Zwei christliche Gemeinden in Kancheepuram

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Vorbereitung

Ende 2013 hatte es nach langer Zeit wieder einmal Weihnachtsgeld für Pensionäre gegeben. Somit hatte ich etwa 800€ zur freien Verfügung und damit den Preis für Hin-und Rückflug nach Chennai in Südindien. Einen Reisepass hatte ich auch schon, nur das Visum fehlte noch. Um dieses zu erhalten, musste ich unter anderem nachweisen, dass es unter meinen Vorfahren bis ins dritte Glied keinen Pakistani gibt. Glücklicherweise besitze ich einen Stammbaum väterlicherseits, den sich meine Tante hatte anfertigen lassen, als sie im Dritten Reich zwecks Erhalt einer Arbeitsstelle nachweisen musste, dass es unter ihren Vorfahren bis ins dritte Glied keinen Juden gibt. Kein Jude, kein Pakistani, also erhielt ich mein Visum.
Nun aber gab es die finanzielle Seite zu bedenken: Da mein Sohn studiert, ist er noch über mich versichert. Doch die Beihilfestelle weigerte sich die Arztkosten für ihn zu übernehmen, da der kinderbezogene Anteil des Familienzuschlages nicht vorliege. War mein Sohn vielleicht schon zu alt? Wenn nun seine bevorstehende, unausweichliche Operation auch nicht bezahlt werden würde? Würden mir vielleicht auch nicht die teuren Injektionen bezahlt werden, die ich zum Schutz meiner Gesundheit bekommen hatte? Immerhin waren sie fast genau so teuer wie der Flug selber.
"Niemand kann zwei Herren dienen: entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird dem einen anhangen und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon (Geld)." Matthäus 6,24 (Bergpredigt Jesu)
Durch diese Worte erfuhr ich eine ungeahnte Befreiung: "Na und, dachte ich! Wenn das Haus weg ist und du in einer kleinen gemieteten Dachwohnung mit Deinem Sohn hausen wirst, dann brauchst du keinen Rasen mehr zu mähen, Unkraut jäten usw. Du wirst mehr Zeit für deinen Herrn haben als je zuvor." Da gab es noch ein Hindernis: Die Gesundheit! Ich würde hautnahen Kontakt mit der Bevölkerung in den Slums haben. Tollwut, Cholera, Malaria, Hepatitis… drohten. Was wäre, wenn ich als Leiche zurückgeschickt werden würde? Auch diese Sorge gab ich ab. "Wir alle werden sterben, zu Hause oder sonst wo", kam es mir in den Sinn, "Hauptsache es erwischt uns bei der Ausführung des Werkes, das uns Christus aufs Herz gelegt hat." Und da war ich mir ganz sicher: "Mein Heiland Jesus Christus wollte, dass ich nach Indien fliege!"

Die Hinreise

Meinen letzten Flug absolvierte ich 1965 nach meinem Abitur mit einer Propellermaschine im Tiefflug von Hannover nach Berlin. Das war auch mein einziger mit einer Linienmaschine. Moderne Flugplätze für Linienflugzeuge hatte ich bislang nur dreimal besucht, zweimal, um Maschinen starten und landen zu sehen, einmal, um zwei Freunde nach ihrer Landung abzuholen. Doch eine Tatsache machte mich getrost: Der Prediger meiner baptistischen Gemeinde hatte mir segnend die Hände aufgelegt, als man mich aussandte, und die Gemeinde hatte das Lied gesungen: "Der Herr segne und behüte Dich…" Außerdem war ich mir gewiss, dass viele meiner Geschwister mich während meiner Reise im Gebet tragen würden! So war schon die Zugfahrt zum Düsseldorfer Airport gesegnet und zwar auf folgender Weise: Zunächst fuhr ich mit demselben Zug, mit dem auch meine Tochter Esther zu ihrer Fortbildung nach Dortmund fuhr. Wir beide wurden von ihrem Freund Dennis und meinem ältesten Sohn David zum Herforder Bahnhof gebracht. Als Esther und ich in den Interregio einstiegen, sahen wir vor uns ihren anderen Bruder, meinen jüngeren Sohn, Markus. Er saß direkt der Tür gegenüber, die wir als Einstieg gewählt hatten. So konnte ich noch meinen drei Kindern adieu sagen. Auch ein Mitglied meiner Glaubensgemeinschaft war im Abteil, der der Gemeinde berichten würde, dass ich endlich gestartet sei.In Dortmund stieg Esther aus. Jetzt musste Duisburg kommen und dann Düsseldorf Airport-Railway-Station. Doch jetzt war ich allein auf mich angewiesen. Nein doch nicht, da war ja noch das Gebet meiner Gemeinde!In Duisburg stiegen etwa acht junge Tamilen ein. Einer von ihnen besaß eine extrem braune Gesichtsfarbe. Ein anderer sprach fließend ein idiomatisches Englisch. Wir kamen ins Gespräch und ich erfuhr von ihm, dass der „Dunkle“ dort wie ich über Dubai nach Chennai fliegen wolle, aber schon heute Morgen gegen 11 Uhr. Ich schloss mich der Gruppe an und kam sicher zum Emirates-Schalter. Dort erfuhren wir, dass die Economic-Class 1,5 h vor Abflug an den Schaltern 22-26 für den Flug nach Dubai einchecken könne. Ich hatte noch viel Zeit. Die nutzte ich zum Erkunden des Flugplatzes. Da ich kein Handgepäck hatte, sondern nur einen rollenden Koffer, machte mir das keine Probleme. Dabei hatte ich noch ein lustiges Erlebnis: Als ich in einem Restaurant für Kaffee und Brötchen den vorgeschriebenen hohen Preis auf Heller und Pfennig bezahlt hatte, ließ die Bedienung das Kleingeld auf dem Tisch liegen. Nachdem ich lange Zeit verdutzt geschaut hatte, steckte ich das "Trinkgeld" dankend ein! Dann ging es endlich los: Ich checkte ein! Nachdem ich Reisepass und Visa gezeigt hatte, bekam ich mein Flugticket und die Gepäckkarte, mit der ich in Chennai meinen Koffer zurückbekommen würde. Dann hieß es warten, denn das Security-Personal war im Streik. Es ging nur ganz langsam voran mit der Leibesvisitation. Doch Emirates machte uns das Warten angenehm: Es gab Mineralwasser und belegte Brötchen. Um 14.35 sollte die Boeing 777 300 ER starten, gegen 16.00 Uhr hob sie ab. Es gab Frühstück und Mittagessen während des Fluges, alles wohlschmeckend und sauber verpackt. Kaffee, Tee, Mineralwasser und Saft so viel wie die Flugzeit erlaubte und die Stewardessen heranschaffen konnten. Wer dann noch nicht genug bekam, der ging einfach nach vorne in die Miniküche. Da stand reichlich. Selbst in unserer Economic-Class war der Komfort hervorragend. Monitore auf der Rückseite der Sitze, die Filme, Fußballspiele und Spiele anboten – auch Kameraaufnahmen von der Welt unter uns! Ja, die Emirate sind reich. Ihre Luftflotte ist die größte weltweit und die am besten ausgerüstete. Der Service ist einmalig. Der Asiate, der links neben mir saß, schlief die ganze Zeit. Einmal musste ein Stewart ihn an stupsen, damit er nicht in den Gang fiel. Rechts neben mir am Fenster, saß ein junger Russe, der des Englischen nicht mächtig war, jedoch zu einer Konversation auf Französisch bereit war. Er kam aus Moskau, hatte einige westeuropäische Länder bereist und wollte jetzt nach Dubai. In Dubai angekommen, kam mir ein Mann ganz in weiß gekleidet mit wunderschöner Kopfbedeckung entgegen. Ob es wohl ein Prinz war? Schade, dass ich meine Kamera im Hauptgepäck hatte! Um 2.45 Uhr sollte es weiter gehen, doch der Start verzögerte sich wegen Bodennebels. Etwa gegen 4 Uhr hob die Boeing 777 380 ab. Im Flugzeug mussten alle Passagiere einen Fragebogen ausfüllen. Mit Hilfe eines Tamilen, der in meiner Reihe saß, gelang mir das auch halbwegs. Nach der Landung in Chennai warteten penible Kontrollen auf uns. Ich hatte meinen Gürtel, meine Geldbörse und mein Handy ins Körbchen gelegt, meine Pillendose und meinen Minenbleistift aber nicht. Die Pillendose musste ich öffnen und meinen Stift vorzeigen. Nachdem scharfe Augen geprüft hatten, dass der Stift nicht schießt und die Pillendose keine Munition enthielt, durfte ich passieren. Die letzte Kontrolle vor dem Ausgang hat mich dann wieder mit den Indern versöhnt: Auf meinem Zettel musste vermerkt werden, ob Fleisch importiert wird. Die Antwort bei mir stand noch aus. Als Mann aus einem Staatsgebiet, dessen Einwohner noch immer preußisch korrekt denken, zeigte ich dem Zollbeamten meine kleine Rindersalami. Seine Handbewegung deutete mir an, dass dieses kein Vergehen sei. Ich durfte die Salami behalten. Sehr freundlich! Alle Fluggäste mussten durch einen sehr schmalen Ausgang, einer nach dem anderen, vorbei an einem Soldaten mit Schnellfeuergewehr. Endlich draußen! Am Zaun erblickte ich Sachchi – ich war angekommen!

