Ein Prediger für dieses Volk

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„1 Weh denen, die Schaden zu tun trachten und gehen mit bösen Gedanken um auf ihrem Lager, dass sie es frühe, wenn's licht wird, vollbringen, weil sie die Macht haben!
2  Sie reißen Äcker an sich und nehmen Häuser, wie sie's gelüstet. So treiben sie Gewalt mit eines jeden Hause und mit eines jeden Erbe.
3  Darum spricht der HERR: Siehe, ich ersinne wider dies Geschlecht Böses, aus dem ihr euren Hals nicht ziehen und unter dem ihr nicht so stolz daher gehen sollt; denn es soll eine böse Zeit sein.
4  Zur selben Zeit wird man einen Spruch von euch machen und klagen: Es ist aus - so wird man sagen -, wir sind vernichtet! Meines Volkes Land kriegt einen fremden Herrn! Wann wird er uns die Äcker wieder zuteilen, die er uns genommen hat?
5  Jawohl, ihr werdet keinen Anteil behalten in der Gemeinde des HERRN.
6  »Geifert nicht! «, so geifern sie. »Solches soll man nicht predigen! Wir werden nicht so zuschanden werden!
7 Ist denn das Haus Jakob verflucht? Meinst du, der HERR sei schnell zum Zorn? Sollte er solches tun wollen? « Es ist wahr, meine Reden sind freundlich den Frommen.
8 Aber ihr steht wider mein Volk wie ein Feind; denn wie Leute, die aus dem Kriege kommen, raubt ihr Rock und Mantel denen, die sicher daher gehen.
9 Ihr treibt die Frauen meines Volks aus ihren lieben Häusern und nehmt von ihren Kindern meinen Schmuck auf immer.
10 Darum macht euch auf! Ihr müsst davon, ihr sollt an dieser Stätte nicht bleiben! Um der Unreinheit willen muss sie unsanft zerstört werden.
11 Wenn ich ein Irr-Geist wäre und ein Lügenprediger und predigte, wie sie saufen und schwelgen sollen – das wäre ein Prediger für dies Volk!“  (Micha 2,1-11)

Michas Situation damals

Der Prophet Micha ist im 8.Jahrhunder vor Chr. n. in Jerusalem aufgetreten. Er ist ein Zeitgenosse Jesajas und Hoseas.
Wie auch die anderen Propheten Israels, von denen uns die Bibel im AT berichtet, so kam auch der Micha durch sein eigenes Volk in Bedrängnis. Das Volk wollte Erfreuliches hören, Lob statt Tadel, Bestätigung göttlicher Versprechen statt Gerichtsankündigungen. Doch er predigte anders: „Meines Volkes Land bekommt einen fremden Herrn!“  .. „Ihr müsst davon, ihr sollt an dieser Stätte nicht bleiben.“ Er hält ihnen vor, dass sie sich nicht wie Gottes Volk benehmen und daher Gottes Verheißungen unwürdig sind. - Micha greift die Worte seiner Gegner auf, indem er sagt: „Es ist wahr, meine Reden sind freundlich den Frommen…“ Offenbar hatte man ihm vorgehalten, dass ein Prophet freundlich zum Volke Gottes reden solle. Wer will denn auch schon getadelt werden?

Die Situation heutiger  Prediger

Ein heutiger Prediger, der Gottes Anspruch erfüllen will, steht in einer ähnlichen Situation wie Micha damals. Die Gemeinde möchte, dass er ihr „Honig um den Mund schmiert“. Doch sind Predigten, in denen nur Lob und Zuspruch vorkommen, gewisslich nicht die einzigen Aufträge, die der Herr einem Seelenhirten aufs Herz legt. Dieser muss sich entscheiden, ob er dem Willen der Menschen oder ob er dem seines Herrn dienen will. Wenn er sich für den Herrn entscheidet, dann dient er auch letzthin der Gemeinde, denn gegen Krankheiten helfen mitunter nur bittere Pillen. Das gilt nicht nur für den buchstäblichen Körper, sondern auch für die Gemeinde, die in der Bibel des Öfteren als Leib Christi bezeichnet wird.

Zurück zu Micha

Micha hatte auch Wohltuendes anzukündigen, wie wir später in seinem Buch lesen. Wer sich belehren lässt und in Buße umkehrt, der wird es erfahren:

Sie werden ihre Schwerter zu Pflugschalen
und ihre Spieße zu Sicheln machen.
Es wird kein Volk wider das andere
das Schwert erheben,
und sie werden hinfort nicht mehr lernen,
Krieg zu führen.
Ein jeder wird unter seinem Weinstock
und Feigenbaum wohnen,
und niemand wird sie schrecken.
Denn der Mund des HERRN Zebaoth hat es geredet!

(Mi 4,3-4)

11.04.2014 Kk