Im deutschen Ostfranken gab es im frühen Mittelalter noch keine allgemeinverbindliche Rechtsordnung. Erst 1495 führte Kaiser Maximilian das Reichskammer-Gericht ein, vor dem jeder Rechtsstreit zwischen Chur-Fürsten, Fürsten und Stände und allen Reichsangehörigen geschlichtet werden sollte. Bis dahin galt mehr oder weniger das Recht des Stärkeren. Allerdings gab es ungeschriebene Gesetze. So z.B. erwartete man von einem Adligen, die einmal geschworene Treue zur Gefolgschaft einzuhalten. Auch mündliche Zusagen waren verbindlich und besonders abgelegte Eide. Nur der Papst in Rom konnte einen geschworenen Eid aufheben. Letzteres sorgte in unserer Heimat oftmals für Irritationen.

Der bekehrte Ritter

Über tiefen Tales Grunde
ragt ein hoher Turm empor.
Ein Fluch aus eines Bauers Munde
schallt hinauf ins Graphen Ohr.

Oben schaut der schwarze Ritter
auf das weite Land hinaus.
Seine Blicke gleiten bitter
über jedes Bauernhaus.

Die Pferde haben kaum noch Futter,
die Kerzen glimmen langsam fort.
Versunken denkt an seine Mutter
der Burggraf aus dem fernen Ort.

Die Burg wurde ihm verpfändet,
nachdem er einst daheim verlor,
den Vater, dessen Herrschaft endet
im Zweikampf vor dem Burgentor.

Der Ritter auf des Turmes Spitze
leiht den Bauern heut sein Ohr.
Sie reißen lauthals böse Witze,
um ihn zu locken vor das Tor.

Er stieg traurig nun hernieder
in die Kapelle vor dem Tor.
Angekommen, kniet er nieder
unterm Kreuz im kleinen Chor.

Sein Priester im ergrautem Haar
mit sanfter Stimme zu ihm tritt,
der schon des Vaters Helfer war,
als dieser in den Kampfe ritt.

Doch jener führte harte Rede,
als ihn sein Volk um Milde bat.
So ging er unter in der Fehde,
in der ein Bauer ihn erstach.

Milde, Milde, junger Mann,
zollt dem Bauern seine Ehre,
denn er spannt sein Röslein an,
damit der Acker Euch ernähre.

Im Tore steht der Gottesmann
mit seinem Ritter hintenan
und die beiden jetzt beteuern:
Es gibt keine neuen Steuern!

Nun, des Ritters stolzes Ross
trabt nicht mehr im Kriegestross.
Vom Kampfe hat es jetzt genug,
drum zieht es nun des Bauern Pflug.

Man hört im Schlosse keine Feiern
mit stolzen, aufgeblas`nen Freiern,
doch in den Hütten Fröhlichkeit
für eine glücklich lange Zeit.

24.06.03 Kk

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