Mittlerweile war es Samstagmittag geworden. Nun ging es mit einem Auto Richtung Kanchipuram. Ich weiß nicht so recht, ob ich mit dem Auto anfangen soll oder mit dem Verkehr. Also, das Gefährt besaß Gurte aber keine Vorrichtung, in die man sie hätte befestigen können. Wir befuhren lange Zeit eine Hauptstraße im Linksverkehr, ohne dass ich Verkehrsschilder ausmachen konnte. Es wurde andauernd gehupt. Der Sicherheitsabstand zwischen den Fahrzeugen lag deutlich unter einem Meter. Ich schaute zur Seite oder schloss einfach meine Augen- zwischendurch betete ich auch leise vor mich hin!

Einquartierung

Als wir in Kanchipuram angekommen waren, besuchten wir zunächst Rajas Lodge, in der Sachchi untergebracht war. Oh Schreck, statt Toilette ein großes Loch im Boden, keine Dusche, keine Klimaanlage, nein, das wollte ich nicht! Was wäre, wenn ich während des großen Geschäftes rücklings fallen würde, nachdem ich zuvor schon nicht das Loch getroffen hätte? Wir gingen daher zur benachbarten Unterkunft. Die aber war auch nicht viel besser. Außerdem hatten die nur DZ zur Verfügung, die pro Nacht 1439 Rs kosteten. Im Interesse meiner Gesundheit forderte ich Sachchi auf, mit mir ins gegenüberliegende M.M.Hotel zu gehen. Dort sahen wir eine Preistafel, nach der ein EZ genau 1200 Rs pro Nacht kostete und ein DZ genau 1439 Rs. Man zeigte uns ein ordentliches EZ. Für das forderte der Mann in der Rezeption allerdings den Preis eines DZ. Ich willigte ein! Schließlich waren eine Dusche und eine Klimaanlage vorhanden, die ich beide ja höchstwahrscheinlich täglich benutzen würde. Außerdem, wie ich später bemerkte, wurde alle zwei Tage die Bettwäsche gewechselt und die Zimmer gereinigt. Außerdem erhielt ich dann jedes Mal Kaffee-, Tee-, Milch- und Zuckertütchen für meinen Wasserkocher!

Sachchi streckte für mich 2000 Rs vor und ich konnte endlich einziehen. "Heute ist SA, da kannst Du Dich noch ausschlafen", meinte Sachchi, "Morgen ist GD, dann holen wir dich um 7.00 Uhr ab." Mit "wir" meinte er sich und Benedict, den Prediger der beiden Gemeinden, die wir in den nächsten Wochen besuchen wollten. An diesem SA-Abend sollte auch ein GD in einer "Kirche" außerhalb von Kancheepuram stattfinden. Da ich aber auch noch abends vom Flug sehr abgespannt war, sagte ich ab. Der Prediger dieser beiden Gemeinde, Benedict Santhana, bekennt sich zur CSI, also zur "Church of Southern India". Die beiden Hausgemeinden habe er gegründet und er habe sie bisher auch betreut. Über die Woche arbeite er in einer Firma für Elektroinstallation. An den WE predige er in den beiden Gemeinden. Vor dem GD am SA-abend und nach dem GD am SO-morgen werden Gespräche mit den Dorfbewohnern geführt und gelegentlich Traktate verteilt. Sachi wie auch ich sind Besucher, welche dem Gemeindeprediger helfen. Während ich das erste Mal zugegen war, besucht Sachchi seit Jahren diese Gemeinden jährlich einmal, wenn er für etwa vier Wochen in Indien weilt.

www.csisynod.com

 

Die Gottesdienste in Nager

Will man Gottesdienste im Umkreis von Kanchipuram besuchen, dann stehen einem in der Regel drei verschiedene Verkehrsmittel zur Verfügung. Von links nach rechts: Ata,Zug oder Bus.

Der erste Gottesdienst in Nager am Sonntag, den 17.03.13

Die Hinfahrt:
Mit dem Stadt-Taxi, dem Ata, fuhren wir in eines der Vorstadt-Slums, namens Nager. Das Ata ist ein Dreirad mit Motorradlenker, das offenbar für drei Mitfahrer gedacht ist, da es lediglich hinten drei Sitzplätze aufweist. Zunächst waren wir auch mit dem Fahrer zu viert, nachher allerdings schon zu sieben und auf der Rückfahrt sogar zeitweise zu acht Mitfahrern.
Nun zu dem Dorf Nager, das am Stadtrand von Kanchipuram liegt. Die Häuser dieser Slum-Siedlung sahen bis auf einige Ausnahmen erbärmlich aus. Gekleidet waren die Frauen allerdings mit bunten Stoffen, die mit Ornamenten versehen waren. Sie trugen Schmuck, der entweder aus purem Gold war oder zumindest vergoldet war. Das passte so gar nicht zu ihren Hütten. Zwischen den Häusern liefen Federvieh, Ziegen und Hunde herum. Sachchi sprach etwa 10 Minuten lang mit einer Familie, die vor der Tür ihres Hauses stand. Dann gingen wir drei: Sachchi, Benedict und ich zu dem Haus, in dem der GD stattfinden sollte. Es ging einige Treppenstufen hinauf auf das Flachdach eines Hauses. Dort war zur Straßenseite hin ein kleiner Raum aus Stein aufgebaut, der etwa fünf mal sieben Meter maß. Zunächst sprachen Benedict und Sachchi mit den vier Frauen, die schon anwesend waren. Später kamen etwa zwölf Kinder hinzu.

