sie gebildet, können lesen und schreiben, was man bei vielen sächsischen Grafen dieser Epoche durchaus nicht allgemein vorraussetzen kann.
Otto ernennt die Bischöfe und Äbte zu Reichsfürsten. Die Ritter der Klöster unterstehen nun direkt den Befehlen ihrer Bischöfe. Mit Hilfe dieses bischhöflichen Beistandes und der „Heiligen Lanze“ (*) besiegt Otto die Ungarn auf dem Lechfelde. Nun erkennen ihn alle Fürsten des Ostfränkischen Reiches als König an. Mann nennt ihn von jetzt ab Otto den Großen.

Otto der Große

Der Papst kröhnt ihn zum Kaiser. Nun ist nicht nur der PAPST in Rom ein Landesherr, sondern auch seine Kleriker in Ostfranken, das sich bald „Heiliges römisches Reich
deutscher Nationen nennen wird“. Die drei mächtigsten geistlichen Herrscher, die Bischöfe von Mainz, Trier und Köln, gehören ab dem 14.Jahrhundert sogar zu den sieben Kurfürsten, welche später den Kaiser dieses Reiches wählen werden. Aber damit wird die Frage immer brisanter: “ Wer setzt diese mächtigen Bischöfe ein (Investitur)? Der Kaiser oder der Papst?“ Unter den sächsischen Königen und Kaisern kommt es noch nicht zur Auseinandersetzung. Von Heinrich I über die Ottonen bis zu Heinrich II bleibt das Verhältnis spannungsfrei, obwohl gerade durch Otto I die Konfliktsituation entstanden war. Das einvernehmlich Verhalten zwischen Kaiser und Papst wird schon dadurch bezeugt, dass Heinrich II, sein Nachfolger Konrad II sowie der damalige Bishof und spätere Papst Suitger alle im Dom zu Bamberg ihre Ruhestätte finden.

Grab Heinrich II und Kunigunde im Dom zu Bamberg

Die sächsischen Kaiser und der nachfolgende salische Franke Konrad II überließen dem Papst die Investitur der Bischöfe. Aber ein Konflikt schien auf Dauer unausweichlich, nachdem die Reichskrone zurück an die salischen Franken gefallen war. Unter Konrads II
herrschte zwar noch Einvernehmen unter den Leitern von Kirch und Staat, doch sein Nachfolger Heinrich III (1017-1056) ernannte nicht nur eigenwillig Bischöfe, sondern setzte auch 1046 in der Synode von Suitri drei Päpste ab, die gleichzeitig regierten. An ihrer Stelle bestimmte er den Suitger, den er zuvor als Bischof von Bamberg eingesetzt hatte, zum neuen Kirchenoberhaupt. In der sich direkt anschließenden Synode, die am 23. und 24.12.1046 in Rom stattfand, wird Suitger wunschgemäß zum Papst gewählt. Dieser wiederum salbt anschließend Heinrich III zum Kaiser. Als dieser Herrscher 1059 als 39-Jähriger stirbt, ist sein ältester Sohn erst 9 Jahre alt. Er wird direkt nach dem Tode seines Vaters durch eine perfide Entführung der Mutter entrissen und vom Bischof von Köln erzogen. Offenbar wollen die Kleriker, die durch den Vater gedemütigt wurden, verhindern, dass auch der Sohn als Heinrich IV die Kirche beherrschen wird. Sie erreichen jedoch durch ihr Vorgehen genau das Gegenteil von dem, was sie offenbar erhofft hatten. Heinrich IV achtet das Kirchenrecht noch weniger, als es sein Vater getan hat. Aber damit befassen wir uns im nächsten Kapitel.

