Sowie in Adam alle sterben, so werden in Jesus alle leben.

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Die römisch-griechische Zeit der Urgemeinde

Als Christus auferstanden war, erschien er seinen Jüngern und jenen Leuten, die zuvor mit ihm unterwegs gewesen waren. Für die Außenstehenden war er verborgen geblieben. Die Jünger hielten sich versteckt. Doch nach Pfingsten wurden sie mutige Bekenner und vollbrachten die Wunderzeichen, die auch zuvor ihrem Herrn und Meister gefolgt waren. Die damalige Welt wurde dadurch auf sie aufmerksam.
Doch der religiösen Umwelt fehlte die theologische Begründung für die neue geistige Kraft. Diese Umwelt bestand im Wesentlichen aus Juden, Römern und Griechen. In dieser Welt war das Opfer Christi nur schwer einzuordnen. Diese Völker opferten Tiere in beträchtlicher Zahl in ihren Tempeln. Diese stellten die Schlachthöfe der Antike dar. Menschenopfer waren nur unter den Kanaanitern üblich gewesen. Barbaren übten sie weiterhin aus, wie Legionäre zu berichten wussten.
Für die Juden schien es noch am leichtesten zu sein, in Jesus das Opfer Gottes zu erkennen, denn im AT wird der Versuch Abrahams beschrieben, seinen Sohn Isaak für Gott zu opfern. Doch dieses Vorgehen wurde bekanntlich durch einen Engel unterbunden.
Das Martyrium Jesu allerdings wird schon vom Propheten Jesaja im Kapitel 53 seines Buches prophezeit. Es finden sich auch weitere Hinweise auf den Messias der Juden, so z.B. auf die Jungfrauengeburt und den Geburtsort Betlehem. Doch für Römer und Griechen blieb Jesu Opfer völlig unverständlich. Es trotzdem Juden, Griechen und Römern verständlich zu machen, darin bestand die theologische Herausforderung der Zeit.

Als der erste christliche Theologe, Paulus, sich mit dieser Problematik auseinandersetzen musste,da stellten sich ihm zwei Fragen:

1. Warum musste unbedingt ein Mensch geopfert werden, um unsere Sünden zu sühnen?
2. Warum reichte das Opfer nur eines Menschen für die vielen anderen Geschöpfe aus?

Die erste Frage beantwortet Paulus im Hebräerbrief 2, 12-28. Ein Mensch kann nur durch einen heiligen Menschen erlöst werde.  Ein Tier stellt kein adäquates Opfer dar. Pauli Argumentationen im Hebräerbrief und anderen Schriften machen das einsichtig.
Doch wie steht es mit der Antwort auf die zweite Frage? Immerhin hatten die Teutonen in ihrer Schlacht gegen die Römer in Arausio (Frankreich) alle Gefangenen zu Ehren ihres Gottes Wotan geopfert. Auch andere Naturvölker kannten nur das wiederholte Menschenopfer. Also erhebt sich die berechtigte Frage: Wie kann nur ein Mensch die Sünden vieler durch ein einmaliges Opfer aufheben? Paulus will und muss den damaligen Menschen darauf eine Antwort geben. Dabei greift er auf die Geschichte des Sündenfalles im Paradiese zurück (1.Mose 3) und argumentiert folgendermaßen: „So wie durch einen Menschen ADAM die Sünde in die Welt kam, so kommt die Erlösung durch den einen CHRISTUS!“ (Römer 5,12-18) Durch Adam sei die Sünde zu allen durchgedrungen. Dass Eva ihn zum Ungehorsam verführte, das entlastete den Adam nicht. Sünde ist Ungehorsam gegen Gottes Gebot. An Eva war das Gebot, diese Frucht zu meiden, nicht ergangen. Dass Adam auf seine Frau mehr hörte als auf seinen Schöpfer, das wurde ihm zum Verhängnis. Die Rechtfertigungslehre des Paulus überzeugte die damalige Welt. Dabei war dem Apostel durchaus bewusst, dass auch seine Erkenntnis unvollkommen war. (1.Kor. 13)
Hinter der Geschichte über Adam und Eva steht für mich ein ganz besonderes Menschenbild, das ich folgendermaßen umschreibnen würde: "Mensch wird man nur, wenn man Kontakt mit dem Schöpfer hat, entweder direkt, wie es bei Adam der Fall war oder indirekt über einen Menschen (hier:Adam), so wie es bei Eva geschah!" In diesem Sinne waren Adam und Eva die ersten Menschen. Ihnen fehlte allerdings die Kraft, sich gegen die Verführungen der Umwelt durchzusetzen. In dieser Weise verstehe ich den Schöpfungsbericht als ein Gleichnis, das mir viel zu sagen hat!

Die Moderne

1.Im zweiten Jahrtausend n. Chr. n. werden neue Fragen an den christlichen Glauben gestellt, wie z.B. „Ist die Erde wirklich eine Scheibe?“ oder „Dreht sich die Sonne um die Erde oder die Erde um die Sonne?“
2.Eine weitere Frage lautet: “Stellt die Adam-Eva-Geschichte eine wahre historische Begebenheit dar oder ist sie nur ein Mythos?“
3.Doch die brisanteste Herausforderung an die christliche Rechtfertigungslehre des Paulus stellt die wissenschaftliche Evolutionslehre dar!