Der Gottesdienst:
Benedict eröffnete den GD. Die Gemeinde sang und betete. Vor allem die Kinder beteiligten sich sehr rege am Gebet: Man hörte Worte, die ich zwar nicht verstand, welche mir aber eindeutig signalisierten, dass die Kleinen mit ganzem Herzen am Gebet beteiligt waren. Dann hielt Sachchi eine längere Ansprache. Einige kleiner Kinder gingen zwischenzeitlich aus dem GD nach draußen, kamen aber immer wieder zurück. Die größeren hörten gespannt zu! Dann bat mich Sachchi, ich solle mich einmal vorstellen. Das tat ich auch mit einem kurzen, persönlichen Zeugnis. Am Ende des GD kam eine ältere Frau mit ergrautem Haar nach vorne, um sich von mir segnen zu lassen. Sie hatte Darmprobleme. Eine zweite wünschte von Schluckbeschwerden befreit zu werden. Ich bat meinen Herrn, dass er die Frauen heilen möge, und segnete sie, während sie niederknieten. Ebenso legte ich einigen anderen Frauen die Hände auf. Eine unter ihnen war ganz in weiß gekleidet. Dann stürmten die Kinder auf mich ein. Dabei legte ich je zweien von ihnen die Hände gleichzeitig auf und bat Christus um Heilung und Bewahrung, mitunter auch um Erfolg und Fortkommen in ihrem zukünftigen Leben, je nachdem mir der Geist Gottes es eingab.Niemals zuvor in meinem Leben habe ich mich so überfordert gefühlt wie bei dieser Kindersegnung. "Herr ich kann nichts, aber Du kannst alles", habe ich mehrmals in englischer Sprache gesprochen. Niemals zuvor habe ich so erwartungsfrohe und freundlich lachende Kindergesichter gesehen wie in dieser Kirche einer Slum-Siedlung.Schließlich kniete sogar Benedict vor mir nieder. Ich legte ihm die Hände auf und erbat für ihn den Segen des Herrn. – Dabei bin ich doch ein sündiger Laie! Später habe ich deswegen mehrmals meinen Heiland Jesus Christus gebeten, mich vor Hochmut zu bewahren – und das hat er in der Tat auch getan!!! Gepriesen sei Gottes Sohn, der uns ins rechte Gebet führt und durch seine Macht in die Lage versetzt, vor dem Bösen bewahrt zu bleiben.

Der Heimweg:
Auch in diesem kleinen Dorf am Stadtrand ist der Götzendienst präsent. In den beiden mittleren Bildern sehen wir einen gelben Göttertempel.Im linken der beiden Bilder erkennen wir den Eingansbereich des Tempels, rechts dagegen den hintere Teil desselben. Im Bild ganz links ist ein steinerndes Haus abgebildet. Hier wird draußen gekocht. Ganz rechts ist ein kleiner Laden zu sehen, in dem das Nötigste zu haben ist. Ein anderer steht direkt an der Hauptstraße.
Als wir zu dieser Hauptstraße zurückgehen wollen, tritt eine Frau dem Sachchi in den Weg. Was sie will, das kann ich nicht verstehen, da ich der tamilschen Sprache nicht mächtig bin. Die Frau geht in ihre Hütte zu einem Manne, den ich dort im Dunkeln soeben noch erkennen kann, spricht mit ihm und läßt sich dann von Sachchi die Hände auflegen. Was ist geschehen? Sachchi bestätigt meine Vermutung: Die Frau hat von Sachchi Segen und Heilung erwartet, hat aber dafür zunächst ihren Mann um Erlaubnis gefragt. Dieser hat offensichtlich eingewilligt. Daraufhin segnet Sachchi die Frau und ihre Kinder, bis auf einen Jüngling, der dieses ablehnt.
Danach besuchen wir ein weiteres dieser ärmlichen Häuser am stadtabgewandtem Rande des Dorfes. Die weißhaarige Frau aus dem morgendlichen GD wohnt offenbar hier. Sie holt jedem von uns eine Flasche Mineralwasser. Dann tritt eine junge Frau in die Vorhalle des Hauses, in der wir sitzen. Zu ihr redet Sachchi eine lange Zeit. Von ihr erzählt er mir hernach folgendes: "Dieses Mädchen ist eine Studentin. Sie hat sich bereit erklärt, in ihren Semesterferien die Kinder dieses Dorfes zu unterrichten."

Der Sonntagabend:
Am Abend gegen 19.30 Uhr gehe ich hinüber zu Sachchi. Er ist offenbar krank geworden. Er habe Kopfschmerzen und Fieber, sagt er mir. Zusammen gehen wir zu einem Straßenapotheker in der Nähe von Sachchis Unterkunft, der ihm Medikamente verkauft und ihn berät. Bald schon geht es meinem Freunde besser. Dann gehen wir zurück zu seinem Zimmer und warten dort auf Benedict, der mit mir für Sachchi und mich einkaufen soll. Benedict erledigt das mit seinem Kleinkraftrad. Ich darf auf dem Sozius mitfahren. An drei hinduistischen Tempeln fahren wir vorbei. Am letzten von ihnen ist ein gewaltiger Volksauflauf. Trotzdem kommt Benedict durch. Dabei vertraue ich ganz auf meinen Herrn und schließe mitunter meine Augen. Beim Einkaufen bekommen wir alles, was wir brauchen. Die Nellukkara Street, an der sowohl Raja’s Lodge als auch das M.M.Hotel liegen, ist die Hauptstraße in Kanchipuram und wird zweispurig befahren, wie bei uns die Autobahnen. Die beiden Spuren werden durch riesige Betonklötze getrennt, die man zu einer Mauer zusammengefügt hat. Da Raja’s Lodge auf der anderen Straßenseite liegt, muß Benedict die Spur wechseln. Das kann er natürlich nur dort, wo eine Lücke in der Betonmauer ist. Nun liegt diese Lücke, die für uns in Frage kommt nicht direkt vor der Lodge. Da fehlen etwa noch 100 m. Nun, die legt mein mutiger Motoradfahrer als Geisterfahrer mitten im abendlichen Gegenverkehr zurück, übrigens völlig legal! Man muss dabei eben nur die Lücke wählen, welche dem Ziel am nächsten liegt. Entsprechendes gilt auch für die indischen Autobahnen – aber auf dieses Thema werden wir noch später kommen!

Der zweite Gottesdienst in Nager am Sonntag, den 24.03.13

Benedict und Sachchi holen mich gegen 8.00Uhr morgens aus meinem Hotelzimmer ab. Dieses Mal sind 19 Besucher anwesend, die von 8.45 bis 10.00 Uhr am GD teilnehmen. Benedict stimmt Lieder an, dann predigt er. Danach hält Sachchi einen Vortrag von 9.15 bis 9.45Uhr. Alle hören gespannt zu – bis auf einen etwa dreijährigen Knaben, der ständig herumläuft und mitunter auch quengelt. Zwei Frauen kommen nach vorne, um Glaubenszeugnisse abzulegen.Einige Anwesende kenne ich vom letzten SO her, andere sehe ich zum ersten Male. Auch die junge Studentin, die Sachchi letzten SO in einem Privathaus angesprochen hat, ist heute anwesend. Sie schreibt am Ende des GD die Namen der Kinder auf, die sie unterrichten wird. Am Schlusse des GD erhält jedes Kind einen Schreibblock mit Bleistift sowie ein kleines Päckchen Reis mit Gemüse.

Im linken Bild erkennen wir Sachchi und Benedict bei der GD-Gestaltung. Im rechts daneben befindlichem Bilde sind die größeren Gemeindemitglieder stehend im GD zu sehen.Noch weiter rechts schreibt die Studentin die Namen der Schüler auf, die sie unterrichten wird, und ganz rechts außen sieht man mich gebückt neben einem Jungen stehen, dem ich ein kleines Reis-Paketchen schenken werde.

