Abriss und Neugestaltung

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In den "Sprüchen"  des AT der Bibel lesen wir im 12-ten Kapitel:
"17 Wer wahrhaftig ist, der sagt offen, was recht ist; aber ein falscher Zeuge betrügt. 18 Wer unvorsichtig herausfährt mit Worten, sticht wie ein Schwert; aber die Zunge der Weisen bringt Heilung." (nach der neuen "Scofield Bibel")

Diese Verse mögen mich begleiten, wenn ich mich im Folgenden mit den Entwicklungen in meiner Heimat befassen werde.
Im letzten Jahrhundert stand in unserer Nachbarschaft noch drei Bauernhäuser aus Fachwerk. Sie wurden nicht erneuert sondern um die Jahrtausendwende  abgerissen und durch moderne Wohnhäuser ersetzt. Das war durchaus nachvollziehbar, denn unsere  ehemals ländliches Gegend verwandelt sich in ein  Siedlungsgebiet. Das war abzusehen!
Hingegen erschreckte mich ein Trend , der sich anschließend vollzog, nachdem die ländlichen Betriebe schon verschwunden waren. Mehrere gut erhaltene Einfamilienhäuser wurden aufgekauft und niedergerissen, um einem modernen Bungalow Platz zu machen.  Eines unserer Nachbarhäuser, das 1937 gebaut wurde, erhielt vor etwa 25 Jahren neue wärmedämmende  Fenster, vor 10 Jahren ein neues Dach mit moderner Wärmeisolierung , dazu noch eine hochmoderne Gasheizung und einen neuen Anstrich. Zuletzt war es noch bis zu den Fundamenten hinab gegen Feuchtigkeit isoliert worden.
Nun war das kinderlose Ehepaar gestorben, welches das Haus zuvor bewohnt hatte. Zunächst war der Mann am Ende seiner Siebziger heimgegangen, dann seine vier Jahre jüngere Frau, als sie in sein Alter gekommen war.  Während ich hier ihre Geschichte niederschreibe, wird ihr Haus abgedeckt, nachdem es zuvor entkernt worden war. Gebaut hatte dieses  Häuschen 1937 ein Ehepaar auf einem schmalen, etwa 1000 m² großem Grundstück, das es zuvor vom Bauern August für einen Quadratmeterpreis von 1,20 RM erworben hatte. Heute würde man hier für ein erschlossenes Grund etwa 100€ pro m² zahlen müssen! Woher kommen die immensen Preissteigerungen für hiesige Grundstücke? Zunächst liegt unsere Siedlung in einem von Industrieunternehmen durchsetzten Landstreifen, der sich von Gütersloh über Bielefeld, Herford, Bünde bis Oeynhausen hinzieht. Gut bezahlte Beschäftigungen lassen sich hier leicht finden. Doch das hiesige Wohnen auf unserem Hügel ist mit guter Aussicht und mit verhältnismäßig reiner Luft begnadet. Die LKW und PKW, welche unser Gebiet durchstreifen und Stickoxyde und CO² ausstoßen, fahren in Osten und Westen an unserem Hügel vorbei. Daher möchte niemand der Einheimischen in einer der Niederung wohnen, durch die sie fahren. Daher wurde das einstmals sehr preiswerte Bauernland zum begehrten Bauland. Da hier neu erschließbares Land nicht freigegeben wird, bleibt als einzige Möglichkeit "aus Alt,  Neu zu machen", wenn man hier wohnen will.
Doch tut es mir in der Seele leid, wenn ich sehe, wie teure und wertvolle Bausubstanz vernichtet wird, um sich Lebensträume zu erfüllen. Bei dem Hunger in der Welt, den Flüchtlingsdramen und den Kriegen, die schon so viel vernichtet haben, kommt mir der  gegenwärtige Trend makaber vor.  Doch in meiner Jugend bin ich ähnlich verfahren, um mir ein Heim zu schaffen, das mir gefällt.
Aber das Haus meiner Ahnen mit den runden Sparren aus Tannenstämmen und den roten Deesberger Ziegeln von 1939 habe ich dabei erhalten. Es soll mich an meine Eltern erinnern, denen ich so viel zu verdanken habe.

Altes missfällt uns, Neues fasziniert uns, weil es besser ist als das Alte.

So weit, so gut! Aber warum wenden wir diese Methode nur auf materielle Dinge an?  Wir können doch auch unseren Geist und unsere Seele erneuern, indem wir nicht nur uns selber leben, sondern auch dem Schöpfer aller Dinge verehren, der seinen Sohn Jesus Christus für uns als Opfer gegeben und für uns auferweckt hat. Er hat uns eine Wohnung in den Himmeln bereitgestellt, die ewig ist. Unser Verweilen auf dieser Erde ist zeitlich begrenzt. Vergessen wir nicht, den Schöpfer zu ehren und den Armen zu helfen! (Mk 14,7)

11.08.2017 Kk