Der Zehnte

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Seit 60 Jahren besuche ich fast regelmäßig die sonntäglichen Gottesdienste, katholische oder protestantische, zumeist aber in Freikirchen. Dabei fiel mir immer auf, dass nur in Letzteren der Zehnte gepredigt wird. Es wird mitunter nicht präzisiert, von welchem Einkommen er zu zahlen sei: Brutto,Netto oder von dem, was einem Christen tatsächlich zur Verfügung steht.

Woher kommt der Zehnte?


Der Zehnte wurde im Priesterstaate Israel vor etwa 3000 Jahren eingeführt. Damals besaß das Volk keinen König. Steuern oder ähnliche Abgaben waren dem Volke fremd. Es lagen Verhältnisse vor, wie sie bei unseren Vorfahren noch zur Zeit der Varusschlacht herrschten. Das einzige, was die Heerführer vom Volke erwarteten, war die Gefolgschaftstreue. In allen Völkern wird es aber eine religiös bedingte Abgabe gegeben haben. In Israel war das der Zehnte an die Leviten (4.Mose 18,21), die den Opferdienst verrichteten. In der Königszeit ging dieser an den König (1.Samuel 8,15), der es dann für seine Pflicht ansah, Tempel und Priesterschaft mit dem Nötigen zu versorgt. Aber schon zur Zeit Jesu hatten sich die Verhältnisse grundlegend geändert. Neben Herodes Antipas, dem jüdischen König, verlangten auch die Römer eine Steuer, die sogenannte "Kopfsteuer" von ihren jüdischen Untertanen. Daneben erwartete der Tempel weiterhin den Zehnten, den in der Regel aber nur noch die Gesetzeslehrer und Pharisäer bezahlten. Auf den Zehnten legten sie sehr viel Wert. Daher ermahnt sie Jesus in Matthäus 23,23: "Weh euch Gesetzeslehrern und Pharisäern! Ihr Scheinheiligen! Ihr gebt Gott den Zehnten Teil von allem, sogar noch von Gewürzen wie Minze, Dill und Kümmel; aber um das Wichtigste an seinem Gesetz, um Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue, darum kümmert ihr euch nicht. Dies solltet ihr tun, ohne das andere zu lassen!"

Der Zehnte in der Neuzeit


Wie schon oben erwähnt, wurde der Zehnte in AT eingeführt. Allbereits Abraham bezahlte ihn an den König von Salem (Jerusalem), wie es im 1.Mose 14,20 berichtet wird.
Das Volk Israel führte ihn gleich bei seiner Staatsgründung im "gelobten Land" Kanaan ein.Für die damaligen Verhältnisse war dieser "Steuersatz" von 10% durchaus angemessen. Das Land war unter dem Volke gleichmäßig verteilt worden. Sollte jemandes Anteil über die Jahre geschmählert worden sein, so wurde spätestens im sog Jubeljahr die materielle Gleichheit wieder hergestellt. In Israel waren die Bewohner anfangs also etwa gleich vermögend. Daher war ein einheitlicher Steuersatz von 10% durchaus gerecht. Aber schon zur Zeit der Fremdherrschaft unter den Assyrern wurde das Jubeljahr abgeschafft. Von nun an gab es Reiche und Arme. Den Letzteren fiel es schwer, den Zehnten an den Tempel zu zahlen. Daher lehrte Jesus diesen Zehnten auch nicht mehr. Im Gegenteil, er sieht die Zehnforderung der Schriftgelehrten und Pharisäher sehr kritisch, wie die obige Bibelstelle zeigt.
Doch Christus und seine Nachfolger waren von Anfang an für materielle Gleichheit. Man spricht daher heute noch von dem Urkommunismus in der ersten christlichen Gemeinschaft. Auch im späteren christlichen Gesellschaften bemühte man sich darum, einen Ausgleich materieller Güter einzuführen. So konnte bis ins späte Mittelalter im christlichen Europa der Zehnte gezahlt werden. Doch gefordert wurde er nur von den Besitzenden gleichen Standes. Das waren die Landwirte auf ihren Meyerhöfen. Knechte und Mägde, sowie die Kötter waren unfrei und damit besitzlos. Sie bezahlten keinen Zehnten. Doch die sozialen Verhältnisse änderten sich mit der Zeit. Am Anfang des neunzehnten Jahrhunderts wurde die Leibeigenschaft abgeschafft. In der Mitte desselben Jahrhunderts veränderte die "Industrielle Revolution" unsere Gesellschaft in Europa grundlegend. Nun gab es superreiche Unternehmer auf der einen Seite und sehr arme Industriearbeiter. Im Laufe des 20.Jahrhunderts setzte sich daher eine Steuerreform durch, die einen progressiven Steuersatz einführte: Den Niedrigverdienern wurde der niedrigste Steuersatz zugeteilt, den Großverdienern der Spitzensteuersatz. Jetzt musste also der Zehnte als allgemeine Abgabe an die Obrigkeit, in Gestalt des Staates oder der Kirche, aufgegeben werden.
Dennoch hielten die Kirchen zunächst traditionsgemäß am Zehnten als Kirchensteuer fest. Doch der Progression der Steuersätze musste Rechnung getragen werden, denn auch die Kirchenmitglieder besaßen ein inhomoges Einkommen. Die Kirchensteuer zu staffeln, machte wenig Sinn, zumal dann die feste "10" hätte aufgegeben werden müssen. Deshalb orientierte man sich an dem Steuersatz , den das Kirchenmitglied an den Staat zahlte. Ein Zehntel davon sollte an die Kirche überwiesen werden. Damit schuf man eine progressive, einigermaßen gerechte Kirchensteuer, welche die Leute mit einigem Recht noch als "Zehnten" bezeichnen konnten. Später wurde aus 10% , 9%, 8% oder sogar 7% (s.u.).