Der Heimweg:
Nach dem GD treffen Benedict und Sachchi eine gelb gekleidete Frau vor ihrem Hause. Diese offenbar schwangere Frau bittet Sachchi und Benedict,in das Nachbarhaus zu gehen. Ich gehe mit. Eine blasse junge Frau und ein junger Mann stehen vor uns. Der junge Herr schiebt die Frau zu Sachchi hin. Er will offenbar, dass sie gesegnet wird. Sie aber will nicht, geht wieder zurück. Sachchi spricht lange mit ihr. Dann beten wir drei für sie, wobei Sachchi die Hände zum Segnen erhebt. Danach schickt der Mann die Frau zum Einkaufen fort. Als sie wieder zurück ist, hat sie jedem von uns ein Getränk mitgebracht: Cola, Sprite und Fanta! Wir befinden uns in einer ärmliche Hütte. Front- und Hintertür sind weit geöffnet, damit der Durchzug die Hitze in den beiden kleinen Räumen erträglicher werden lässt. Ich sehe keinen Ventilator und keine elektrische Einrichtung. Es sind Räume ohne Fenster, lediglich durchflutet vom Licht, welches durch die offenen Türen einfällt. Doch an der Wand hängt ein Bild von Christus.Wir befinden uns also in einem christlichen Haus. Mehrere andere Frauen kommen anschließend hierher. Zuletzt zähle ich vier. Sie alle lassen sich durch Sachchi segnen, indem er ihnen nacheinander die Hände auflegt. Hernach erzählt Sachchi mir, die mit rotem Kopftuch bekleidete junge Frau sei ebenfalls schwanger. Doch ihr Mann sei erst vor Kurzem an Nierenversagen gestorben.
Auf dem Rückwege zur Hauptstraße hin werden Benedict und Sachchi noch einmal von der Familie angesprochen, die uns letzten SO als erste begrüßt hat. Als wir gehen wollen, läuft uns noch die halbwüchsige Tochter der Familie nach. Ein fremder Mann schimpft mit ihr und schickt sie zurück.

Nun zu den Bildern unten! Ganz links: Die gelb gekleidete schwangere Frau, die uns über den Trauerfall informiert.Im Bilde rechts daneben steht, mit einem roten Kopftuch bekleidet, die junge Witwe, für die wir gebetet haben. Wir sind also im Trauerhaus. Hier segnet Sachchi ein kleines Mädchen. Das Bild rechts daneben zeigt das innere eines christlichen Hauses. Dass es ein christliches Haus ist, zeigt das Bild Jesu an der Wand. Bild ganz rechts: Als ich den größeren der beiden Dorfläden fotografieren will, hat sich eine Anzahl Kinder direkt vor ihm positioniert. Sie möchten offenbar von mir fotografiert werden.

Der dritte Gottesdienst in Nager am Ostersonntag, den 31.03.13

An diesem Tage ist Ostersonntag. Mein Handy-Wecker ist gestellt und weckt mich zuverlässigerweise um 7 Uhr. Trotzdem konnt ein Anruf von der Rezeption auf Tamil, dann steht der Pförtner vor meinem Hotelzimmer und läutet Sturm. Als ich öffne: ein Redeschwall in Tamil. Ich schließe die Tür wieder. Später erfahre ich von Sachchi, dass er das initiiert habe. Offenbar befürchtete er, ich könnte den Tag der Auferstehung Christi verschlafen! Nun zum angenehmen Teil des Tages: Die beiden Ventilatoren, die am letzten SO in den Kirchenraum getragen wurden, sind installiert und drehen sich. Kühlende zirkulierende Luft ist hier auch bitternötig. Der Raum mit einer Grundfläche von 5x15m und einer durchschnittlichen Deckenhöhe von 3m hat nur in einer seiner vier Wände Öffnungen: Das sind eine Eingangstür von 0,75x2m sowie ein Fenster, das aus 12 kleinen Löchern besteht.

Nach etwa einer halben Stunde fällt der Strom aus. Das ist hier in Kanchipuram des Öfteren der Fall. Doch Hotels und einige andere Häuser besitzen Notstromaggregate. Dieses Haus besitzt so etwas leider nicht. Wir benutzen daher Konzeptpapier, Kleidungsstücke und Ähnliches als Fächer. Die Hitze wird ansonsten unerträglich. – auch für Einheimische. Immerhin sitzen 5 Erwachsene und 36 Kinder in diesem kleinen Andachtsraum. Aber es wird fröhlich weitergesungen. Anschließend stellt Benedict in seinem Vortrag Fragen an die Kinder. Sie antworten. Um 9.30Uhr hält Sachchi eine 20-minütige Predigt über Johannes 20. Dort berichtet der Apostel Johannes über die Auferstehung Jesu von den Toten. Nach dem Gottesdienst holen einige Eltern ihre Kinder von der Kirche ab.

Die Wochentage

Geldgeschäfte:
Mein erster Weg am Montagmorgen führte mich zur UA Exchange-Bank, wo ich meine mitgebrachten Euros in indische Rupien (RS) eintauschen wollte. Auf dem Wege dahin schoss ich viele interessante Aufnahmen: Eine hinduistische Prozession, eine Ein-Mann-Kaltschmiede, ein Löter, ein Bambusschredderer ein Erdkabel-Flicker im Sonntagsanzug und ein Kohlenverkäufer. (Bilder) Kleine Produktionsstätten wie auch kleine Handelsniederlassungen findet man hier direkt auf den Bürgersteigen. Sachchi war krank und schlief deshalb, als ich ihn besuchen wollte. Nach einer Stunde war ich mit Benedict wieder bei ihm. Nacheinander beteten Benedict und ich für unseren Sachchi, indem wir ihm die Hände zum Segen auflegten. Auch Sachchi betete in Tamil. In den nächsten Tagen ging es ihm besser! Am Dienstag, 19.03.13, sah ich gegen 6.30 Uhr die Sonne aufgehen, aber nicht im Süd-Osten wie in Deutschland, sondern im Osten, genau zwischen Nord- und Südpol. Kein Wunder, dass es Mittags so heiß wird; denn dann steht sie im Zenit genau über Dir. Heute Morgen holten wir Geld aus einem Automaten der Indian State Bank. Ein uniformierter Angestellter der Bank half mir, den Automaten zu bedienen. Sachchi schlich mit in den Kassenraum. Er stand direkt hinter mir und gab mir Anweisungen, obwohl der Uniformierte neben mir schon in bestem Englisch die passenden Hinweise erteilte. Trotz zweier Warnungen meinerseits wurde Sachchi so laut, dass ich mir schließlich nicht anders zu helfen wusste, als meine linke Faust hochzureißen und laut zu schreien: “Shut up!“ Dann war er still und wir konnten in Ruhe fortfahren. Als auf dem Display die Worte erschienen: „Insert your Pin“, da beugte Sachchi sein Gesicht ganz nah über meine PIN-Eingabe. Schnell schob ich die Hand darüber und er sagte: „Oh, yes“. Nachher meinte er, er habe mir sagen wollen, ich solle gleich 10 000 Rs anfordern, da jede Transaktion 5€ extra koste. Da er seine Brille nicht dabei hatte, war das Spin-Ausspähen wohl auch keine Absicht gewesen. Doch eines wurde mir klar: Er ist sehr bestimmend und hat offenbar einen starken Willen.

Prozessionen,Tempel und Götter:
Links sieht man den Wagen einer hinduistischen Prozession auf der Nellukkara Street, rechts daneben eine riesige Tempelanlage zwischen zwei weißen Türmen. Durch den ersten von beiden habe ich fotografiert. Rechts daneben sieht man über einem Minitempel eine Frauengottheit. Vor dem Tempel werden Gaben abgelegt oder es werden Kerzen entzündet. Ganz rechts steht ein Baugerüst, an dem ein Bild von Ganesha befestigt wurde.