Die Antworten auf den ersten Fragenkomplex sind bekannt. Die modernen Naturwissenschaften haben sich durchgesetzt. Die Weltanschauung, die der Bibel zugrunde liegt, ist subjektiv und damit relativ. Sie wurde der Vorstellungswelt der damaligen Zeit angepasst. Hätten die Autoren unsere Anschauung der Bibel zugrunde gelegt, dann wäre diese nicht verstanden worden. Die Autoren der Bibel beschreiben also Gottes Wirken in der Vorstellungswelt ihrer Zeit. Alle Christen, welche nicht zu den extremen Fundamentalisten gehören, erkennen das auch an.
Kommen wir damit zur zweiten Frage: Ist die Adam-Eva-Geschichte ein Mythos? Sie ist es, denn bei ihr handelt es sich um eine monotheistische Umdeutung des babylonischen Gilgamesch-Epos. Wenn sie nur ein Mythos ist, dann stellt sie keinen historischen Bericht dar. Trotzdem behält die Paulinische Rechtfertigungslehre ihrenWert. Man kann sie verständlich machen, indem man Adam eine natürliche Geburt zugesteht, wie sie auch bei Christus vorgelegen hat, natürlich in der Weise, dass beide Male Gott eingegriffen hat, um jeweils einen vollkommenen Menschen zu erschaffen. Die Evolutionstheorie stellt dabei gar kein Problem dar. Sie wird sogar in 1. Mose 1 bestätigt. Dort beschreibt der Autor des ersten Kapitels der Genesis die Erschaffung des Lebens in der von der Evolutionstheorie bestätigten Reihenfolge. Wie in der Evolutionstheorie so wird auch im biblischen Schöpfungsbericht die Erschaffung des Menschen ans Ende der Schöpfungsgeschichte datiert. Damit wäre die 2.Frage beantwortet.

Die Disharmonie zwischen Wissenschaft und Glaube entsteht erst dadurch, dass Paulus behauptet, Tod und Sünde seien erst nach Adam und Eva in die Welt gekommen. Damit wären wir bei der dritten Herausforderung. Sie ist die allergrößte! Wenn Tod und  Sünde vor dem ersten Menschenpaar schon in der Welt waren, dann fällt die Rechtfertigungslehre des Paulus in sich zusammen. In den frühesten Schichten der Erdgeschichte findet man jedoch Spuren des Todes. Mithin gab es den Tod schon vor Adam. Aber gab es vor Adam auch Sünde? Nun, einige Tiere wie die fleischfressenden Saurier fraßen andere Tiere. Aber ist das Sünde? Wenn ja, dann sündigten viele Lebewesen, bevor es Menschen gab! Professor Werner Gitt sagte vor Jahren zu mir sinngemäß das Folgende: „Wenn wir annehmen, dass Tod und Sünde vor der Erschaffung des ersten Menschen vorhanden waren, dann stürzt alles zusammen.“ Mit „alles“ muss er die Rechtfertigungslehre des Paulus gemeint haben – !
Doch Töten muss nicht unbedingt Sünde sein. Demnach würde ein wildes Tier, das ein altes oder nicht mehr lebensfähiges Beutetier tötet, nicht sündigen.  Auch Kämpfe rivalisierender Tiere mit Todesfolge wären kein Delikt; denn nur der Mensch erhält das Gebot: “Du sollst nicht töten! Damit ist aber das Töten eines Menschen durch einen anderen Menschen gemeint!“ Allein der Mensch erhält von Gott Weisungen, deren Übertretungen als Sünde bezeichnet werden.

Für viele hochbegabte Naturwissenschaftler stellte die paulinische Rechtfertigungslehre schon immer eine hohe Hürde dar und nicht nur für sie. Geblieben sind bis heute der Glaube an die Auferstehung wie der an die Wiederkunft Christi  und der Glaube an die Wunderkraft des Herrn. Mehr hatten die Jünger Jesu und späteren Apostel auch nicht geglaubt, bevor Paulus zu ihnen stieß. Doch Paulus hatte Entscheidendes dazu beigetragen, dass die Wirkungsgeschichte des Christentums einzigartig wurde.
Dennoch wird heute von intellektuellen Christen eine Erklärung dafür erwartet, warum das einmalige Opfer Jesu für alle reichen soll! Der ev. Theologe Bultmann hat versucht, darauf mit moderner Auslegung eine Antwort zu geben.  Den hochdekorierten Physikprofessor Carl Friedrich von Weizsäcker hat er damit für den christlichen Glauben zurückgewinnen können und mit ihm viele andere. Die Häme einiger Fundamentalisten gegen Bultmann und andere moderne Theologen scheint mir unangebracht zu sein.
Gott ist vollkommen – unser Erkennen und Wissen aber sind beschränkt (Paulus). Wenn wir einmal vor Gottes Richterstuhl erscheinen werden, dann werden wir nicht nach Rechtgläubigkeit beurteilt werden sondern nach unseren Taten. Daher sollten wir uns nicht gegenseitig den rechten Glauben absprechen. Die Beurteilung der Menschen und ihren Glauben steht in letzter Instanz allein Gott zu. Gehen wir Christen, Fundamentalisten wie Modernisten, fair miteinander um. Dann erfüllen auch wir das Gebot Christi

20.09.2014 Kk