Was bezahlen nun Mitglieder einer nicht staatlichen Freikirche?


Was einer Familie zur Verfügung steht, ist keinesfalls der Nettolohn des Ernährers, denn mit allem, was die Familie davon kauft, bezahlt sie gleichzeitig Mehrwertsteuer. Mancher muss von seinem Netto gar noch Unterhalt zahlen. Es ist also gar nicht so leicht, herauszurechnen, welches der Zehnte von dem ist, was uns wirklich zum Leben bleibt. Glücklich dürfen wir darüber sein, dass Jesus Christus den Zehnten nicht gelehrt hat. Auch der Hebräerbriefschreiber fordert ihn keinesfalls: Er empfiehlt lediglich den noch in jüdischer Tradition stehenden Judenchristen, den Zehnten an die Gemeinde zu überführen und nicht an den Tempel! Der Grundkanon dort ist: "Wenn schon der Zehnten, dann bitte an die Gemeinde!"

Ist die Forderung des Zehnte in der Moderne noch gerechtfertigt?

Jesus sagt: "Das eine sollte man tun, das andere nicht lassen."(s.o. Matthäus 23,23) Es ist schon angebracht, sich nach einer biblischen Richtlinie zu orientieren, damit die Spende an die christliche Gemeinde nicht der Beliebigkeit des Gemeindemitgliedes ausgeliefert ist. Doch Prediger sollte aufpassen, was sie fordern - besser als eine stroffe Forderung wäre eine Empfehlung, so ähnlich wie Christus sie in seinem oberen Ausspruch abgibt! "Ich habe den Zehnten vom meinem Nettogehalt gezahlt und habe dieses bis heute nicht bereuen müssen," wäre so eine ermutigende Empfehlung.
Einen monatlichen Grundbetrag für den Prediger oder die Prediger sollte jeder Zahlen, dem es möglich ist. In der Ev. Landeskirche waren das früher einmal 10%, jetzt 9% , in einer Kirchengemeinde unserer Umgebung sogar nur noch 7% der Einkommenssteuer, wie mir bekannt wurde. In den freien Gemeinden dürfte der Beitrag wohl höher sein, weil dort in der Regel nur die zahlen, welche einigermaßen regelmäßig den Gottesdienst besuchen. Aber auch diese Gemeinden sollten nicht über ihre Verhätnisse leben, damit sie nicht mit ungenauen oder unberechtigten Zehnt-Forderungen ihre "Schäfchen kahlscheren" müssen, um ihre Schulden bezahlen zu können.
Allgemein gilt: "Wer wenig gibt, der wird auch wenig ernten! Wer viel gibt, wird viel ernten!" Doch alle Opfer sollten freiwillig sein, sei es für Predigt, Seelsorge oder Diakoni! Jeder, welcher ein monatliches Geldopfer spendet, der erhält gewiss von Gott seinen Segen!
05.01.2011 Kk

Wat sall dat met den vialen Kerken?


Ik was mohl in euner privaten Kerken. Da hadeste ne janze Menge too betahlen, damet you wat heuern draffst.  De woullen den Zenten von ollem, wat you verdeund haeddest. Un das Aergste was: De dat Priejen doen haet, de woern ganz normale Lui. De haddet nich mol studeuert. De haet moint, de kuennet dat ollet biedder as de Pastor in de Kerken. De haet saecht,  what se so mend over de Beubel.
Wen you wuss what heuern, dann moste betahlen, denn de Kerken bekamm keune Stuern vonne Lui, de do hin gohn sin. Dat was ollet privat.
Ik haebbe ollet, wat ik over haedde, in de Kerken betahlt. Muine Fru haet farken nix segt. Aver se wull eunen nuijen Kuehlschrank hebben un uine nuiche Kueiken un noch wat. Da gaff et struit un ik hebbe saecht, dat se sul to fruiden suin mit de saken de se heat.
Ik suems drofte nich priejen. "We so frech to suine Fru is, de draf nich," het se seacht. Ave muine Fru was doch suems aok frech, wuel se suems so wenich geld von mui kruigen het. Un da bin ek och frech weuern. So heb ik betahlt un betahlt un mot dobei juemmer muine Schnuiden hohlen.
Am Enne bin ick weg gohn. Ik hebbe mui segt: " Waruemme sall ik betahlen, wenn de annern us wat vertellt?" Vertellen künnen we us suims what, de Kinner dem Vadder un Mudder un umgekeiert."
Nun sin we Sundachs in de Kerken un betahlen usse Kerkensteuiern. Dat annere Geld , dat bruiket we suims!
"Obber ik blief bi Di, you holt muine Haenne. You fuierst mui nach duinen Rat end nimmst mui an met Ehren!" (Psalm 73,23-24)
De Olle!