Jetzt gegen 11 Uhr findet eine hinduistische Prozession statt. Die verwendeten Wagen gleichen denen, die bei uns im Kölner Karneval Verwendung finden, allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass im Karneval auf den Wagen normalerweise Puppen stehen, welche unseren Prominanten nachgebildet werden. Hier aber sind es Nachbildungen einiger der annähernd 1000 Gottheiten, die im Hinduismus angebetet werden. Alle Gottheiten bis auf den Elefantengott Ganesha besitzen Frauengesichter. Offenbar verehren die Hindus eigentlich ihre Frauen, wenn sie Shiva, Vishnu, Brahma oder Krishna anbeten! Aber wer verehrt Ganesha? Vielleicht sind es die Bauarbeiter! Immerhin war Ganesha lange Zeit der Bagger der Inder. Daher wird er auch heute noch verehrt als der Gott, der alle Hindernisse aus dem Wege räumt.
Der Prozessionszug wurde mit Böllern und Blasmusik begleitet. Zwei Prozessionen gingen die ganze Nacht hindurch. Wegen der Böller konnte ich daher zwei Nächte lang nicht schlafen. Unser Stadtviertel ist übersät mit hinduistischen Tempeln. Einige davon habe ich von außen fotografiert. Drinnen war ich nicht. In einem wollte man mich unbedingt hinein locken, doch weil man beim Betreten die Schuhe ausziehen und diese draußen vor dem Tempel ablegen muss, hatte ich einen guten Grund selber draußen zu bleiben. Ich besaß in Indien nämlich nur ein Paar Schuhe und wollte diese nicht verlieren.
Neben den vielen Tempeln entdeckte ich auch zwei Moscheen. Sie symbolisierten in besonderer Weise die indische Zweiklassengesellschaft. Eine Moschee war prunkvoll ausgestattt, die andere sah eher aus wie eine Fabrik.
Im Angesicht der vielen hinduistischen Götzen lernte ich meine muslimischen Freunde in Deutschland neu schätzen. Sie verehren wie wir den einigen und alleinigen Schöpfer des Himmels und der Erde.

Kleidung:
Kanchipurams Bevölkerung besteht zu etwa 90% aus Hindus und etwa 10% Moslimen sowie etwa 0,02% Christen. Hindu-Frauen lassen sich leicht von Muslim-Frauen unterscheiden. Die Ersteren sind bunt gekleidet, tragen Goldschmuck an den Armen und bunte Blumengirlanden im Haar und zeigen an ihren Stirnen in der Regel ein Kastenzeichen, die Letzteren sind mit einer langen Burka schwarz gekleidet, wobei ihr Gesicht in der Regel frei bleibt. Den Männern kann man an der Kleidung nicht ansehen, zu welcher Religion sie sich zählen, wenn wir einmal die Singh ausnehmen. Einige Inder tragen eine Art Rock, so wie es auch die Schotten tun. Er ist allerdings aus feinerem Stoff und ist etwas länger, sodass sie sich die Kniestrümpfe ersparen können – lol! In Tamil Nadu laufen die Meisten Barfuß oder sie benutzen Badelatschen. Die jungen Erwachsenen sind mit Nietenhose und T-Shirt recht europäisch gekleidet. Schüler tragen eine Schuluniform, die sie aber in der Regel wohl nicht den ganzen langen Tag tragen werden.

Die Sprache und sonstige Kommunikation:
Mit meinem Englisch kann ich mich einigermaßen gut mit den jüngeren Tamilen unterhalten. Von den Ü30 sind es vor allem die Taxifahrer, Polizisten sowie die Angestellten von Bahn, Hotel und Bank, die ein verständliches Englisch sprechen. Das deutlichste findet man allerdings bei Akademikern. Die jungen Studenten der Hochschulen, die man häufig in der Bahn trifft, sind immer zu einen Smal-talk bereit. Aber Vorsicht, die tamilische Zunge, gleich welchen Alters, tut sich mit manchen englischen Buchstaben recht schwer. Das Wort „love“ wird in der Regel vom Tamilen so ausgesprochen wie wir das Wort „low“ aussprechen würden. Am besten die Worte, welche man nicht versteht, vom Einheimischen buchstabieren lassen. Wenn das nicht gelingen sollte, möge man sie aufschreiben lassen. Es ist daher ratsam, immer einen Taschenkalender mit Kugelschreiber zur Hand zu haben. Am besten ist es, ein Handy mit Sim-Karte zu besitzen, die in Indien gültig ist. Um diese erwerben zu können, benötigt man einen einheimischen Bürgen. Hat man diesen gefunden, dann kann man einen Vertrag mit der dortigen Telecom schließen. Das Verfahren dauert etwa zwei Tage. Sollte man mit dem Handy Verbotenes unternehmen wie zum Beispiel das Unterlassen der Rechnungsbegleichung vor dem Rückflug, dann ist der Einwohner Indiens haftbar, der die Bürgschaft übernommen hat. Ist man nicht im Besitz eines funktionierenden Handys, dann sollte man sich trotzdem an einen Einheimischen halten und zwar wörtlich genommen, denn öffentliche Telefone sind tabu! Die einzigen, die jeder benutzen darf, hängen in den Innenstädten dort, wo sich Schulen befinden und dann auch nur außen an den Hauswänden, die zur Hauptstraße hin gewandt sind. Nur einmal habe ich dort jemand telefonieren sehen. Es war eine Grundschülerin, die offenbar nur kurz nach Hause Bescheid geben wollte, dass man sie abholen möge. Bei dem lauten Hup-Verkehr wird ein Erwachsener mit Hilfe dieser Apparate wohl schwerlich eine verständliche Kommunikation führen können. Auch ein Email aus einem Internet-Café ist ohne gültige Handy-Nummer nicht absendbar. Um ein Email abzuschicken zu können, muss man nämlich einen neuen „Account“ einrichten, bei dem eine in Indien gültige Handy-Nummer erforderlich ist, die einem selber gehört. Hat man eine in Indien gültige Nummer, dann kann man sogar nach Europa telefonieren. Hat man keine, dann bleibt einem nur das Postamt - wie mir! Jetzt erzähle ich euch, wie ich in Kanchipuram erfolgreich zwei Briefe nach Europa schickte: Zunächst erkundigte ich mich, wo das Hauptpostamt liege, denn woanders erhält man nicht die nötigen Utensilien. Ich ging zu Fuß, doch es war weit, sehr weit! Letztendlich erbarmte sich ein junger Student meiner. Er holte ein Motorrad, ließ mich aufsteigen und brachte mich direkt zu meinem Ziel. Von den vielen Mitarbeitern dieser öffentlichen Einrichtung war nur eine junge Frau des Englischen kundig. Diese war aber ständig beschäftigt. Trotzdem gab sie ihrem Kollegen, der mich bediente, die richtigen Anweisungen. Ich erhielt zwei Couverts und nach einigen Diskussionen auch die richtigen Briefmarken für einen Luftpostbrief nach Deutschland. Dann schichte man mich zu einem Stehpult, wo ich frankieren konnte. Nachdem ich die Rückseite einer Briefmarke beleckt und mein Gesicht dabei verzogen hatte, half mir ein lieber Tamile mit freundlichem Lächeln. Er zeigte mir, wie ich den dort liegenden Kleister mit Hilfe einer Fingerkuppe auf die Rückseite der Briefmarken zu streichen habe. Von der Art des Kleisters war ich begeistert, denn mit dieser Art Klebstoff hatte meine liebe Mama kurz nach dem Weltkriege Zigarren eingerollt und das Deckblatt auf den Rohling geklebt. Diese gallertartige Masse klebt normalerweise erst nach Tagen. "In der Tropensonne wird das schneller gehen – hoffentlich", dachte ich. Da ich zurückgehen wollte, blieb den Briefen und den Marken dafür viel Zeit. Zuhause angekommen, schrieb ich zwei Briefe, die ich dann schnell in den Briefkasten werfen wollte. Das Wort „Mailbox“ kannte aber keiner in Kanchipuram! Auch jetzt verwies man mich an das Hauptpostamt. Nochmal so weit gehen? Nein, auf keinen Fall! "Taxi, How much?"– "Fifty-Fifty!" Ich war einverstanden. Mensch ist der gefahre! Am Postamt angekommen, fragte ich die Angestellte mit den guten Englischkenntnissen nach einem Briefkasten. Sie wies in den Hof. Ich fragte noch nach der Farbe: "Gelb oder Rot" Sie sagte mit einem Lächeln: "Rot!" Aber ich sah weder gelb noch rot! Ein dort anwesender Tamile rief meinen Ata-Fahrer herbei, der noch geblieben war. Der Letztere kümmerte sich nun um die Angelegenheit. Er lief hierhin, er lief dorthin, bis eine Angestellte sich bereiterkärt hatte, vier Stempel auf jedes Couvert zu drücken. Sie rief uns zurück, derweil mein Fahrer und ich schon im Aufbruch waren. Doch dann winkte sie wieder ab. Sie muss sich wohl im letzten Moment entschlossen haben, den Rest der Güterabfertigung selbst in die Hand zu nehmen. Die Briefe werden wohl ihren Weg in das richtige Fach der integrierten Briefverteilungsanlage gefunden haben; denn sie sind später tatsächlich in Deutschland angekommen. Die Rückfahrt war noch schrecklicher als die Hinfahrt. Einmal fuhren wir in einen Engpass: links war eine Mauer, rechts überholte uns ein Kleinkraftwagen. Der Abstand zu jedem der zwei Hindernisse betrug etwa 1 m. Von vorn kam ein Motorrad! Ich sah keine Change der Kollision zu entgehen und schloss daher die Augen. Meine Seele schrie zu Gott! Als ich die Augen wieder geöffnet hatte, waren wir durch - wie, das kann ich leider nicht sagen!