Der Investiturstreit

Brennpunkte: Im 11.Jahrhundert erhebt sich die Frage:“Wer setzt diese Herrscher, die zugleich weltliche wie auch geistliche Herren sind, in ihr Amt ein? “ (Investitura = Einkleiden) Es geht also um die Amtseinsetzung von Geistlichen, die zugleich Fürsten sind. Zwei Mächte beanspruchen dieses Recht: das „Imperium sacerdotium“ und das „Imperium regnum“. Unter den ripurarischen und später unter den salischen Franken Heinrich III (1016-1056) und seines Sohnes Heinrich IV (1050-1106) herrschte ein sog. Cäsaropapismus“, da die Bischöfe ohne Rücksprache mit dem Papst vom Kaisern eingesetzt wurden. Für die dtsch. Bistümer wirkte sich dieses Verfahren verheerend aus. Unter anderem ergaben sich folgende extreme Fälle:

  1. Benno, den Heinrich IV als Bischof von Osnabrück eingesetzt hatte, war kein Kleriker, sondern ein Baumeister, der dem Kaiser geholfen hatte, den Kaiserdom in Speyer auszubauen.
  2. Die Erzbischöfe von Köln wurden unter den Staufern Kanzler des „Heiligen Römischen Reiches deutscher Nationen“ und kämpften an der Spitze eines eigenen Heeres (Beispiel: Rainald von Dassel, Erzbischof von Köln, belagerte mit seinem Heere Mailand.)
  3. Konflikt zw. Kaiser Barbarossa (1122 – 1190) und Papst Hadrian IV, ausgelöst durch eine missverständliche Übersetzung des Begriffes „beneficia“ als „Lehen“ im Brief des Papstes an den Kaiser. War Barbarossa nun Lehnsmann des Papstes? Erhielt der König nicht von Gott sein Amt?

Von wenigen Ausnahmen abgesehen, konnten die herrschenden Kleriker ihren klerikalen Pflichten nicht mehr nachkommen, weil sie durch ihre politischen Aufgaben als Landesherren völlig ausgelastet waren. Die meisten von ihnen konnten mit dem Schwert besser umgehen als mit der Heiligen Schrift. (Ausnahme: Gewaltenteilung zw. einem Bischof von Münster
und einem mit ihm verwandten Grafen von Tecklenburg, der vom Bischof als Vogt über seine Diozöse eingesetzt wurde.)

