Nach einem Atomkrieg

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Eine Phantasiegeschichte

Nach dem dritten Weltkrieg leben nur noch ganz wenige Menschen auf der Erde. Es sind die Ärmsten der Armen. Da sie die Energiekosten für das Wohnen in Häusern nicht mehr aufbringen konnten, lebten sie vor dem Kriege in Erdhöhlen. Dadurch wurden sie durch die atomaren Strahlen nicht getötet. Fortpflanzungsfähig waren aber nur die Höhlenmenschen, die im Inneren Asiens lebten und nie Lesen und Schreiben gelernt hatten. Vom Krieg hatten sie nur die starken Lichtblitze und das Donnergrollen mitbekommen. Ihre Kenntnisse und Fertigkeiten konnten sie ihren Kindern nur mündlich übermitteln. Über ihnen war das Menschenwerk fast vollständig zerstört. Neben den Menschen waren die Ratten die einzige höher entwickelte Lebensform, die überlebte.
Ihre Zeitrechnung begann mit dem Ende des dritten Weltkrieges, den sie den "Bong- bang" nannten. Die Nachkommen lernten mit der Zeit Lesen und Schreiben und fanden auch Daten und Aufzeichnungen über die Technologie vor "Bong-bang". Außerdem machten sie sich Gedanken über ihre Herkunft.
Nach einigen tausend Jahren gab es wieder Schulen und sogar einige Universitäten. Eine vielbesuchte Fakultät war die Evolutionswissenschaft. Aus einem Colloquium dieses Fachgebietes stammt folgender Dialog:

Lehrer (L): Der Mensch stammt von den Ratten ab.
Schüler (S): Aber Ratten bewegen sich auf allen vier Gliedmaßen, während wir nur zwei zum Gehen benötigen.
L: Auch der Mensch ging zunächst auf allen Vieren. Er war ja eine Ratte. Zunächst haben sich die weiblichen Spezies aus dieser Fortbewegungsart emanzipiert.
S: ... weil sie nicht immer gegen ihren Willen von hinten begattet werden wollten.
L: Genau - scharf beobachtet!
S: Aber die Ratten haben doch ein ganz anderes Gesicht als wir.
L: Nun, beim Aufrechtgehen fielen die Ratten oft auf ihre Nase. Dadurch wurde diese automatisch kürzer und der Menschennase ähnlicher.
S: Aber doch nicht bei allen!
L: Nein, naürlich nicht. Der entscheidende Evolutionsschritt war der folgende: Es gab Langnasen und es gab Kurznasen. Die Kurznasen setzten sich gegen die Langnasen durch, weil sie besser küssen konnten als jene. Mithin bekamen sie auch mehr Nachkommen. Außerdem konnten sie besser um die Ecke schauen und dadurch mehr kopulationsbereite Weibchen entdecken.
S: Ich habe von meiner Urgroßmutter gehört, dass die Menschen schon vor dem "Bong-bang" Aufrechtgehen, Autofahren und Fliegen konnten. In welchen Zeiträumen hat sich das alles abgespielt?
L: Wir gehen heute davon aus, dass sich diese gesamte Entwicklung über viele Millionen Jahre hingezogen hat. Allein das Aufrichten des Menschen hat mindestens 100 000 000 Jahre Entwicklungsgeschichte benötigt, das schnelle Fahren mit Verkehrsmittel mindestens 200 000 000 Jahre und beim Fliegen gehen wir von etwa 500 000 000 Jahren aus.

S: Mein Vater sagte mir, er habe aus zuverlässiger Quelle gehört, Gott habe den Menschen so intelligent geschaffen, dass dieser Autofahren, das Fortbewegen mit öffentlichen Verkehrsmitteln und das Fahren mit Motorschiffen, das Fliegen mit Flugzeugen und Raketen sowie das Übertragen von Sprache, Musik und Filmen durch Funk in insgesamt nur 150 Jahren gelernt habe. Außerdem habe er in dieser Zeit noch weitere Maschinen gebaut, die ihm seine geistige und körperliche Arbeit weitgehend abnahmen.
L: Diese Fundamentalisten sterben doch nie aus!
S: Das sagt mein Vater auch immer !

Kk