Die Straßen der Stadt und ihr Verkehr

Der Schmutz der Bürgersteige:
Ein abendlicher Spaziergang brachte mir wenig Glück: Eine Mücke stach mich ins Bein, dort wo ich vergessen hatte, mich mit DEETS einzureiben. Ein kurzer Stich, dann ein roter Fleck - das war’s. Hoffentlich war es keine Moskito oder Tsetse-Fliege. Doch ich hatte auch ein schönes Erlebnis: Da standen kleine uniformierte Mädchen vor ihrer Grundschule, die mich nach Herkunft und Namen fragten. Auf Anfrage erklärten sie mir, dass sie in der Schule auch Englisch lernen würden. Ich ermutigte sie, weiterhin fleißig zu lernen.- Es ist gar nicht verwunderlich, dass es hier so viele Krankheiten gibt. Auf den Bürgersteigen liegt unvorstellbar viel Dreck. Nicht nur Hunde und Ochsen befriedigen hier ihre Notdurft, auch zwei Männer habe ich mitten in der Stadt an Hauswände pinkeln sehen. Ein kleines Mädchen wurde von ihrer Mutter auf dem Bürgersteig sogar abgehalten. Allein deswegen finden sich hier in den Abendstunden viele Mücken und Fliegen ein. Leere Flaschen wirft man einfach weg. Selbst ein Bediensteter einer Nationalbank forderte mich auf, meine leere Mineralwasserflasche in die Ecke zu werfen, als ich ihn frug: "Wohin damit?" Auch einer meiner Freunde warf eine solche leere Flasche einfach aus dem Fenster seines Wagens. Das Ergebnis sieht dann entsprechend aus. Eine Müllabfuhr, wie wir sie kennen, scheint es hier nicht zu geben. - Und das bei 40-50 Grad Celsius im Sommer!

Straßenmärkte:
Als ich sah, dass Obst und Gemüse auf den Bürgersteigen angeboten wurde, war mir sofort klar, warum man als Tourist aus Europa kein ungeschältes Obst und kein ungekochtes Gemüse essen sollte. Mitten auf einer Kreuzung wurden Korbwaren angeboten. Man kauft sich einfach einen Korb und besorgt sich dann Gemüse oder Früchte, die man mit dem Korb transportieren kann.

Die Fahrer des Atas:
Ata-Fahrer stellen wie ihr Auto etwas Besonderes dar. Über eines dieser Gespanne berichtete ich ja schon, als ich unsere Fahrt nach Nager beschrieb. Aber lasst mich nun speziell auf die Fahrer dieser Taxi eingehen: Sie beherrschen den englischen Wortschatz, soweit er ihr Geschäft betrifft – also Taxi-Englisch. "Taxi?-Where will you go to?- twenty-thirty-fourty- fifty Rupees - and so on!" Bist du dunkelhäutig und braunäugig zahlst du nicht viel, schließlich mutet der Fahrer dir ja bis zu neun Mitfahrer zu. Hast du aber helle Haut, blaue Augen und kommst zudem noch aus Germany, dann bezahlst du Sonderpreise – darfst dafür aber als einziger Gast fahren und außerdem wartet der Chauffeur am Zielpunkt und bietet Dir seine Hilfe an. Auch bringt er dich gerne allein zurück.
Mitunter nehmen sie auch den Preis, den sie Einheimische zumuten, vor allem dann, wenn sie mit dir Mitleid empfinden. So erging es mir, als ich ganz schnell wegen meiner Diarrhöe zum Hospital musste. - In der Rezeption des M.M.Hotel bot der Ata-Fahrer in Gegenwart seiner tamilischen Volksgenossen mir die Fahrt zum CSI-Hospital für 20 Rs an. Aber schon auf der Treppe ließ er mich wissen, dass der Preis das Minimum darstelle. Das hätte ich mir merken sollen, als ein anderer seiner Zunft später für dieselbe Fahrt 30 Rs von mir forderte. Empört lehnte ich ab und ging zum nächsten Ata-Fahrer. Der forderte doch glatt 50 Rs. Ich konterte: "I can have it for 30!" - "Fourty", war die Antwort. - "No, thirty!"- "OK, thirty!" Nach dem Deal fuhren wir los. Am Ziel angekommen, forderte der Fahrer wieder "Fourty!" – "No, thirty!"- "Then thirty-five!"- "No, thirty!" –"OK, thirty!" Mir ging es nicht um das Geld. Als pensionierter Lehrer versuche ich heute immer noch, Menschen zu erziehen. In diesem Falle wollte ich dem Taxifahrer unbedingt beibringen, dass man sich an Abmachungen halten sollte. Weil ich das ewige Feilschen leid war, ging ich nach diesem Erlebnis zu Fuß, wenn es eben möglich war. Dennoch stürzten sie sich regelmäßig auf mich. "Taxi?" - "No, I want to walk!" Und dann ein anderer: "Taxi?"- "No, I want to walk by my own feet!" – "No, no, no!!!" Lieb und gar nicht aufdringlich waren sie, wenn ich mit Sachchi und Benedict das Ata zur Kirche benutze, denn dann bezahlte ja Sachchi.