Höhepunkt des Investiturstreites:
Der Reformpapst Gregor VII bestimmte, dass alle Bischöfe allein durch die Curie in Rom bestimmt und eingesetzt würden. Dann wäre aller Besitz der ostfränkischen Bistümer an den Papst im Rom gefallen. Außerdem fordete Gregor das Zölibat für alle Priester. Dadurch wäre
eine Laieninvestitur durch den Kaiser in der Zukunft kaum noch durchsetzbar. Eine Auseinandersetzung mit den ostfränkischen Königen und Kaisern wurde jedoch unausweichlich. Diese Auseinandersetzung erreichte seinen Höhepunkt, als der von den Fürsten gewählte salisch-fränkische König Heinrich IV (1050-1106) Bischöfe einsetzte, ohne Zustimmung des Papstes Gregor VII. Er ernannte, wie schon oben erwähnt wurde, seinen Freund Benno zum Bischof von Osnabrück und unterstellte ihm u. a. die Bünder Laurentiuskirche, welche schon Ludwig der Fromme der Fürst-Äbtissin zu Herford
zugewiesen hatte. Gregor sprach daraufhin den Kirchenbann über Heinrich aus: Ihm durfte von nun an kein Abendmal gereicht werden. Er war damit exkommuniziert und kein Mitglied der Kirche mehr. Die Fürsten, die ihn vormals zum König gewählt hatten, distanzierten sich daraufhin von ihm. Fast jeder kennt aus dem Geschichtsunterricht den Begriff „Gang nach Canossa“ (1077). Jetzt wird es spannend. Daher wechsele ich nun den Sprach-Tempus von der Vergangenheit in die Gegenwart: Vor der Burg Canossa unterwirft sich der dtsch. König Heinrich IV dem Papst Gregor VII. Gregor muss Heinrich vergeben. Das erwartet man von einem frommen Papst gegenüber einem reumütigen Sünder. Nach der Lossprechung vom Kirchenbann findet ein gemeinsames Versöhnungsmal statt – allerdings in einer frostigen Atmosphäre (4). Trotz Versöhnung gedenkt Gregor seine Reise nach Augsburg anzutreten, wo die Fürsten tagen, um einen neuen König zu wählen. Heinrich gelingt es noch, diese Reise zu verhindern. Doch am 15.März 1077 treffen sich die Fürsten im fränkischen Forchheim zur Wahl eines neuen Königs. Zwei Legaten des Papstes sind als Beobachter anwesend. Die Wahl fällt auf Heinrichs Schwager Rudolf von Rheinfelden, der auch Herzog von Schwaben ist. Zuvor muß dieser allerdings die freie kanonische Wahl der Bischöfe garantieren. Der König allerdings soll auch in Zukunft von den Fürsten gewählt werden. – Also, es wird eine strenge Trennung von Bischofs- und Königswahl festgeschrieben. (In diesem Beschluss erkennt man den Versuch, die Gewalten zu trennen.) Nach dieser Königswahl gilt Heinrich IV als abgesetzt. Kriege zwischen Rudolf und Heinrich IV sind daher unvermeidbar. Rudolf fällt in der Schlacht an der weißen Elster am 15. Oktober 1080. Die Tatsache, dass in dieser Schlacht Rudolfs rechte Hand abgeschlagen wird, mit der er einst Heinrich Gefolgschaftstreue geschwohren hat, verhilft Heinrich IV zu neuen Gefolgsleuten unter den Fürsten. Sein Sohn Heinrich V jedoch entmachtet seinen Vater, indem er ihn zusammen mit rebellierenden Fürsten bekämpft. Er nimmt ihn 1105 gefangen. Heinrich IV stirbt ein Jahr später. Zunächst verfolgt Heinrich V dieselbe Politik wie sein Vater. Doch schließlich kommt es mit Kalixt II im Wormser Konkordat 1122 zu einem Ausgleich mit der Kurie. Die Forderung Gregors nach alleinigem Einsetzungsrecht der Bischöfe durch den Papst wird zurückgenommen,
der Zölibat bleibt! Bei der Einsetzung der Bischöfe wird der Kaiser beteiligt und zwar in folgender Weise: Ring und Bischofsstab verleiht in Zukunft der Papst. Er bestimmt damit, wer Bischof werden kann. Durch die Vergabe von Zepter und Reichsapfel bestätigt der Kaiser die Wahl des Bischofs. Die Doppelfunktion der Bischöfe bleibt erhalten. Sie sind sowohl weltliche Herrscher als auch geistliche Kleriker. Auch später noch entstehen Zwistigkeiten zwischen Papst und Kaiser in der Frage, wer dem Kaiser die Würde verleiht, der Papst oder Gott selbst? Beispielhaft ist der schon oben erwähnte Konflikt zwischen Kaiser Barbarossa (1122 – 1190) und Papst Hadrian IV, ausgelöst durch eine missverstandene Übersetzung des Begriffes „beneficia“ als „Lehen“ im Brief des Papstes an den Kaiser.

Die Reformation

Die Reformation von 1517 bis zum Westfälischen Frieden:
Die Verweltlichung von Papst und Bischöfen im Deutschen Reich führt zu desaströsen Missständen in der alten Kirche. Dagegen erheben sich immer mehr kritische Stimmen im Klerus selbst: Nikolaus von Kues, Johannes Hus, Martin Luther, Calvin, Zwingli und viele andere.Martin Luther erkennt während seines Turmerlebnisses 1517, dass die Kirche eine verfälschte Gotteserkenntnis verbreitet. Die einstigen Diener Christi herrschen vor der Zeit.
Die Bischöfe sind nun Landesherren. Sie betreiben innerweltliche Politik mit all ihren Folge. Wie oben schon erwähnt wurde, unternehmen sie:

