Brille und Spiegel

Inhalte

Momentan wird in den Medien über die Missstände in der römisch-katholischen Kirche berichtet, vor allen Dingen über den Kindesmissbrauch, den einige Priester verübt haben. Einige Protestanten, gerade auch solche, welche nur gelegentlich oder gar nicht die Gottesdienste besuchen, fallen über die Priesterschaft der römisch-katholischen Kirche her.
Fragt man die Leute, welche sich über diese Sexualverbrechen aufregen, ob sie nicht selber Schuld auf sich geladen hätten, so hört man oft: „Ich habe keinen umgebracht!“ Andere flippen förmlich aus, wenn man sie an das Jüngste Gericht erinnert.
Durch viele Gespräche mit protestantischen Kirchensteuerzahlern, welche das Kirchengebäude in der Regel nur von außen sehen, habe ich den folgenden Eindruck gewonnen:
Ungläubige Menschen, zu denen ich auch diese zähle, sehen andere Menschen sehr kritisch, so als hätten sie eine „spirituelle Brille“ auf ihrer Nase, welche nur die Charakterschwächen und Fehltritte der anderen Menschen sieht. Vor allen Dingen vermittelte diese Brille eine übergroße Schärfe, wenn das Objekt ihrer Betrachtung ein Priester, Pastor oder ein praktizierender Christ ist. Schon die Apostel der Urgemeinde hatten sich mit diesem Phänomen auseinander zu setzen. Daher schreibt der Apostel Paulus im 4.Kapitel des 1. Korintherbriefes:
„Denn ich meine, Gott hat uns Apostel als die Allergeringsten hingestellt, wie zum Tode Verurteilte. Denn wir sind ein Schauspiel geworden der Welt und den Engeln und den Menschen.“(nach Luther 2017)
Wie verhält es sich nun mit Menschen, die zum christlichen Glauben bekehrt wurden?
Wohlgemerkt, kein Mensch kann einen anderen zum Glauben bekehren. Zwar benutzt unser Herr Jesus Christus Priester und Pastore als sog Wegweiser zum Seelenheil. Bekehren kann jedoch nur Gott allein, wie es Römer 9,16 beschreibt:
„So liegt es nun nicht an jemandes Wollen oder Laufen, sondern an Gottes Erbarmen.“
Nun kann ich keine allgemeine Regel aufstellen, wie das geschieht. Ich kann lediglich bezeugen, wie sich das bei mir vollzogen hat. In großer seelischen Not überkam mich ein tiefer Friede und eine große unbeschreibliche Freude trotz äußerer sozialer und belastender familiärer Verhältnisse.
Von diesem Augenblick an verstand ich die Zusammenhänge, von denen in den sonntäglichen christlichen Predigten die Rede war. Gott schenkte mir zusätzlich einen „spirituellen Spiegel“, in dem ich auch meine eigenen Verfehlungen sehen konnte. Dafür bat ich meinen Heiland unter Tränen um Vergebung. Mit der Zeit verschwanden dann alle meine Ankläger, die mir alte Sünden vorwerfen wollten.
Meine „spirituelle Brille“ bekam eine größere Schärfe und zwar dadurch, dass ich nicht nur die unmoralischen Aktionen anderer sah, sondern auch das dadurch verursachte Leid sowohl beim Opfer als auch beim Täter. Auf diese Weise konnte ich zu einem Seelsorger werden, der belasteten Personen durch Gebet und Zuspruch helfen durfte.
Oftmals kenne ich die Leute gar nicht, die mir unterwegs begegnen und mir ihre Probleme schildern. Ich frage nur nach ihren Vornamen und nach den Vornamen der Personen, die sie mir nennen, damit ich auch sie in meine Fürbitte einschließen kann.
Verbrechensbekämpfung überlasse ich der Polizei und den Gerichten. In unserem Gebetskreis schließen wir daher auch unsere staatlichen Organe samt Regierung in die Fürbitte ein.

03.03.2019 Kk