Unglückspropheten mitten im Glück

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Zwei Propheten wirkten im Nordreich "Israel" im 8.Jahrhundert vor Christi. In der ersten Hälfte war es Hosea, in der zweiten Amos. Beide nennt der Kommentartor meiner Lutherbibel "Unglücksprophenten mitten im Glück". Doch während Hosea als "Prophet der erlösenden Liebe" bezeichnet wird, nennt er Amos "Prophet ohne Gnade", eine Bezeichnung, die für Hosea nicht zutrifft.

Von Hosea ist nur bekannt, was er selber über sich mitteilt: dass er in seinem Eheleben viel Schweres durchmachen musste. Aber gerade das ist für seine prophetische Tätigkeit wichtig geworden. Er lernte sein häßliches Erleben im höheren Licht zu sehen und zwar als ein Bild dessen, was Gott mit seinem Volk durchmachte. Er wurde somit gleichsam ein Leidensgenosse Gottes.(*)

Zur Zeit des Königs Jerobeam II lebten die Bewohner des israelitischen Nordreiches im Wohlstand. Sie waren dabei durchaus religiös. Sie entrichteten im Allgemeinen ihre Opfergaben. An den Staatsheiligtümern Gilgal und Bethel ließen sie für sich opfern. Doch ganz privat lebten sie in Unzucht und Schwelgereien. Hosea lebte im Nordreich und wurde dort Opfer dieser Praktiken. Seine Frau verließ ihn. Sie war offenbar eine Hure. So wie seine Frau ihm untreu geworden war, so war Israel Gott untreu geworden. Daher redet er zu seinen Volksgenossen mit den Worten: “Höre, Du Hure des Herrn!“ Dann sagt er ihnen, was der Herr von ihnen erwartet: “Ich habe Lust an der Liebe und nicht am Opfer, und an der Erkenntnis Gottes, und nicht am Brandopfer.“(Hosea 6,6). Jesus greift in Matthäus 9,12-13 diese Worte auf.
Nach dem Tode Jerobeams II. geht das Nordreich in den Auseinandersetzungen mit den Assyrern in den Jahren zwischen gegen 733 – 722 v.Chr. unter. Die städtische Oberschicht wird deportiert (**) und kommt nicht mehr zurück. Nur die untere bäuerliche Schicht bleibt und vermischt sind mit Menschen anderer Kulturen. Der nördliche israelitische Staat löst sich praktisch auf. Die 10 Stämme, welche dort wohnten, gelten bis heute als verloren. Die Voraussagen des Amos erfüllten sich.
Die werbende Liebe des Hosea wird sicherlich dazu geführt haben, dass mancher Israelit sich schon zuvor ins Süd-Reich absetzte hat, um dort seinen Bund mit Jahwe zu erneuern. Juda überlebte, weil es sich zu jener Zeit durch den Propheten Jesaja überzeugen ließ, sich den Assyrern zu unterwerfen und ihnen Tribut zu zahlen.

Die Geschichte Israels zeigt, dass es sich lohnt, auf Männer Gottes zu hören. Juda beachtete die Worte des Jesaja und der nachfolgenden Propheten mehr oder weniger. Daher bewahrte es Jahwe sowohl in der Babylonischen Gefangenschaft als auch in der Diaspora. - Wohlstand währt nicht ewig. Aber Völker, deren Einwohner auf Gottes Wort hören und sich bemühen, danach zu handeln, bleiben. Das Volk der Juden ist ein lebendiges Beispiel dafür.

Quellen:
1) Jubiläsbibel nach der dtsch. Übersetzung von Martin Luther von 1964, Würtembergische Bibelanstalten Stuttgart.
*S.1073
2)Martin Noth:“Geschichte Israels“
** S.236
3) Siehe Wikipedia:

www.de.wikipedia.org/wiki/Hosea