  1. Waffengänge
  2. Bauen Dome und Schlösser
  3. Kaufen Ämter und Privilegien (Simonie).

Für all das benötigen sie Geld, sehr viel Geld! Der Ablasshandel blüht daher: Albrecht von Brandenburg, Erzbischof von Magdeburg, Administrator von Halberstadt und Erzbischof von Mainz lässt in Kurbrandenburg einen Ablass durchführen, „um seine hohen Schulden wegen des Mainzer Palliums-Geldes und seiner Ämterkumulierung bezahlen zu können (1515).
„(4) Während der gesamten Reformationszeit des sechzehnten Jahrhunderts ändert sich an der Art der Herrschaft der Bischöfe nichts: Sie bleiben sowohl geistliche als auch weltliche Herren in ihrem Bistum. Aber in der Fürstenwelt existieren seit des Augsburger Religionsfriedens 1520 zwei verschiedenartige Fürstentümer, für die gilt: Cuius regio, eius religio. Thron und Altar bleiben in Deutschland weiterhin verbunden, doch die weltlichen Mächte sind gespalten in altkatholische und protestantische Fürsten. Die letzteren schlossen 1531 in Schmalkalden einen Waffenbund, ihm stand die Katholische Liga gegenüber. Es kam zw. beiden Bünden zum Krieg, der 1547 für die Protestanten verloren ging. (Luther erlebte die Niederlage nicht mehr. Er starb 1546.) Daraufhin war fast ein Jahrhundert lang Frieden, bis der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) Deutschland verwüstete: Der Friede zu Münster und Osnabrück (1648) ordnete Europa neu. – Er änderte aber nichts an der Einheit von Thron und Altar in Rom, in deutschen Abteien und Bistümern.

Schlussgedanken: Die nachreformatorische Zeit:
Kaiser und Papst entfernen sich voneinander. Das zeigt sich im Konzil zu Trient (1545-75). Karl V will die Versöhnung zw. den Konfessionen. Im Religionsfrieden zu Regensburg (1528) verfolgt auch sein späterer Nachfolger Ferdinand dieses Ziel. Das Ergebnis dieses Versöhnungsgesprächs lautet: „Quipus Regio, eius Religio“. Es löst zumindest in den protestantischen Staaten die Allianz zw. Thron und Altar auf. Nur in den verbleibenden Bistümern ist der Bischof immernoch Herr der Kirche als auch Regent des Bistums. Thron und Altar bleiben hier vereint.

Ich saz ûf eime steine,
und dahte bein miot beine:dar ûf satzt ich den ellenbogen:ich hete in mîne hand geschmogendaz kînne und ein mîn wange, wie man zur welte sollte leben:de heinen rât kond ich gegeben,wie man driu dinc erwurbe,der keines niht verdurbe. diu zwei sint êre und varnde guot,daz dicke ein ander schaden tuot:daz dritte is gotes hulde, der zweier übergulde.die wolte ich gerne in einen schrîn.jâ leider desn mac niht gesîn,daz guot und weltlich êre und gotes hulde mêre zesamene in ein herze komen.stîg unde wege sint in benomen:untriuwe ist in der sâze, gewalt vert ûf der strâze:fride unde reht sind sêre wunt.Diu driu enhabent geleites niht, diuzwei enwerden ê gesunt.

Der Minnesänger Walter von der Vogelweide (12.-13.Jahrhundert)

Der Minnesänger Walter von der Vogelweide (12.-13.Jahrhundert) bemerkte schon damals, dass die Verbindung von Thron und Altar nichts Gutes
hervorbringen würde.

Quellen

  1. „Die Sachsengeschichte“ von Widukind von Corvey
  2. „Kompendium der Kirchengeschichte“, Karl Heussi
  3. „Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen“, Band II: Mittelalter, Mokrosch, Walz
  4. „Kirchen- und Theologiegeschichte in Quellen“, Band III: Die Kirche im Zeitalter der Reformation, Obermann
  5. Wikipedia

(*) Die „Heilige Lanze“ soll den Speer darstellen, mit dem man den gekreuzigten Jesus in die Seite stach, um zu prüfen, ob er noch lebe.

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