Die Autobahnen:
In Tamil Nadu existieren auch Autobahnen, auf denen schnell gefahren wird, jedoch weniger Verkehr herrscht als bei uns. Eine solche überfuhren wir mit einem Ata, als wir das erste Mal die Kinderkirche in Ariyapperum Parkam besuchten, das etwa 7km von Kanchipuram entfernt liegt. Da befand sich keine Auffahrt, so wie wir Deutsche sie von unseren Schnellstraßen her gewohnt sind! Dort wo die Landstraße die Schnellstraße rechtwinklig überquerte, war der Mittelstreifen auf einer Länge von etwa 20m einfach beseitigt worden. Für einem Porsche wäre die Überquerung sicherlich kein Problem gewesen – aber für ein Ata mit schwachem Motor und schlechter Beschleunigung glich es einer todesmutigen Heldentat. Später im Flugzeug erzählte mir ein Bayer: "Bei kleineren Straßen ist der Mittelstreifen nicht unterbrochen. Dann ist es erlaubt, bis zur nächsten Mittelstreifenlücke als Geisterfahrer zu agieren!" - Das erinnert an das Prinzip: "survival of the fittest". Ganz schlimm wird es, wenn du mit Fahrrädern, die grundsätzlich kein Licht haben, in stockfinsterer Nacht solch eine Autobahn überqueren musst, wie es uns passierte, als wir am dritten Samstag meines Aufenthaltes von der Kinderkirche nach Hause fuhren.(siehe dort) Besitzt man jedoch ein Motorrat wie Benedict, dann ist das Überqueren kein Problem, auch nicht bei Nacht.

Die Gottesdienste in Ariyapperum Parkam

Der erster Gottesdienst in Ariyapperum Parkam am 23.03.13

Am Samstag, 23.03.13, bin ich mit Sachchi und Benedict in ein Dorf gefahren, das etwa 7km außerhalb von Kanchipuram liegt. Dabei mussten wir mit dem Ata eine Autobahn rechtwinklig überqueren, wie oben beschrieben. Ich betete und schloss die Augen, weil ich so etwas bislang noch nicht erlebt habe.Das Dorf heißt Ariyapperum Parkam und scheint noch ärmlichere Menschen zu beherbergen als Nager. Mit einigen Bewohnern haben wir Kontakt aufgenommen.

Dann beginnt Benedict in einem kleinen Steinhaus den GD mit Gesang. Zwei Mädel tragen je ein Lied vor, das sie auswendig gelernt haben.Es folgten die Glaubenszeugnisse dreier Mädchen. Das erste erzählte, wie sie für ihre Mutter gebetet habe, damit deren Magenschmerzen aufhören mögen. Da sei am letzten Samstag gewesen. Am Sonntag sei sie geheilt worden. Ein zweites Mädchen stand auf und bezeugte, ein Verwandter sei gesund geworden, nachdem sie für ihn um Heilung gebeten habe. Ein drittes hat ihren Heiland angefleht, er möge ihre geschwollene Wange heilen. Das sei innerhalb eines Tages geschehen. Man übersetzte es mir so. Benedict und Sachchi bestätigten mir, dass dieses letzte Mädchen am vorigen Samstag eine sehr geschwollene Wange gehabt habe. Ich selber war ja am letzten Sa nicht anwesend gewesen. Als alle Kinder auf dem Boden saßen, veranstaltete Sachchi ein Ratespiel mit ihnen. Er las aus der tamilischen Bibel vor und stellte Fragen. Wer als erster eine Frage richtig beantworten konnte, der durfte sich hinstellen. Schließlich standen alle großen Kinder und die ganz kleinen saßen noch. Doch ein Mädchen mittleren Alters weinte, offenbar weil es noch zu den sitzenden Kindern gehörte. Es hatte es nicht geschafft, als erste eine richtige Antwort zu geben. Sie durfte sich hinstellen und der Tränenstrom versiegte. Dann durften alle stehen. Keiner sollte ein Verlierer sein. Zum Schluss wurden alle belohnt: Die Großen, welche zuerst stehen durften, bekamen einen großen Schreibblock mit Stift, die Übrigen einen kleinen mit Stift. So ging keiner leer aus!

Der zweite Gottesdienst in Ariyapperum Parkam am 30.03.13

Samstag, 30.03.13 Gegen 16 Uhr ging ich zu ihm hinüber. Letzten Samstag war er um diese Zeit bei mir gewesen, um mich abzuholen, warum dieses Mal nicht, das erfuhr ich bald: Meine Mitarbeit war heute nicht geplant. Da ich aber gerne wollte, ließ Sachchi sich "breitschlagen". Sehr abenteuerlich war die Fahrt ins Dorf Ariyapperum Parkam. Zunächst fuhren wir mit dem Ata nach Nagar. Dort haben wir uns drei Fahrräder ausgeliehen, mit denen wir durch die Felder fuhren und zwar über eine Teerstraße mit vielen Schlaglöchern. Mensch, was waren das für Räder? Sie waren teilweise verrostet. Meines quietschte außerdem sehr unharmonisch. Dann sprang mir die Kette ab. Benedict stellte freundlicherweise sein Rad zur Verfügung. Mit einem Stück Papier, das er im Straßengraben fand, brachte er die Kette wieder auf das Kettenrad, ohne sich die Finger schmutzig zu machen. Stramme Leistung! Er kam dann nach. Sein Rad war leider auch nicht viel besser. Beim Durchfahren eines Schlagloches drang mir eine defekte Spirale des Sattels in den Allerwertesten. Dann lag die Autobahn vor uns. Vorsicht war geboten: Glücklicherweise sprang beim Überqueren keinem von uns die Kette ab!
Im Dorf angekommen, verteilten wir zunächst Traktate. Sachchi forderte mich auf, für Frauen zu beten. Die eine hatte dicke Knie und konnte kaum laufen. Eine andere hatte einen Gehirntumor und eine dritte wollte einfach nur gesegnet werden.
In der Kinderstunde fanden sich dieses Mal nur 14 Kinder zusammen. Zumeist waren es kleinere. Sachchi forderte mich auf, eine Predigt zu halten. Meine Konzepte hatte ich dabei. Die schienen mir jedoch unbrauchbar zu sein, da sie für Erwachsene konzipiert waren. Nun musste ich improvisieren. Ich trug etwa das Folgende vor: " Der Glaube an die Erlösung durch Jesus Christus macht den Menschen klug. So konnten Autos und Flugzeuge in den christlichen Ländern erfunden werden – aber leider auch schreckliche Waffen wie z.B. die Atombombe. Aber diese Waffen wurden von Menschen erfunden, die sich nicht an die Bibel hielten. Daher lernt bitte das, was in der Bibel steht, damit ihr nichts Böses tuen werdet!" Dieses schien mir zu dem zu passen, was Benedict zuvor mit den Kindern eingeübt hatte, indem er sie hatte Verse aus der Bibel auswendig lernen lassen. Allerdings gab es Verständigungsschwierigkeiten bei den Kindern. Sachchi mußte ihnen z.B. erklären, wer der Heilige Geist sei. Die begleitende Lehrerin jedoch muss von der Ansprache profitiert haben: Während sie nämlich zu Anfang des GD einen schwermütigen Eindruck hinterließ, zeigte sie jetzt ein fröhliches und entspanntes Gesicht.
Zum Schluß wurde Reis verteilt. Draußen war es derweil dunkel geworden. Nachdem ich noch ein paar Bilder geschossen hatte, ging es heimwärts, in der Dämmerung mit Fahrrädern ohne Licht! Als wir die Autobahn erreicht hatten, war es finster. Zu dritt standen wir nun da. Sachchi fuhr auf einem Mal los, ich gleich hinterher. Benedict schrie: "Stopp!" Er dachte wohl, wir würden beide Spuren auf einem Male überqueren. Wir hielten auf der Mitte der Autobahn an, um auf ihn zu warten. Schließlich fuhr er ja das Vehikel mit der rostigen, schlecht gespannten Kette. Dann kam er nach! Die Kette blieb auch dieses Mal auf dem Kettenrad. Zu dritt, und zwar auf Kommando, überquerten wir dann die zweite Spur. Ein Auto mit aufgeblinktem Fernlicht hupte noch, dann war es geschafft! – Ja eigentlich noch nicht, denn es wurde auf einem Male stockfinster. Vor mir sah ich nur zwei weiße Oberhemden. Alles andere verschwand im Dunkel der Nacht. Straße, Seitenstreifen und Graben waren für mich nicht mehr auszumachen – geschweige denn die Schlaglöcher vor mir. Einmal hat es mich in ein solches dermaßen hinein gehauen, das ich glaubte, im Straßengraben landen zu müssen. Mit letzter Kraft konnte ich dieses verhindern. Als ich glaubte, diese Probe bestanden zu haben, kam uns ein Auto mit Fernlicht entgegen. Meine lichtempfindlichen blauen Augen wurden dermaßen geblendet, dass ich nur die Scheinwerfer sehen konnte und ansonsten gar nichts. Ich duckte mich, bis meine Kinnspitze fast den Lenker berührte, und fuhr auf Sachchi soweit auf, bis ich im Schatten seines Rückens Schutz fand. Dann war das Auto endlich vorbei und ich hatte einmal wieder allen Grund zum Danken! Jetzt wurde mir langsam klar, warum Sachchi Bedenken gehabt hatte, mich auf diese Reise mitzunehmen.

Reisedurchfall mit gutem Ausgang

In der Nacht vom 20.03. zum 21.03.13 bin ich wach geblieben. Kurz vor Mitternacht ging es dann los! Der Stuhlgang wurde immer dünner, schließlich kam reines Wasser heraus. Ich nahm zwei Pillen "Imodium", welches mir der Tropenarzt in Deutschland für solche Fälle mitgegeben hatte. Gegen Morgen nahm ich eine weitere Kapsel – Es half aber nur soweit, dass ich mich jetzt nach draußen wagen konnte! Sachchi kam nicht, weil er offenbar selber krank geworden war. Deshalb ging ich zur Rezeption meines Hotels und erklärte dem Manne dort, dass ich wegen Diarrhöe zum christlichen Hospital wolle, das ich am Vortage gesehen hätte.

Er wusste sofort Bescheid, sagte kurz "CSI" und rief einen Taxifahrer. Der sagte: "20 Rs, das ist das Minimum!", und brachte mich zum CSI-Hospital. Als ich am "Hospital of the Church of Southern India", kurz CSI-Hospital, angekommen war, mußte ich selber meinen Namen in das Behandlungsformular eintragen. Trotz Buchstabierens fühlte der junge Mann sich nicht in die Lage versetzt, meinen Namen "Walfried" niederzuschreiben. Mir ging es hier offenbar ebenso wie vielen Ausländern in Deutschland. Nachdem ich 25 Rs bezahlt hatte, erhielt ich eine Mappe. Diese trug ich hinüber zu drei jungen, weiß gekleideten Damen, die vor einem Eingang standen. Dort stand ganz vorn links ein Bett. Ich durfte mich setzen. Mir wurde der Blutdruck gemessen. Dann bekam ich 20 Pillen und drei Tüten "Electrobion", wofür ich etwa nochmals 200 Rs bezahlte. Alles in Allem kostete mir die gesamte Behandlung etwa 4 €. Auf Grund der Medizin hörten meine "Eruptionen" nach drei Tagen auf. (Backfire cancelled) Als ich vom Durchfall geheilt worden war, fühlte ich mich verpflichtet, dem CSI meinen Dank zu erweisen. Mit den 2000 Rs wusste der junge Mann am Empfangsschalter aber nichts anzufangen. Er ging mit dem Geld hinüber zum Schalter, an dem ich die Medizin erhalten hatte. Auch der Jüngling wollte das Geld nicht haben. - Welch ein Unterschied besteht doch zwischen den hinduistischen und den christlichen Tamilen? Die einen, mit wenigen Ausnahmen, betrügen dich, wo sie nur können – die anderen, ebenfalls mit wenigen Ausnahmen, sind ehrlich und aufrichtig und lieben ihren Herrn mehr als das Geld. Über das Letztere habe ich mich sehr gefreut! Schließlich schlug man der mir begleitende Person vor, mit mir zu der "Frau vom Büro" zu gehen. Es war noch sehr früh am Tage. Daher war diese Frau noch in ihrem Wohnhaus, das sich separat auf dem großen Areal der CSI befand. Schlaftrunken kam sie an die Tür und wunderte sich über die Rs. Sie gab meinem Begleiter den guten Rat, mich zu dem Spendenkasten zu führen, der vor der Hospitalkirche stehe. Dort warf ich das Geld ein. Daraufhin lud mich der junge Mann, der mich bislang begleitet hatte, zum GD ein, der in wenigen Minuten begann.

Während der gesamten Predigt habe ich nur drei tamilische Worte verstanden: "Jesus, Maria und Amen " Die meiste Zeit las ich in meiner englische Bibel. Am Ende des GD sprach mich die Frau vom Büro an: "Warum sind sie in Kanchipuram?" – "Mit Sachchi missioniere ich in zwei Slums", war meine Antwort. Und weiter: "Warum haben sie gespendet?" – "Sie haben mir für sehr wenig Geld geholfen, gesund zu werden. Zuhause in Deutschland würde ich für dieses Geld, das ich dafür bezahlte, eine große Tasse Kaffee bekommen", sagte ich ihr. Die Frau vom Büro entgegnete mir: "Ich weiß, denn meine Tochter arbeitet am Max-Planck-Institut in Tübingen." Nachher stellte sich heraus, dass diese Frau die Leiterin des gesamten Hospitales ist. Sie heißt Dr. Brinda Nirmal. Nach ihren eigenen Worten habe sie zuvor in Deutschland gutes Geld verdient, sich aber dann vom Herrn berufen gefühlt, ihrem Volk zu dienen. Sie habe nicht viel vorgefunden, als sie hier begonnen habe. Alles habe ihr sehr viel Kraft gekostet. Nun aber gehe es voran. Bald werde man ein neues Gebäude erhalten. In der Tat, hier wird eine gute Arbeit geleistet: Zweimal ging ich durch den Empfangsraum und beide Male war er voll besetzt, vornehmlich von Frauen und Kindern. Fotografieren konnte ich sie nicht. Es wurde mir nicht erlaubt. Kurz vor meinem Heimflug besuchte ich die Chefin noch einmal. Wir wünschten uns gegenseitig Gottes Segen!

Schlussworte


Zum Ende meiner Darstellungen möchte ich zu meinen anfänglichen Bedenken zurückkehren, bezüglich der finanziellen Schwierigkeiten. Am Ende des Monats April, in dem ich wieder in Deutschland bin, sehe ich so viel Geld auf meinem Konto, wie ich es seit Jahren nicht mehr hatte. Alle ärztlichen Behandlungen, Operationen und alle Medizin für meinen Sohn sowie alle Injektionen, Medizin und ärztliche Behandlungen für mich wurden bis auf wenige Ausnahmen refinanziert. Für mich haben sich damit die Worte als richtig erwiesen, die unser Herr Jesus Christus in seiner Bergpredigt proklamierte, welche wir in Matthäus 6, 25-33 nachlesen können. Den Vers 33 möchte ich hier zitieren und damit meinen Bericht beenden: "Trachtet zuerst nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so fällt Euch solches Alles zu!"

29.04-2013 Kk